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Australiens neue Regierungschefin Gillard Rote Rebellin mit schwerem Erbe

Australiens Regierungschefin Gillard: Die rote Julia
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REUTERS

2. Teil: Warum Julia Gillard heftige Attacken gelassen nimmt

Als Kind litt Gillard, geboren in Wales, an einer Lungenkrankheit. Als sie vier Jahre alt war, wanderte ihre Familie nach Adelaide aus - in der Hoffnung auf besseres Klima. Gillard arbeitete als Anwältin, bevor sie 1998 erstmals ins Parlament gewählt wurde. Dass Gillard kinderlos ist, hat nicht nur unter konservativen Kirchenanhängern bereits eine Kontroverse ausgelöst. Der liberale Politiker Bill Heffernan hatte 2007 mit seinen Äußerungen für Aufsehen gesorgt, dass "kinderlose Politikerinnen keine Ahnung hätten, wie der Großteil der Australier tickt", und dabei Gillard als Beispiel angeführt. "Sie weiß nicht, wie sich australische Familien fühlen, sie hat keine Ahnung von der Beziehung zwischen Mutter, Vater, und einem Paket Windeln."

Typisch für Gillard: Sie schießt selbst bei solchen Geschmacklosigkeiten nicht zurück. Derlei Äußerungen perlten an Gillard - von hiesigen Zeitungen "Teflon-Julia" getauft - in der Vergangenheit ebenso ab wie Kritik an politischen Projekten, etwa der von ihr mitentwickelten australischen Schulreform. Auch am Tag nach ihrem spektakulären Coup gibt sie sich gelassen. Sagt, dass sie "nichts geplant", keine Absichten einer Parteirevolte im Vorfeld unterstützt habe.

Und doch hat sie Rudds Amt übernommen. Warum? "Ich habe meine Parteifreunde bei dem Wunsch nach einem Führungswechsel unterstützt, weil ich glaubte, dass eine ehemals gute Regierung vom richtigen Weg abkommt." In ihrem ersten längeren Fernsehinterview am Donnerstagabend australischer Zeit sagte sie, die Entscheidung, Rudd herauszufordern, sei eine "äußerst harte" gewesen. Letzten Endes habe sie abgewogen, was "für das Land besser" sei.

"Ich glaube, Kevin und ich waren Freunde"

Rudd und sie hätten in den vergangenen 24 Stunden einige "aufgebrachte Auseinandersetzungen" hinter sich gebracht, "die Nerven lagen blank", sagte Gillard. Sie glaube dennoch, dass in den vergangenen Jahren ein "tiefes Band" entstanden sei. "Wir standen Seite an Seite. Wir haben zusammengearbeitet, ich glaube, wir waren Freunde." Sie wolle ihm definitiv eine Rolle in der neuen Regierung anbieten, sagte sie weiter.

Doch wie lange wird sich Gillard überhaupt an der Spitze der Regierung halten können? Sie muss in kurzer Zeit einiges leisten:

  • Spätestens bis April 2011 müssen die australischen Parlamentswahlen stattfinden. Beobachter erwarten Neuwahlen bereits im Oktober dieses Jahres. Ob stahlharte Nerven und der Wille zum Ausgleich für einen Wahlsieg genügen, ist ungewiss.
  • Rudd ist an der parteiinternen Auseinandersetzung über Emissionshandel und der Extrasteuer für die Bergbauindustrie gescheitert - es ist fraglich, ob Gillard diesen Streit schlichten kann.
  • Die dem linken Flügel zugerechnete Gillard muss eine zerrissene Partei einen, zudem beim konservativen Flügel, der Rudd nahe stand, um Rückhalt werben.

Noch demonstriert die neue Ministerpräsidentin Bescheidenheit. Zum G-20-Gipfel am Wochenende wird Gillard nicht persönlich reisen, stattdessen entsendet sie ihren Stellvertreter. Auch kündigte sie an, nicht eher in die sogenannte "Lodge" des Premiers in Canberra einziehen zu wollen, "ehe die Wahl gewonnen ist".

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insgesamt 8 Beiträge
Joerg grimm 25.06.2010
Gillard ist weder eine Mogelpackung noch eine Traumerfuellung. Sie hat einen ernstzunehmenden Politischen Hintergrund und muss ein paar schwere Hypotheken uebernehmen. Alles in allem ist sie ein Gluecksfall fuer Australien. [...]
Zitat von sysopDie Opposition sieht eine "Mogelpackung", Zeitungen die "Traumerfüllung für Feministinnen": Julia Gillard regiert als erste Frau Australien. Kinderlos und unverheiratet mit ihrem Partner zusammenlebend gilt sie als Zielscheibe der Konservativen - und kämpft um ihre politische Glaubwürdigkeit. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,702669,00.html
Gillard ist weder eine Mogelpackung noch eine Traumerfuellung. Sie hat einen ernstzunehmenden Politischen Hintergrund und muss ein paar schwere Hypotheken uebernehmen. Alles in allem ist sie ein Gluecksfall fuer Australien. Jedoch wird sie damit hadern muessen dass mit Rudd ein Premierminister abserviert worden ist der unheimlich viel gutes fuer Australien geschafft hat. Die Tatsache dass er wegen der Mining Tax abgesaeght wurde wirft kein gutes Licht auf Australiens demokratisches Selbstverstaendnis.
herbert 25.06.2010
denn längst leben die meisten Menschen, egal im welchem Land, nicht mehr im alten, klassischen Familienbild zusammen. Auf Deutschland übertragen: Die Vatikanpartei CSU plus viele in der CDU, ist in Deutschland die massive [...]
denn längst leben die meisten Menschen, egal im welchem Land, nicht mehr im alten, klassischen Familienbild zusammen. Auf Deutschland übertragen: Die Vatikanpartei CSU plus viele in der CDU, ist in Deutschland die massive Partei die den alten Muff und uralte Werte, die kaum noch einer leben will, in Deutschland immer wieder hochbringt. Mittelalter Pur ! Nichteheliche Kinder ... Bastarde und ein Produkt der lasterhaften Eltern. Wie lange hatte die Kinder keine Rechte in Deutschland. Väter haben es immer noch schwer, ihre Kinder zu sehen, weil die Mutter die alleinige Sorge hat und die sie bestimmt. Die Muffpartei CSU will absolut nicht, das man diese Art von Familie eine Gleichstellung gibt gegenüber einer verheirateten Familie. Der Sündepolitiker Seehofer hat dabei den Vogel abgeschossen indem er die heilige Familie in Bayern zeigt und in Berlin ein uneheliches Kind hat. Diese Doppelmoral ist schlicht verlogen ! Daher wünsche ich der Australischen Chefin, das sie neue Masstäbe setzt aber mit einer wirklichen Gleichberechtigung und keinen durchgeknallten Feminismus lebt. Wir brauchen in Deutschland auch so etwas, denn die wirkliche Situation sieht anders aus, wie es diese Muffpolitiker und Vatikantreue gerne haben möchten.
petsche 25.06.2010
Den Arschtritt den sie und andere Genossen Kevin Rudd verpasst haben wird auf sie zurueck kommen. Karma. Was Kevin nicht schaffte wird sie schon garnicht vollbringen. Nicht in die Lodge einzuziehen ist ein weiser Entschluss. Nach [...]
Den Arschtritt den sie und andere Genossen Kevin Rudd verpasst haben wird auf sie zurueck kommen. Karma. Was Kevin nicht schaffte wird sie schon garnicht vollbringen. Nicht in die Lodge einzuziehen ist ein weiser Entschluss. Nach 3 - 4 Monaten muss sie sowieso wieder raus da bei der anstehenden Wahl das Volk die ALP ( australische ARbeiterpartei ) so behandeln wird wie deren Parteibonzen Kevin behandelt haben. Der Bergbauindustrie Angstmache hat die " Arbeitervertreter " in Panik versetzt. Dass es in Unternehmerkreisen genauso zugeht wie bei ihnen selbst - ein Genosse ist der aergste Feind seines Genossen - wo ein Unternehmer den Hals nicht voll genug bekommt steht schon ein anderer da der gluecklich ist ihn abloesen zu koennen koennen die Herren nicht schnallen. Obama kann die Wallstreetspekulation nicht in den Griff bekommen, Frau Merkel nicht die Leerverkaeufe besteuern, wie sollte Herr Rudd allein mit der Umweltfrage klarkommen ??? Fuer die Aussies gibt es nun bald hoehere Steuern und Abgaben, fuer deren Millionaere durch Zinsen erhebliche Verguenstigungen.
Sapientia 25.06.2010
Männer tun sich mit Frauen an der Spitze - zumindest zu Beginn - immer schwer. Bei den Aussies gilt das umso mehr, weil die Aussies gesellschaftlich im viktorianischen England stehen geblieben sind, die Männer die [...]
Zitat von sysopDie Opposition sieht eine "Mogelpackung", Zeitungen die "Traumerfüllung für Feministinnen": Julia Gillard regiert als erste Frau Australien. Kinderlos und unverheiratet mit ihrem Partner zusammenlebend gilt sie als Zielscheibe der Konservativen - und kämpft um ihre politische Glaubwürdigkeit. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,702669,00.html
Männer tun sich mit Frauen an der Spitze - zumindest zu Beginn - immer schwer. Bei den Aussies gilt das umso mehr, weil die Aussies gesellschaftlich im viktorianischen England stehen geblieben sind, die Männer die sportsman-like Macker geben, während die Frauen sich mit der umsorgenden Weibchen-Rolle abfindet - cum grano salis. Alles ziemlich farblos, but traditional und um eigene Profilierung bemüht, was ihnen nicht leicht fällt.
sic tacuisses 25.06.2010
Wer dem Kapital eine derart lästige neue Steuer verpaßt, genannt Mining Tax, hat keine Lobby mehr. Warten wir es ab wie lange Miss Gillard Widerstand leistet wenn überhaupt.
Zitat von sysopDie Opposition sieht eine "Mogelpackung", Zeitungen die "Traumerfüllung für Feministinnen": Julia Gillard regiert als erste Frau Australien. Kinderlos und unverheiratet mit ihrem Partner zusammenlebend gilt sie als Zielscheibe der Konservativen - und kämpft um ihre politische Glaubwürdigkeit. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,702669,00.html
Wer dem Kapital eine derart lästige neue Steuer verpaßt, genannt Mining Tax, hat keine Lobby mehr. Warten wir es ab wie lange Miss Gillard Widerstand leistet wenn überhaupt.
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