Auszeichnung: Drei Frauenrechtlerinnen erhalten Friedensnobelpreis

Der Friedensnobelpreis 2011 geht an drei Frauen: Leymah Roberta Gbowee und Ellen Johnson-Sirleaf aus Liberia sowie Tawakkul Karman aus dem Jemen erhalten die Auszeichnung für ihren friedlichen Kampf für Frauenrechte, teilte das Komitee in Oslo mit.

REUTERS

Oslo - Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an drei Vorkämpferinnen für Frauenrechte. Die Liberianerinnen Ellen Johnson-Sirleaf und Leymah Gbowee sowie die Jemenitin Tawakkul Karman erhalten die Auszeichnung zu gleichen Teilen für ihren Einsatz für die Stärkung der Rolle der Frauen, erklärte der Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, der frühere Ministerpräsident Thorbjørn Jagland, am Freitag in Oslo.

"Es kann auf der Welt keine Demokratie und keinen dauerhaften Frieden geben, solange Frauen nicht dieselben Chancen wie Männer haben, auf Entwicklungen in allen Bereichen der Gesellschaft einzuwirken", sagte Jagland als Begründung für die Preisvergabe.

  • Die 72 Jahre alte Ellen Johnson-Sirleaf ist die erste gewählte Präsidentin eines afrikanischen Staats und stellt sich kommende Woche zur Wiederwahl. Sie regiert das westafrikanische Land seit 2006. Zum Zeitpunkt ihres Amtsantritts galt sie als Reformerin und Friedensstifterin, steht nun jedoch in der Kritik der Opposition.
  • Leymah Roberta Gbowee, 39 Jahre alt, ist Chefin einer Organisation, welche die Rolle von Frauen in der Konfliktlösung in Afrika betonen will. In Liberia organisierte sie Frauen über religiöse Grenzen hinweg und gründete eine Organisation, die sich gegen die Kriegsherren im liberianischen Bürgerkrieg richtete. Gbowee wird damit ein maßgeblicher Anteil an der Beendigung des blutigen Bürgerkriegs zugewiesen.
  • Die Jemenitin Tawakkul Karman ist Vorsitzende des Vereins "Journalistinnen ohne Ketten". In einer ersten Stellungnahme sagt die 32-Jährige: "Ich bin sehr, sehr glücklich über diesen Preis." Der Kampf für einen "demokratischen, modernen" Jemen ginge so lange weiter, bis alle Rechte erreicht seien, sagte sie.

Zur Rolle Karmans sagte Komiteechef Jagland: "Sie ist schon aufgestanden und hat Mut gezeigt, als der arabische Frühling noch in weiter Ferne lag." Zu den Preisträgerinnen aus Liberia verwies Jagland auf die besondere Unterdrückung von Frauen und Kindern in Kriegen wie dem in Liberia, unter anderem durch systematische Vergewaltigungen.

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Friedensnobelpreis: Auszeichnung für drei Frauen
241 Kandidaten wurden in diesem Jahr für den Preis vorgeschlagen. Die beiden Frauen aus Liberia galten im Vorfeld der Auszeichnung als mögliche Gewinnerinnen. Doch als Favoriten hatten die meisten Beobachter die Vorkämpfer des arabischen Frühlings gesehen wie die ägyptische Internetaktivistin Israa Abd al-Fattah von der Jugendbewegung 6. April sowie die tunesische Bloggerin Lina Ben Mhenni.

Erstmals in der Geschichte des Friedensnobelpreises seit 1901 ging der Preis an drei Frauen zugleich. Insgesamt wurden bislang erst 15 Frauen ausgezeichnet.

Die feierliche Verleihung findet am 10. Dezember in Oslo statt. Das Preisgeld beträgt zehn Millionen schwedische Kronen (rund 1,1 Millionen Euro). Im vergangenen Jahr hatte der inhaftierte chinesische Dissident Liu Xiaobo den Preis erhalten.

fab/dpa/Reuters/AP

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insgesamt 70 Beiträge
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1. Frauenrechte
Reqonquista 07.10.2011
Zitat von sysopDer Friedensnobelpreis 2011 geht an drei Preisträgerinnen: Leymah Roberta Gbowee und Ellen Johnson-Sirleaf aus Liberia sowie Tawakkul Karman aus*dem Jemen erhalten die Auszeichnung für ihren friedlichen Kampf für Frauenrechte, teilte das Komitee in Oslo mit. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,790472,00.html
Ich finde es klasse, wenn auch das Nobelpreisteam sich des Themas der Frauenrechte im Islam annimmt. Man bricht sich auch als Linker nichts ab, wenn man sich für deren Rechte und Mißstände einsetzt. Auch auf die Gefahr hin, den Rechten (od. Rechtspopulisten) in die Hände zu spielen. Die Rechte der Frauen sind aber wichtiger als die politischen Aspekte!
2. besser als letztes Jahr
snoozer 07.10.2011
ich habe noch nie von diesen Personen gehört, bin aber davon überzeugt dass es eine bessere Entscheidung war als im letzten Jahr.
3. ....
royalb 07.10.2011
Und wegen sowas muss gleich eine Eilmeldung aufgemacht werden?
4. Aha
Humboldt 07.10.2011
Zitat von sysopDer Friedensnobelpreis 2011 geht an drei Preisträgerinnen: Leymah Roberta Gbowee und Ellen Johnson-Sirleaf aus Liberia sowie Tawakkul Karman aus*dem Jemen erhalten die Auszeichnung für ihren friedlichen Kampf für Frauenrechte, teilte das Komitee in Oslo mit. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,790472,00.html
Ja, nett... Hätte aber eine Auszeichnung des norwegischen Ministerpräsidenten (wegen seines vorbildlichen und friedenstiftenden Auftretens nach den Anschlägen von Oslo) oder einer Gruppe aus dem arabischen Frühling sehr viel zeitgemäßer gefunden...
5. titelbefreit
xzz 07.10.2011
Mal wieder gründlich daneben gelangt. Wie jedes Jahr. Der Friedensnobelpreis ist ein Witz, nur der alternative Friedensnobelpreis ist noch witziger. Dabei hätte es in diesem Jahr wirklich gute Gelegenheiten gegeben.
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Friedensnobelpreisträgerinnen 2011