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Kampagne gegen Flüchtlinge: "Keine Chance - Australien wird nicht eure Heimat"

Australiens Kampagne: "No Way" für Bootsflüchtlinge Fotos
Australian Government

Australien geht radikal gegen Bootsflüchtlinge vor - selbst Kinder werden auf hoher See zurückgeschickt. Nun schaltet die Regierung weltweit Anzeigen, um illegale Einwanderer abzuschrecken. Kritiker sind entsetzt.

Canberra - Ein kleines Schiff in schwerer See, der Himmel darüber ist bedrohlich grau. Mit diesem Motiv will die australische Regierung potenzielle illegale Einwanderer abschrecken.

Noch beklemmender als das Bild des vom Untergang bedrohten Schiffs ist der Schriftzug auf der Anzeige: "Keine Chance - Australien wird nicht eure Heimat". Die Regierung in Canberra verbreitet diese Botschaft in insgesamt 17 Sprachen - von Albanisch über Arabisch, Farsi und Somali bis Vietnamesisch. In den vergangenen Tagen erschien die Anzeige in mehreren Ländern - unter anderem in pakistanischen Zeitungen.

Australiens Behörden brüsten sich damit, dass die Regierung die strengsten Grenzschutzmaßnahmen aller Zeiten eingeführt habe. Jedes Boot, das illegal in australische Gewässer eindringt, werde abgedrängt. "Diese Regel gilt für jeden: Familien, Kinder, unbegleitete Kinder, Gebildete und Fachkräfte", stellt die Regierung klar. "Denkt zweimal nach, bevor ihr euer Geld verschwendet. Menschenschmuggler lügen."

In einem Video, das ebenfalls in mehreren Sprachen im Internet verbreitet wird, warnt der Kommandeur der Küstenschutzmission "Souveräne Grenzen" ebenfalls eindringlich davor, mit dem Schiff illegal nach Australien gelangen zu wollen.

In den vergangenen Monaten hat die konservative Regierung von Premierminister Tony Abbott die Asylgesetze immer weiter verschärft. Inzwischen setzen die Behörden Boote ein, mit denen illegale Einwanderer zurück nach Indonesien fahren sollen.

Australier entschuldigen sich bei Asylbewerbern

Flüchtlinge, die es trotzdem nach Australien schaffen, werden in Internierungslagern im Ausland festgehalten - auf Nauru und in Papua-Neuguinea. Menschenrechtsgruppen verurteilen die verheerenden Zustände, unter denen die Migranten dort leben müssen - unter ihnen Hunderte Minderjährige. Derzeit haben etwa 3300 Menschen, die in den Lagern einsitzen, Asyl beantragt.

Bürgerrechtler kritisieren die Haltung der australischen Regierung scharf: "Fast alle Tode sind durch den abstoßenden Umgang der australischen Küstenwache verursacht worden, der es wichtiger ist, die Boote zu stoppen, als Leben zu retten."

Einige Australier haben die Webseite "Sorry Asylum Seekers" ins Leben gerufen, auf der sie sich bei Asylsuchenden für die Politik ihres Landes entschuldigen. Sie erinnern ihre Regierung auch an die eigene Geschichte - schließlich sind fast alle Australier selbst Nachfahren von Einwanderern.

Australiens Regierung verweist auf ihr Einwanderungsprogramm, über das 2013 insgesamt 119.000 Menschen aufgenommen wurden - darunter rund 20.000 Flüchtlinge. Pro tausend Einwohner waren das rund 0,87 aufgenommene Flüchtlinge. Zum Vergleich: Deutschland gewährte 2012 nur etwa 0,2 Flüchtlingen pro tausend Einwohnern Schutz.

Befürworter der harten Politik gegenüber Bootsflüchtlingen wollen verhindern, dass illegale Einwanderer dieses Kontingent ausschöpfen und so jene Flüchtlinge, die auf legalem Wege nach Australien wollen, die Möglichkeit dazu nehmen.

syd/puz

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