Autonomes Jugendhaus geräumt Randale in Kopenhagen, Hamburg und Hannover

Brennende Autos, Barrikaden und Flaschenwürfe: Nach der Räumung eines Jugendhauses sind die Sicherheitskräfte in Kopenhagen bis zum frühen Morgen in Atem gehalten worden. Rund 200 Demonstranten wurden festgenommen. Auch in Hamburg und Hannover kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.


Kopenhagen - Die Demonstranten setzten Autos und Müllcontainer in Brand und errichteten an verschiedenen Orten Barrikaden. Die Polizei setzte stellenweise Tränengas gegen die meist jugendlichen Demonstranten ein, die die Beamten mit Flaschen und Steinen bewarfen. Bis zum Morgen wurden rund 200 Demonstranten vorübergehend festgenommen. Unter ihnen waren auch neun Deutsche sowie Franzosen, Engländer, Polen und Litauer. Drei Menschen wurden verletzt, teilten die Behörden mit.

Die Kopenhagener Polizeichefin Hanne Bech Hansen nannte die Räumungsaktion selbst "einen riesigen Erfolg". Gestern hatten die Beamten das von Autonomen besetzte "Jugendhaus" ("Ungdomshuset") mit Hilfe von Antiterror-Spezialisten geräumt. Dabei wurde ein Deutscher am Kopf verletzt und musste behandelt werden. Bei Krawallen nach der Räumung im Stadtteil Norrebrø wurden zwei Demonstranten leicht verletzt.

Doch die Randale ging weiter: Bei einem nicht genehmigten Protestzug gegen die Räumung warfen am späten Abend mehr als 500 Teilnehmern wieder Flaschen und Steine auf das massive Polizeiaufgebot. In der Nacht besetzten rund hundert vorwiegend junge Randalierer auch eine leerstehende Schule in Norrebrø, wie der dänische Sender TV2 meldete.

Die Behörden hatten zuvor wegen befürchteter neuer Auseinandersetzungen die Grenzkontrollen zwischen Dänemark und Deutschland verschärft. So wolle man den Zulauf von gewaltbereiten Autonomen sowie auch von Neonazis verhindern, erklärten Sprecher.

In Hamburg und Hannover kam es am Abend zu spontanen Sympathiekundgebungen der autonomen Szene. Im Hamburger Stadtteil St. Pauli bewarfen Teilnehmer eines rund 800 Personen umfassenden Aufzuges Polizisten unter anderem mit Flaschen und Signalkörpern. Dabei wurde ein Beamter leicht verletzt, wie die Polizei mitteilte. Demonstranten hatten Baumaterialien auf die Fahrbahn gezogen und einen Müllcontainer angezündet. Starke Polizeikräfte verhinderten eine Demonstration von etwa 100 Personen zum dänischen Generalkonsulat. 16 Personen wurden vorübergehen in Gewahrsam genommen.

Auch in Hannover ging die Polizei am späten Abend gegen etwa 20 vermummte Angehörige der autonomen Szene vor. Die Demonstranten hatten Mülltonnen und sogenannte Europaletten in Brand gesetzt. Bei einem Einsatzfahrzeug der Polizei und einem Privat-Pkw wurden Scheiben eingeschlagen. Dem vorangegangen war ein störungsfrei verlaufener Zug von etwa 120 Teilnehmern in der Innenstadt.

Demonstrationen aus Solidarität mit den dänischen Hausbesetzern gab es unter anderem in Braunschweig, Göttingen, Flensburg, Karlsruhe, Mainz und Frankfurt am Main. In Köln etwa zogen laut Polizei etwa 60 Angehörige der linken Szene durch die Innenstadt und demolierten zwei Verkehrsschilder.

In der norwegischen Hauptstadt Oslo bewarfen rund 150 Demonstranten die dänische Botschaft mit Schneebällen und Farbbeuteln.

Das seit 1981 besetzte "Jugendhaus" war im vergangenen Jahr von der Stadt Kopenhagen an eine Freikirche verkauft worden. Medien hatten zuvor von umfassenden Vorbereitungen der Hausbesetzer auf gewaltsame Aktionen berichtet. Diese hatten Gleichgesinnte aus anderen Ländern - darunter auch aus Deutschland - aufgefordert, ihnen zu Hilfe zu kommen. Zuletzt war es eine Woche vor Weihnachten zu heftigen Straßenkämpfen wegen der bevorstehenden Räumung gekommen.

als/dpa/ddp



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