Nach Militärputsch Auswärtiges Amt rät zur sofortigen Ausreise aus Mali

Die Lage in Mali spitzt sich zu: Die Putschisten haben ein Ultimatum verstreichen lassen, im Norden des Landes rücken die Tuareg-Rebellen weiter vor. Das Auswärtige Amt rät, das Land sofort zu verlassen.

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Bamako - Das Auswärtige Amt hat am Montag die Reisewarnung für Mali verschärft. Deutsche Staatsbürger sollten das westafrikanische Land demnach sofort verlassen. Den Deutschen werde dringend geraten, die "gegenwärtig noch bestehenden kommerziellen Möglichkeiten zur Ausreise" umgehend zu nutzen, heißt es auf der Website des Auswärtigen Amtes. Ihnen bleibt vielleicht nur ein kleines Zeitfenster: Zurzeit seien der Flughafen von sowie alle Landesgrenzen wieder offen. Ob und wann der Airport aber wieder geschlossen wird, sei nicht abzusehen, teilte die Behörde weiter mit. Auch die Ministerien in Frankreich und Belgien warnen vor Reisen nach Mali.

In der Hauptstadt Bamako hatten vor eineinhalb Wochen meuternde Soldaten die Regierung von Präsident Amadou Toumani Touré gestürzt und die Macht an sich gerissen. auch ein anderes Gebiet des Landes ist derzeit umkämpft: Im Norden gibt es nach Angaben des Auswärtigen Amtes schwere Gefechte zwischen Tuareg-Rebellen, islamistischen Gruppen und der Armee. Am Sonntag nahmen die Rebellen schon die historische Stadt Timbuktu ein, zuvor waren sie bereits nach Gao und Kidal vorgedrungen. Ihr Ziel ist ein eigener Staat im Norden des Landes.

Außenminister Guido Westerwelle forderte ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen in Mali und eine schnellstmögliche Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung in dem westafrikanischen Land. "Der Putsch von Angehörigen der Armee und die kriegerischen Handlungen durch Tuareg- und islamistische Gruppen untergraben nicht nur jegliche legitime staatliche Autorität, sondern sind eine Bedrohung für die Stabilität der gesamten Sahel-Region in Westafrika", erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Staatschefs beraten erneut über Sanktionen

In der Nacht zum Montag war ein Ultimatum der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) ausgelaufen, mit dem die Nachbarländer für eine Machtübergabe an eine zivile Regierung sorgen wollen. Die Gemeinschaft hatte mit scharfen Sanktionen gedroht, sollte die Macht im Land nicht innerhalb von 72 Stunden an eine zivile Regierung zurückgegeben und die verfassungsmäßige Ordnung wiederhergestellt werden. Nun wollen sich die Staatschefs in Dakar erneut beraten.

Der Putschistenführer Amadou Sanogo versuchte noch, die Strafen abzuwenden. Er erklärte am Sonntag die Verfassung und alle staatlichen Institutionen für wiederhergestellt. Außerdem versprach er, die Macht an eine Zivilregierung abzugeben und Neuwahlen zu organisieren - ohne allerdings einen Zeitpunkt dafür zu nennen.

Aber auch der gestürzte Präsident Touré, der sich an einem unbekannten Ort in Mali versteckt, versucht sich Gehör zu verschaffen: Er rief die Bürger im Rundfunk auf, für die Wiederherstellung der Demokratie zu kämpfen. Der Putsch wenige Wochen vor der für den 29. April geplanten Präsidentschaftswahl hatte international für Kritik gesorgt.

vks/dpa/dapd/AFP



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bleifuß 02.04.2012
1.
Zitat von sysopREUTERSDie Lage in Mali spitzt sich zu: Die Putschisten haben ein Ultimatum verstreichen lassen, im Norden des Landes rücken die Tuareg-Rebellen weiter vor. Das Auswärtige Amt rät, das Land sofort zu verlassen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,825257,00.html
Weiter gehts mit den Islamisten, Macht um jeden Preis. Hier brodelts auch nicht mehr im Verborgenen. Schön das es zugelassen wird.
Hape1 02.04.2012
2. ...
Zitat von sysopREUTERSDie Lage in Mali spitzt sich zu: Die Putschisten haben ein Ultimatum verstreichen lassen, im Norden des Landes rücken die Tuareg-Rebellen weiter vor. Das Auswärtige Amt rät, das Land sofort zu verlassen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,825257,00.html
Auch (leider) eine Folge des blindwütigen NATO-Einsatzes in Libyen. "Malis Tuareg-Rebellen können dem mittlerweile toten libyschen Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi gleich doppelt dankbar sein: Als er noch an der Macht war, brachte er viele von ihnen als Söldner in Lohn und Brot. Und als er – unter Mithilfe der Nato-Bomben und von Waffenlieferungen aus Golfstaaten wie Katar – von der Macht vertrieben wurde, betrachteten die heimeilenden Tuareg Libyens Waffenarsenale als Selbstbedienungsladen." Mali: Rebellenarmee mit Waffen aus Libyen « DiePresse.com (http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/745764/Mali_Rebellenarmee-mit-Waffen-aus-Libyen?_vl_backlink=/home/politik/index.do) Jajaja...die Geister die man rief.....
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