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Asylpolitik: Australien will Flüchtlinge in Rettungsbooten nach Indonesien schicken

Flüchtlingsboot vor Australiens Küste: "Wir können zur Rechenschaft gezogen werden" Zur Großansicht
AFP

Flüchtlingsboot vor Australiens Küste: "Wir können zur Rechenschaft gezogen werden"

Australiens Regierung will Flüchtlinge um jeden Preis fernhalten. Premier Abbott plant offenbar den Kauf von Rettungsbooten, mit denen illegale Einwanderer aufs Meer zurückgeschickt werden sollen.

Canberra - Australien verschärft das Vorgehen gegen illegale Einwanderer. Laut Medienberichten kauft die Regierung in Canberra derzeit bis zu 16 Rettungsboote, in denen Flüchtlinge nach Indonesien zurückgeschickt werden sollen.

Die Pläne von Premierminister Tony Abbott sehen demnach so aus: Gerät ein Schiff mit illegalen Einwanderern vor der australischen Küste in Seenot, werden die Überlebenden künftig nicht mehr in Auffanglager nach Australien oder in verbündeten ozeanischen Staaten gebracht. Stattdessen sollen sie in eines der Rettungsboote gesetzt und mit Verpflegung für eine Woche ausgestattet werden. Dann müssen sie aus eigener Kraft zurück nach Indonesien fahren, von wo aus sich die meisten Flüchtlingsboote auf den Weg nach Australien machen.

Die im September angetretene konservative Regierung hatte ein hartes Durchgreifen gegen Flüchtlinge angekündigt. Tausende versuchen jedes Jahr, den fünften Kontinent zu erreichen. Schlepper pferchen Dutzende Menschen auf kaum seetüchtige Kähne. Sie bringen die Boote absichtlich in Seenot, sobald ein Schiff der australischen Küstenwache in Sicht ist, um eine Rettung zu erzwingen.

Regierungschef Abbott hatte im Wahlkampf angekündigt, die Flüchtlingsboote zu stoppen. Einwanderungsminister Scott Morrison wollte sich nicht zu den aktuellen Plänen äußern, um den Schleusern keine Hinweise zu liefern.

Die oppositionelle Labor-Partei in Canberra kritisiert die Anschaffung der Rettungsboote - allerdings weniger aus Angst um die Flüchtlinge. Vielmehr geht es um die Beziehungen zu Indonesien, die wegen der Asylpolitik und einem Abhörskandal des australischen Geheimdienstes ohnehin seit Monaten belastet sind.

"Der Premierminister will die Pläne nicht erläutern, weil dann deutlich würde, wie verheerend die Auswirkungen auf unser Verhältnis zu Jakarta sind", sagte der Labor-Abgeordnete Mark Dreyfus. Auch sein Parteifreund Anthony Albanese kritisierte die Informationspolitik der Regierung: "Wir sind nicht Nordkorea, das ist kein stalinistisches Regime."

Rechtsexperten weisen zudem daraufhin, dass Canberra sich nicht so einfach aus der Verantwortung stehlen könne. "Wenn die Flüchtlinge in Rettungsbooten unter australischer Flagge in Seenot geraten, können wir dafür zur Rechenschaft gezogen werden", sagte die Juristin Sara Davies dem "Guardian".

Laut indonesischen Behörden hat Australien in den vergangenen Wochen bereits mindestens zwei Flüchtlingsschiffe nach Indonesien zurückgeschickt. Offenbar entgingen die Passagiere nur knapp dem Tod: "Sie wurden von Einheimischen gerettet. Die Schiffsmotoren waren ausgefallen. Das Boot ist jetzt ein Wrack", berichtete ein indonesischer Polizeisprecher.

Nach Angaben australischer Behörden kamen im vergangenen Jahr mehr als 25.000 Menschen in Booten illegal ins Land, die meisten von ihnen kommen aus Afrika und dem Nahen Osten. Mindestens tausend Flüchtlinge starben bei der Überfahrt.

syd/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 130 Beiträge
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1.
dansyd 08.01.2014
Also ich lebe seit 15 Jahren in Australien und muss sagen dass dieses Volk im Laufe der Jahre wirklich obszoen materialistisch und egozentrisch geworden ist. Nach Menschlichkeit und dem Blick ueber die Grenzen von AUS hinweg muss man echt lange suchen. Wir kehren diesem egoistischen und grausamen Volk den Ruecken und ziehen zurueck nach Europa, da ist zwar auch nicht alles rosig aber zumindest weiss man mit dem Wort Humanismus noch was anzufangen. Hier unten zaehlt nur Geld, Sport und Alkohol, alles andere interessiert die Aussies einen feuchten Dreck. Oft genug liest man in den Kommentaren zu australischen Berichten ueber die Bootsfluechtlinge dass man diese doch einfach versenken sollte, dann waere das Problem geloest. Es ist wirklich ein ekelhaftes Voelkchen geworden die Australier, voellig vom Geld geblendet, total auf sich selbst bezogen, keinerlei Empathie Menschen gegenueber denen es nicht so gut geht, und mit diesen Defiziten auch noch prahlen. Pfui Teufel, Tony Abbott ist einfach nur die australische Version von George W Bush, aber leider ist die Amtszeit des Premierministers hier unten nicht auf zwei Legislaturperioden beschraenkt. Wobei man sagen muss dass die "Linken" auch nicht viel besser waren.
2.
Maro2 08.01.2014
menschenverachtend
3.
schnuffschnuff 08.01.2014
Zitat von sysopAFPAustraliens Regierung will Flüchtlinge um jeden Preis fernhalten. Premier Abbott plant offenbar den Kauf von Rettungsbooten, mit denen illegale Einwanderer aufs Meer zurückgeschickt werden sollen. Australien will Flüchtlinge in Rettungsbooten nach Indonesien schicken - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/australien-will-fluechtlinge-in-rettungsbooten-nach-indonesien-schicken-a-942342.html)
Wie blöd ist das denn? Mit den Rettungsbooten kann man dann nicht weiter Richtung Australien fahren??? Oder ein Loch reinbohren, um auch dieses Boot seeuntüchtig zu machen???
4. Kein Zweifel
Bondurant 08.01.2014
Zitat von sysopAFPAustraliens Regierung will Flüchtlinge um jeden Preis fernhalten. Premier Abbott plant offenbar den Kauf von Rettungsbooten, mit denen illegale Einwanderer aufs Meer zurückgeschickt werden sollen. Australien will Flüchtlinge in Rettungsbooten nach Indonesien schicken - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/australien-will-fluechtlinge-in-rettungsbooten-nach-indonesien-schicken-a-942342.html)
Australien ist ein "klassisches Einwanderungsland", wie man sieht.
5. Weltweite Armutsmigration
MichaelKlein 08.01.2014
Die Frage die sich jeder Staat früher oder später stellen muss, ist leider nunmal diejenige unliebsame: wie viel Migranten verträgt unsere Ökonomie?
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