Wahlen in Australien: Arbeitsloser Sägewerkarbeiter wird Senator

Weniger als ein halbes Prozent der Stimmen haben für Ricky Muir gereicht: Der Sägewerkarbeiter zieht für seine Mini-Partei Australische Motor-Enthusiasten in den Senat ein. Bislang interessierte er sich primär für Offroad-Fahren und seine Kumpel - nun will er über Inhalte nachdenken.

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Vom Sägewerk auf den Senatssitz: Ricky Muir reichten wenige Stimmen

Sydney - Ein arbeitsloser Autonarr zieht in den australischen Senat ein. Ricky Muir ist das Gegenteil eines gestandenen Politikers, aber dafür ein selbsterklärter Liebhaber von ausgedehnten Trips durch den australischen Busch. Dem 32-jährigen Kandidaten der Australian Motoring Enthusiasts Party (AMEP) aus dem Bundesstaat Victoria reichten gerade einmal 16.604 Stimmen - das komplexe Wahlsystem ermöglichte seinen Senatssitz.

"Wir sind stolz auf unsere Autos, wir sind stolz auf unsere Nation", ist die Präambel des Wertekatalogs der Autoliebhaber-Partei Muirs. Außerdem stehen niedrige Steuern, Kameradschaft und Stärkung der nationalen Sicherheit auf dem Programm.

Der fünffache Vater Muir aus dem kleinen Dorf Maffra 220 Kilometer östlich von Melbourne fiel bislang jedoch nicht als politisches Talent auf: In einem Internetvideo sieht man Muir mit seinen Freunden herumblödeln, er zieht einem von ihnen die Hose herunter, sie bewerfen einander mit Kängurukot.

Der Neu-Senator nimmt es locker, im australischen Busch fände man nun einmal viel Mist. Das Outback ist eines seiner zentralen politischen Themen: "Ich bin ein Allrad-Fahrer, wenn ich in den Busch fahre, sehe ich gesperrte Wege", sagte er der Zeitung "The Australian". Die australischen Kinder sollten die Natur aber kennenlernen dürfen.

Muir profitiert vom kuriosen Wahlsystem

Jetzt wird aus dem arbeitslosen Muir ein Gutverdiener: Als Senator verdient er sechs Jahre lange umgerechnet 135.000 Euro im Jahr und bekommt anschließend eine sichere Rente auf Lebenszeit. Zu seiner Wahlkampf-Motivation meinte er: "Ich bin der typische Durchschnittsaustralier, ich dachte, ich sollte mal etwas Ausgewogenheit in den Senat bringen", sagte er in einem Interview mit der Zeitung "The Australian". Über Inhalte werde man jetzt innerparteilich konkreter diskutieren.

Möglich wurde seine politische Karriere durch das ungewöhnliche australische Wahlsystem. Kleinere Parteien können bestimmen, wem ihre Stimmen zugeschlagen werden, wenn in einer ersten Auszählrunde kein Sieger ermittelt wurde. Die schwächsten Parteien werden eliminiert. Oft gibt es mehrere Auszählrunden. So steigerte sich das Ergebnis der AMEP bei den Parlamentswahlen von weniger als 0,5 Prozent auf 14,3 Prozent. Kritiker fordern nun eine Reform des Systems.

asp/dpa

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Ist ja eine Zumutung
ihatezensur 01.10.2013
für die ganzen Juristen und Lehrer in den Parlamenten, wenn da sontwas rein darf. Gut dass das in Deutschland nicht möglich ist. Wo kämen wir denn da hin. Igitigit - reicht ja schon wenn man so was im Wahlkampf die Hand schütteln muss. Sollten mal von uns Deutschen lernen diese Aussies
2.
z_beeblebrox 01.10.2013
Zitat von ihatezensurfür die ganzen Juristen und Lehrer in den Parlamenten, wenn da sontwas rein darf. Gut dass das in Deutschland nicht möglich ist. Wo kämen wir denn da hin. Igitigit - reicht ja schon wenn man so was im Wahlkampf die Hand schütteln muss. Sollten mal von uns Deutschen lernen diese Aussies
;) Jou, das stelle ich mir mal in D vor; ob dann die KSK, die GSG9 oder was weiß ich rausrückt? Aber wir deutschen Gartenzwergfans wählen dann schon lieber die heile Welt mit einer immer sooo lieb lächelnde alten Mutti, die zwar nix auf die Reihe kriegt, aber stets so volkstümlich wirkt. Trauriges D-Land.
3. Von Deutschland lernen...
Petra Carotin 01.10.2013
Zitat von ihatezensurfür die ganzen Juristen und Lehrer in den Parlamenten, wenn da sontwas rein darf. Gut dass das in Deutschland nicht möglich ist. Wo kämen wir denn da hin. Igitigit - reicht ja schon wenn man so was im Wahlkampf die Hand schütteln muss. Sollten mal von uns Deutschen lernen diese Aussies
Ja genau, bei können sich Ekelbacken wie Schröder beim Zigarrerauchen feiern lassen und dabei seelenruhig die Sparprogramme durchdrücken, die Grünen umweltpolitisch korrekt das Militär in die Welt schicken und sich christdemokratische Zuchtkühe schulterzuckend in die neue Periode einwählen lassen. Von "uns" Deutschen lernen, heisst siegen lernen, gelle?! (Igittigitt!)
4. jop!
silberstern 01.10.2013
Zitat von sysopWeniger als ein halbes Prozent der Stimmen haben für Ricky Muir gereicht: Der Sägewerkarbeiter zieht für seine Mini-Partei "Australische Motor-Enthusiasten" in den Senat ein. Bislang interessierte er sich primär für Offroad-Fahren und seine Kumpel - nun will er über Inhalte nachdenken.
Nunja, damit hat er den deutschen Parteisoldaten immer eines voraus: Er will nach der Wahl tatsächlich auch was tun, anstatt nur Kohle und Pöstchen abzufassen ;-)
5. Wahlsystem
nevadaachtdrei8083 01.10.2013
Das Wahlsystem, single transferable vote-system, ist den angestellten Autor*innen scheinbar so ungewohnt, dass Sie sich nicht einmal die Mühe gemacht haben es zu verstehen. Dabei ist es wesentlich klüger, als unser Wahlsystem, da die Wähler*innen nicht nur ein Kreuzchen machen, sondern eine Präferenzenliste abgeben können. D.h. der/die Wähler*in kann getrost auf 1) Piraten wählen und auf der 2) meinetwegen die FDP angeben und auf der 3) Die Grünen, ohne dass der/die Wäher*in Angst haben müsste seine/ihre Stimme zu verschwenden. Was nämlich passiert, wenn die Piraten die Hürde nicht überspringen, ist dass die Stimme in der zweiten Runde an die FDP transferiert wird. Überspringt auch die FDP die Hürde nicht, so setzt sich das Spiel fort. Was damit in erster Linie vermieden werden soll ist, dass anders als bei dieser Wahl eben nicht 15% der Stimmen verloren gehen.
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