Aznars Kronprinz: Rajoy, übernehmen Sie!

Mariano Rajoy soll der zukünftige Mann an Spaniens Regierungsspitze sein - zumindest wenn es nach Ministerpräsident Aznar geht. Der will seinen Vize bei den Parlamentswahlen 2004 ins Rennen schicken. Nun muss der unauffällige Politiker beweisen, dass er das Zeug zum Sieger hat.

Soll die konservative Partei erneut zum Wahlsieg führen: Mariano Rajoy
AFP

Soll die konservative Partei erneut zum Wahlsieg führen: Mariano Rajoy

Madrid - Aufmerksamkeit wurde dem 48-jährigen Rajoy während seiner langen Karriere meist nur dann zuteil, wenn er unpopuläre Entscheidungen von Ministerpräsident José María Aznar in der Öffentlichkeit rechtfertigen durfte. In seinem letzten Amt, dem des Vizeregierungschefs und Regierungssprechers, stellte er sich hinter Aznars Irak-Politik, gegen die die spanische Bevölkerung aufgebracht protestiert hatte. Nach dem Unglück des Öltankers "Prestige" reiste der Mann mit dem grauen Vollbart und der dezenten Brille nach Galicien, um die Wogen zu glätten. Der zuständige Minister für Verkehr und Umwelt hatte sich zuvor als miserabler Krisenbewältiger erwiesen.

Bei der Wahl des Spitzenkandidaten stimmten 503 der 504 Delegierten des Nationalrates von Aznars konservativer Volkspartei (PP) für Rajoy. Er soll nun aus dem Kabinett ausscheiden und zunächst PP-Generalsekretär werden. Anzar kündigte an, er werde seinem Nachfolger fast alle Kompetenzen übertragen. Der versprach, die Politik seines Vorgängers für den Fall seiner Wahl fortzusetzen.

Aznar bekräftigte, er werde sich aus der vordersten PP-Reihe zurückziehen. Unter den Ovationen der Delegierten kamen Aznar sogar die Tränen. "Meine Ablösung geschieht nicht bloß halbherzig, Mariano ist der neue PP-Führer", sagte er. Der seit 1996 regierende Aznar hatte bereits vor zwei Jahren angekündigt, dass er 2004 nicht als Kandidat für eine dritte Amtszeit zur Verfügung stehe. Über seine weiteren Pläne ist noch nichts bekannt.

Aznar hatte nach montelangen Spekulationen endlich seinen Nachfolger vorgeschlagen
REUTERS

Aznar hatte nach montelangen Spekulationen endlich seinen Nachfolger vorgeschlagen

Rajoy kam 1990 nach Madrid. Dort wurde er in der PP gleich zum Vize-Generalsekretär ernannt. Seit 1996 gehört er dem Kabinett an. In dieser Zeit war er Minister für Bildung und Kultur, öffentliche Verwaltung und Inneres, bevor er schließlich Ressortchef im Amt des Ministerpräsidenten wurde. Seine Arbeit erledigte er souverän, aber unauffällig. Langsam und von vielen unbemerkt hatte sich der Jurist die Karriereleiter hinaufgearbeitet. Im Dialog mit der Opposition setzte er im Gegensatz zu Aznar auf milde Töne.

Eigentlich wurde Wirtschaftsminister Rodrigo Rato als Nachfolger Aznars gehandelt. Doch der gab sich nach der Benennung von Rajoy loyal. Er sagte dem Kontrahenten seine volle Unterstützung zu. Innenminister Angel Acebes bezeichnete ihn als "Garantie für Spanien". Auch Aznars politische Gegner begrüßten die Ernennung, bemängelten aber die Vorgehensweise des Premierministers. Ihm war immer wieder vorgeworfen worden, den Kandidaten ohne vorherige Absprache innerhalb der PP bestimmt zu haben. Das Vorgehen erinnere an das der jahrzehntelang herrschenden Partei PRI in Mexiko, schrieb zum Beispiel die Zeitung "El Mundo".

Friedensdemo in Madrid: Bei der spanischen Bevölkerung machte sich Aznar mit seiner Irak-Politik unbeliebt
REUTERS

Friedensdemo in Madrid: Bei der spanischen Bevölkerung machte sich Aznar mit seiner Irak-Politik unbeliebt

Rajoy muss nun aus dem Schatten Aznars heraustreten und sein eigenes Profil entwickeln. Seine Auftritte in der Öffentlichkeit wirken noch etwas steif, doch darf er sich den Erfolgsdruck, der auf ihm lastet, nicht anmerken lassen. Er muss sowohl in seiner Partei als auch bei der spanischen Bevölkerung überzeugen. Konfrontationen wird er in Zukunft jedenfalls nicht mehr aus dem Weg gehen können.

Christina Otten

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