Bagdad Dutzende Leichen entdeckt

Das Morden im Irak geht weiter: In Bagdad sind die Leichen von insgesamt 48 Menschen gefunden worden. Laut dem irakischen Innenministerium wurden die an den Händen gefesselten Opfer erschossen. Zudem wurden bei einem neuen Selbstmordattentat 18 Personen getötet.


Bagdad - 14 Leichen seien heute im Osten Bagdads entdeckt worden, 20 gestern Abend in verschiedenen Teilen der Stadt. Auch andere Mordopfer, die sowohl in mehrheitlich von Sunniten als auch von Schiiten bewohnten Vierteln, entdeckt wurden, lagen in Gruppen von bis zu 15 Leichen zusammen.

Ähnliche Vorfälle hatten sich landesweit gehäuft, nachdem im Februar ein tödlicher Anschlag auf ein sunnitisches Heiligtum in der Stadt Sammarra verübt worden war. Die sunnitische Gemeinde beschuldigt schiitische Milizen und Todesschwadronen mit Verbindungen zu den Sicherheitskräften der Täterschaft.

Zudem kam es am Morgen in Falludscha zu einem verheerenden Selbstmordanschlag: Ärzten zufolge wurden dabei mindestens 18 Menschen getötet. Ein unbekannter Attentäter habe sich vor einer Polizeistation inmitten einer Gruppe Wartender in die Luft gesprengt. Mindestens 20 weitere Menschen seien verletzt worden, die meisten von ihnen schwer. Die Männer hatten sich für den Polizeidienst bewerben wollen.

Falludscha liegt etwa 50 Kilometer westlich der Hauptstadt Bagdad und wird vor allem von Sunniten bewohnt. Die Stadt gilt als Hochburg der Aufständischen in deren Kampf gegen die ausländischen Soldaten sowie einheimische Sicherheitskräfte.

In Bagdad trat unterdessen das Parlament zu seiner zweiten Arbeitssitzung seit der Wahl vom 15. Dezember zusammen. Nur 154 der insgesamt 275 Abgeordneten erschienen, was Parlamentspräsident Mahmud al-Maschhadani dazu veranlasste, die Volksvertreter an ihre politische Verantwortung zu erinnern. Zu den gravierendsten Problemen zählten derzeit die Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten, sagte er. "Wir als Abgeordnete haben die Aufgabe, diese (Spannungen) in einen Austausch zwischen den Religionsgruppen zu verwandeln, und wir haben gar keine andere Wahl, wir müssen damit Erfolg haben", fügte er hinzu.

lan/AFP/Reuters/dpa

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