Auszeichnung in Oslo Finne Ahtisaari bekommt Friedensnobelpreis

Ehrung eines unermüdlichen Vermittlers: Finnlands Ex-Präsident Martti Ahtisaari erhält den Friedensnobelpreis. Das gab das norwegische Komitee in Oslo bekannt. Der Politiker wurde für seine jahrelangen Bemühungen zur Lösung internationaler Konflikte ausgezeichnet.


Oslo - Der Friedensnobelpreis geht nach Finnland. Das Komitee in Oslo ernannt den früheren Präsidenten Martti Ahtisaari zum diesjährigen Preisträger. Der 71-Jährige werde für seine "bedeutenden Bemühungen" geehrt, "sich auf mehreren Kontinenten und mehr als drei Jahrzehnte lang für die Beilegung internationaler Konflikte" einzusetzen, erklärte der Vorsitzende des Nobel-Komitees, Ole Danbolt Mjoes, am Freitag in Oslo. "Seine Anstrengungen haben zu einer friedlicheren Welt beigetragen und zu einer 'Brüderlichkeit zwischen den Nationen' im Sinne Alfred Nobels", hieß es in der Erklärung weiter.

Als Ahtisaaris wichtigste Leistung gilt die Beendigung des Bürgerkriegs in der indonesischen Unruheprovinz Aceh 2005 zwischen der Regierung und der Separatistenbewegung "Freies Aceh".

Martti Ahtisaari: Friedensdiplomat seit Jahrzehnten
REUTERS

Martti Ahtisaari: Friedensdiplomat seit Jahrzehnten

Weniger erfolgreich endete Ahtisaaris Einsatz im Kosovo ein Jahr später, als er Vorschläge für den künftigen Status der damals noch serbischen Provinz vorlegen sollte.

Für den berühmtesten Preis der Welt aus Oslo wurde der Finne seit mehreren Jahren zum engsten Favoritenkreis gerechnet. Ahtisaari gilt weltweit als einer der erfahrensten Diplomaten mit zahlreichen Vermittlereinsätzen auf der Weltbühne.

Ahtisaari äußerte sich "erfreut" über den Preis. "Natürlich bin ich sehr zufrieden mit der Entscheidung des Nobelkomitees", sagte er wenige Minuten nach der Mitteilung aus Oslo dem norwegischen Radiosender NRK. "Am allerwichtigsten von all meinen Einsätzen war natürlich der Einsatz bei der Unabhängigkeit von Namibia. Dort war ich über 13 Jahre engagiert. Aceh und Kosovo sind aber auch sehr wichtig gewesen." Über die Bedeutung des Preises für seine weitere Arbeit meinte der 71- jährige: "Ich hoffe, dass es nach dem Preis mit der Finanzierung meines Institutes Crisis Management Initiative etwas einfacher wird".

Ahtisaari, der 1937 im heute russischen Karelien geboren wurde, sammelte erste außenpolitische Erfahrungen im diplomatischen Dienst seines Landes. Von 1977 bis 1981 sowie Ende der achtziger Jahre arbeitete der Hobbyangler und Golfer als Uno-Kommissar für Namibia.

Der Balkankonflikt gehörte auch schon 1991 bis 1993 zu seinem Arbeitsgebiet, als er Chef einer "Uno-Arbeitsgruppe Bosnien- Herzegowina" war. 1999 verhandelte Ahtisaari erfolgreich im Dienst von Uno und EU über die Beendigung des Serbien-Krieges mit dem damaligen Präsidenten in Belgrad, Slobodan Milosevic. "Ahtisaari ist einer der besten und erfahrensten europäischen Außenpolitiker", sagte damals Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Seine sechs Jahre als finnischer Präsident von 1994 bis 2000 blieben nur ein Zwischenspiel im ständigen Friedensdienst für internationale Organisationen. Nach seiner Ablösung im höchsten finnischen Staatsamt 2000 gründete er in Helsinki das kleine Institut CMI, das sich mit Krisenmanagement befasst. Von hier aus übernahm er Aufträge wie im Jahr 2000 die Überwachung einer Entwaffnungsaktion bei der nordirischen Untergrundorganisation IRA. Für die Vereinten Nationen befasste Ahtisaari sich auch mit kniffligen Sicherheitsproblemen im Irak, am Horn von Afrika und in Zentralasien.

Dem Komitee lagen 197 Nominierungen vor. Als Favoriten für den Preis waren auch der chinesische Regierungskritiker Hu Jia sowie die russische Anwältin Lidia Jussupowa gehandelt worden.

Im vergangenen Jahr hatte das norwegische Komitee mit dem Weltklimarat der Vereinten Nationen und dem ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore das Engagement zur Bewahrung der Erde gewürdigt. Auf der Liste der Kandidaten stand in diesem Jahr auch Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU).

Der Friedensnobelpreis ist mit umgerechnet einer Million Euro (zehn Millionen Kronen) dotiert. Er wird traditionell am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896), überreicht. Letzter deutscher Preisträger war 1971 der damalige Bundeskanzler Willy Brandt.

als/ap/dpa/AFP



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