Autoritäre Regierung Das System Orbán raubt Ungarn die Seele

Terror gegen Minderheiten, "Rassentrennung" in den Schulen: Unter der rechtskonservativen Regierung Orbán ist das Realität in Ungarn. Eine unabhängige Berichterstattung darüber findet nicht statt - denn auch die Pressefreiheit ist unter die Räder gekommen. Drei Augenzeugen berichten.

Aus Budapest berichtet  Till Mayer

Till Mayer

Budapest/Gyöngyöspata - Vor einem Jahr marschierten in Gyöngyöspata drei Wochen lang die Rechtsradikalen auf. In Tarnanzügen patrouillierten sie die Straßen entlang und verbreiten Angst und Schrecken unter der Bevölkerung, besonders unter Anhängern der Roma-Minderheit. Die Sorge der örtliche Roma-Vertreter war schließlich so groß, dass sie 277 Frauen und Kinder aus dem Dorf in Sicherheit bringen ließen. Sechs Busse des Roten Kreuzes sorgten für den Transport der Menschen an einen nicht näher genannten Ort.

Janos Farkas, Vorsitzender des örtlichen Romarats, sagte damals, es würden Auseinandersetzungen mit den Rechtsextremen befürchtet. Seit "beinahe zwei Monaten ist Gyöngyöspata praktisch ein Schlachtfeld".

Wie viele Roma genau in Ungarn leben, ist ungewiss. Schätzungen der Regierung von Anfang 2011 geben ihre Zahl mit 600.000 bis 700.000 an, das sind sechs bis sieben Prozent der Bevölkerung. Entgegen gängiger Vorurteile sind die meisten Angehörigen dieser Minderheit sesshaft, sie kämpfen allerdings mit hoher Arbeitslosigkeit und sind kaum in die Gesellschaft integriert.

Ungarns Regierung hat mehrfach betont, es nicht zulassen zu wollen, dass das Gewaltmonopol des Staats von Extremisten übernommen wird. Doch der Fidesz-Staat sah lange tatenlos zu - bis es wie in Gyöngyöspata gewaltsame Auseinandersetzungen und Verletzte gab.

"Kommt nur raus, ihr Zigeuner, heute Abend werdet ihr sterben", brüllten die rechtsextremen Milizionäre vor den Häusern der Roma. Erst dann zeigte der Staat Präsenz und schickte Polizei. Die Roma fühlen sich dennoch nicht sicher: "Irgendwann verschwindet die Polizei wieder, dann geht alles von vorne los", sagen sie.

Gyöngyöspata ist zu einem Symbol für eine verfehlte Roma-Politik geworden. Jahrelang kümmerten sich Ungarns Politiker nicht um die Minderheit, die Rechtsextremisten profitierten schließlich davon. Eine unabhängige Berichterstattung darüber findet im Land nicht statt - denn auch die Pressefreiheit ist unter die Räder gekommen.

Willkommen im System Orbán.

Wie es sein kann, dass es in einem EU-Land Rassentrennung an Schulen und kontrollierte Medien gibt? Drei Ungarn berichten:

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Seite 1
Benjowi 18.03.2012
1. EU-Mitgliedschaft suspendieren
Zitat von sysopTill MayerTerror gegen Minderheiten, "Rassentrennung" in den Schulen: Unter der rechtskonservativen Regierung Orbán ist das Realität in Ungarn. Eine unabhängige Berichterstattung darüber findet nicht statt - denn auch die Pressefreiheit ist unter die Räder gekommen. Drei Augenzeugen berichten. Autoritäre Regierung: Das System Orbán raubt Ungarn die Seele - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,820826,00.html)
Unter diesen Umständen sollte die Mitgliedschaft dieses Landes in der Europäischen Union suspendiert werden. Es kann nicht sein, dass die EU ein Land subventioniert, dessen Regierung die Werte dieser Gemeinschaft mit Füßen tritt!
schwarzes_lamm 18.03.2012
2.
Zitat von sysopTill MayerTerror gegen Minderheiten, "Rassentrennung" in den Schulen: Unter der rechtskonservativen Regierung Orbán ist das Realität in Ungarn. Eine unabhängige Berichterstattung darüber findet nicht statt - denn auch die Pressefreiheit ist unter die Räder gekommen. Drei Augenzeugen berichten. Autoritäre Regierung: Das System Orbán raubt Ungarn die Seele - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,820826,00.html)
1989 erschien ein "Augenzeugenbericht" im Neuen Deutschland, der belegen konnte, dass auf ungarischer Seite Urlauber aus der DDR von Westagenten Mentholzigaretten mit betäubender Wirkung angeboten wurden und die Betäubten dann mit Bussen über die Grenzen nach Österreich geschafft wurde. Die Redakteure des Spiegel scheinen heute noch äußerst fasziniert von dieser Geschichte zu sein, wenn sie heute im gleichen Stil berichten. *
keulolo 18.03.2012
3. Mainstream halt...
Dass die Regierung von einem Großteil der Ungarn gewählt wurde, interessiert nicht.. weil "die sind ja irgendwie ein bißchen rechts" und das muß -egal wie- schlecht gemacht werden von den westeuropäischen "toleranten" "Besserwissern". Was für eine Unkultur ist das denn?
Heinz-und-Kunz 18.03.2012
4. Die alte Leier
Zitat von sysopTill MayerTerror gegen Minderheiten, "Rassentrennung" in den Schulen: Unter der rechtskonservativen Regierung Orbán ist das Realität in Ungarn. Eine unabhängige Berichterstattung darüber findet nicht statt - denn auch die Pressefreiheit ist unter die Räder gekommen. Drei Augenzeugen berichten. Autoritäre Regierung: Das System Orbán raubt Ungarn die Seele - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,820826,00.html)
D.h. drei Linke als Kronzeugen gegen eine konservative Regierung, die just dabei ist, die Linken von den staatlichen Fleischtöpfen zu vertreiben. Gehts noch offensichtlicher? Am besten ist der Vorwurf, dass über die Vorgänge nicht berichtet würde. Seit dem Orban eine freie und faire Wahl klar gewonnen hat, macht die Presse andauernd Propaganda für die Opposition.
E.Cartman 18.03.2012
5.
Etwa so, wie sich die Opfer der Genozide und rassistischen Regime in Deutschland, der Türkei, dem Sudan etc. das einfach selbst zuzuschreiben hatten nicht wahr? Mit so Kleinigkeiten, wie dass das Recht in einer Demokratie für den einzelnen gilt und nicht für Gruppen, brauche ich Ihnen ja vermutlich erst gar nicht zu kommen.
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