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01. Juni 2012, 15:01 Uhr

Nigeria

Auswärtiges Amt bestätigt Tod von deutschem Ingenieur

Auch die deutschen Behörden gehen nun davon aus, dass der im Norden Nigerias entführte Deutsche tot ist. Das Auswärtige Amt bestätigte entsprechende Meldungen aus Nigeria. Der Ingenieur war Ende Januar mutmaßlich von radikalen Islamisten verschleppt worden.

Kano/Berlin - Nach den nigerianischen Behörden spricht nun auch das Auswärtige Amt vom Tod des in Nigeria entführten Deutschen. "Wir müssen leider mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass der Ende Januar verschleppte Staatsangehörige ums Leben gekommen ist", sagte Ministeriumssprecher Andreas Peschke am Freitag in Berlin. Die Identifizierung der aufgefundenen Leiche sei allerdings noch nicht endgültig abgeschlossen.

Am Donnerstag hatten bereits die Behörden in Nigeria vom Tod des Deutschen, eines Ingenieurs des Mannheimer Baukonzerns Bilfinger Berger, berichtet. Dessen Leiche wurde nach Angaben des Sprechers gefunden, als die nigerianischen Streitkräfte mutmaßliche Terroristen festnehmen wollten. Offensichtlich hätten sie nicht gewusst, dass dort der entführte Deutsche gefangen gehalten worden sei. Die Soldaten hätten bei der Durchsuchung des Verstecks dann die Leiche eines gefesselten Mannes gefunden.

Mehrere Nachrichtenagenturen hatten unter Berufung auf Vertreter von Nigerias Armee und Polizei am Donnerstag berichtet, dass der Deutsche von seinen Geiselnehmern in der nordnigerianischen Stadt Kano während eines Militäreinsatzes umgebracht worden sei. Militäreinheiten hätten am Morgen das Versteck angegriffen, in dem sich die Geiselnehmer mit dem Deutschen aufgehalten hätten. Als die Entführer erkannt hätten, "dass dies das Ende für sie ist, haben sie die Geisel umgebracht".

Der für eine Baufirma tätige Deutsche war Ende Januar in einem Vorort von Kano verschleppt worden und befand sich seitdem mutmaßlich in den Händen der Terrororganisation al-Qaida im Islamischen Maghreb (AQIM). Er war auf einer Baustelle von drei Männern entführt worden. Im Norden Nigerias kommt es immer wieder zu Anschlägen der radikalislamischen Sekte Boko Haram. Dieser werden enge Kontakte zu al-Qaida nachgesagt.

Der islamisch geprägte Norden Nigerias ist eine Hochburg von Radikalislamisten. Immer wieder werden dort Anschläge auf internationale Institutionen, Behörden, Polizeistationen und Kirchen sowie Lokale verübt, in denen Alkohol ausgeschenkt wird. Dabei wurden insgesamt bereits mehrere hundert Menschen getötet.

heb/dpa/Reuters

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