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01. Oktober 2013, 17:48 Uhr

Wahlen in Australien

Arbeitsloser Sägewerkarbeiter wird Senator

Weniger als ein halbes Prozent der Stimmen haben für Ricky Muir gereicht: Der Sägewerkarbeiter zieht für seine Mini-Partei Australische Motor-Enthusiasten in den Senat ein. Bislang interessierte er sich primär für Offroad-Fahren und seine Kumpel - nun will er über Inhalte nachdenken.

Sydney - Ein arbeitsloser Autonarr zieht in den australischen Senat ein. Ricky Muir ist das Gegenteil eines gestandenen Politikers, aber dafür ein selbsterklärter Liebhaber von ausgedehnten Trips durch den australischen Busch. Dem 32-jährigen Kandidaten der Australian Motoring Enthusiasts Party (AMEP) aus dem Bundesstaat Victoria reichten gerade einmal 16.604 Stimmen - das komplexe Wahlsystem ermöglichte seinen Senatssitz.

"Wir sind stolz auf unsere Autos, wir sind stolz auf unsere Nation", ist die Präambel des Wertekatalogs der Autoliebhaber-Partei Muirs. Außerdem stehen niedrige Steuern, Kameradschaft und Stärkung der nationalen Sicherheit auf dem Programm.

Der fünffache Vater Muir aus dem kleinen Dorf Maffra 220 Kilometer östlich von Melbourne fiel bislang jedoch nicht als politisches Talent auf: In einem Internetvideo sieht man Muir mit seinen Freunden herumblödeln, er zieht einem von ihnen die Hose herunter, sie bewerfen einander mit Kängurukot.

Der Neu-Senator nimmt es locker, im australischen Busch fände man nun einmal viel Mist. Das Outback ist eines seiner zentralen politischen Themen: "Ich bin ein Allrad-Fahrer, wenn ich in den Busch fahre, sehe ich gesperrte Wege", sagte er der Zeitung "The Australian". Die australischen Kinder sollten die Natur aber kennenlernen dürfen.

Muir profitiert vom kuriosen Wahlsystem

Jetzt wird aus dem arbeitslosen Muir ein Gutverdiener: Als Senator verdient er sechs Jahre lange umgerechnet 135.000 Euro im Jahr und bekommt anschließend eine sichere Rente auf Lebenszeit. Zu seiner Wahlkampf-Motivation meinte er: "Ich bin der typische Durchschnittsaustralier, ich dachte, ich sollte mal etwas Ausgewogenheit in den Senat bringen", sagte er in einem Interview mit der Zeitung "The Australian". Über Inhalte werde man jetzt innerparteilich konkreter diskutieren.

Möglich wurde seine politische Karriere durch das ungewöhnliche australische Wahlsystem. Kleinere Parteien können bestimmen, wem ihre Stimmen zugeschlagen werden, wenn in einer ersten Auszählrunde kein Sieger ermittelt wurde. Die schwächsten Parteien werden eliminiert. Oft gibt es mehrere Auszählrunden. So steigerte sich das Ergebnis der AMEP bei den Parlamentswahlen von weniger als 0,5 Prozent auf 14,3 Prozent. Kritiker fordern nun eine Reform des Systems.

asp/dpa

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