Canberra - Viele Frauen umarmten die australische Premierministerin Julia Gillard, nachdem sich diese im Parlament in Canberra öffentlich entschuldigt hatte. Es war eine Entschuldigung im Namen einer Regierung, die über Jahrzehnte unverheiratete Mütter zur Aufgabe ihrer Babys zwang.
Von 1951 bis 1975 wurden in Australien 225.000 Kinder gegen den Willen ihrer Mütter zur Adoption freigegeben. Das hatte eine Untersuchung im Auftrag des Senats herausgefunden.
"Wir verurteilen dieses beschämende Vorgehen", sagte Gillard in ihrer Ansprache. Etwa 800 Mütter und Adoptierte waren ins Parlament gekommen, um ihre Rede zu hören. Gillard entschuldigte sich bei den "Müttern, die durch ein System betrogen wurden, das Ihnen keine Wahl gab und Sie Manipulation, Misshandlung und Missbrauch aussetzte". Sie entschuldigte sich auch bei den Vätern und anderen Familienangehörigen: "Wir erkennen den Schmerz an, den diese Praxis Ihnen zugefügt hat."
Auf unverheiratete Frauen wurde damals Druck ausgeübt, damit sie ihre Babys zur Adoption freigeben - die Adoptionen wurden als alternativlos dargestellt. Die betroffenen Mütter seien nicht über ihre Rechte aufgeklärt und getäuscht worden, so Gillard. Vielfach wurden in den Geburtsurkunden der betroffenen Kinder einfach die Adoptiveltern als leibliche Eltern eingetragen.
Worte könnten den Schaden nicht wieder gutmachen, sagte die Premierministerin. Aber sie versprach, Therapien für Betroffene zu finanzieren und stellte Geld für die Aufarbeitung des Themas im Nationalarchiv bereit.
kgp/AFP
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