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Bagdad: Saddam im Morgengrauen gehängt

Saddam Hussein wurde heute morgen gehängt. Das Todesurteil gegen den früheren Diktator wurde im Morgengrauen in Bagdad vollstreckt. Ein arabischer TV-Sender zeigte bereits Aufnahmen der Hinrichtung.

Bagdad - Saddam sei nach Ablauf der von irakischen Behörden genannten Frist gehängt worden, berichtete das staatliche irakische Fernsehen. Es sendete am Morgen Koransuren, wie es bei Trauerfällen üblich ist. Zuvor hatten auch andere arabische Medien die Hinrichtung gemeldet.

Saddams Hinrichtung: "Er zitterte nicht"
AFP

Saddams Hinrichtung: "Er zitterte nicht"

Der Fernsehsender Arabija hat bereits Aufnahmen von der Hinrichtung gezeigt. Saddam war auf dem Weg zum Galgen zu sehen und wie ihm die Schlinge um den Hals gelegt wurde. Dann brach der Sender den Film ab. Das staatliche Fernsehen des Iraks hatte ebenfalls angekündigt, die Hinrichtung zu zeigen.

Die Hinrichtung verlief nach Augenzeugen schnell und ruhig. "Es ging sehr schnell. Er starb sofort", sagte ein irakischer Regierungsvertreter, der bei der Vollstreckung des Todesurteils dabei war. Der 69-Jährige sei gefesselt gewesen, aber mit unbedecktem Gesicht. "Er machte einen ruhigen Eindruck, er zitterte nicht", sagte der Augenzeuge weiter. Den Angaben zufolge sprach Saddam unmittelbar vor seiner Hinrichtung das muslimische Glaubensbekenntnis "Es gibt keinen Gott außer Gott und Mohammed ist sein Prophet". Der Verurteilte habe aber keine andere Bemerkung mehr gemacht, als er von den Polizisten zum Galgen geführt worden sei.

Widersprüchliche Meldungen gab es zunächst über die Hinrichtung von Saddam Husseins Halbbruder Barsan al-Tikriti und des ehemaligen Richters Awad al-Bander.

Zunächst hatte es geheißen, die beiden seien ebenfalls gehängt worden. Wenig später wurden diese Meldungen korrigiert. Die beiden sind nach den Worten des irakischen Nationalen Sicherheitsberaters Mowaffak al-Rubaie nicht zusammen mit dem Ex-Diktator gehängt worden. Ein weiterer Vertreter der irakischen Regierung sagte, sie würden im späteren Verlauf des Samstag hingerichtet. Sie waren am 5. November gemeinsam mit Saddam Hussein im Prozess um ein Massaker 1982 in der Ortschaft Dudschail zum Tode verurteilt worden.

In Dudschail wurden 148 Schiiten offenbar als Vergeltung für einen Attentatsversuch auf Saddam Hussein getötet. Das Verfahren begann bald nach der Gefangennahme Saddam Husseins im Dezember 2003.

Saddam war wenige Stunden vor der Hinrichtung aus amerikanischem Gewahrsam den irakischen Behörden übergeben worden. Dies war eine Voraussetzung für die Vollstreckung des Urteils. Anzeichen für eine baldige Hinrichtung war auch die Aufforderung an die Anwälte Saddams gewesen, die persönliche Habe des Todeskandidaten aus dem Gefängnis abzuholen.

Ein US-Bezirksgericht in Washington hatte in der Nacht einen Antrag der Anwälte Saddams abgelehnt, mit dem diese einen Aufschub der Hinrichtung erreichen wollten. Anwalt Curtis Doebbler sprach in einem Interview des US-Senders CNN von einem "ungewöhnlichen Schritt" des US-Gerichts. Die bevorstehende Hinrichtung Saddams nannte er eine Ungerechtigkeit, an die man noch lange denken werde.

Aus Angst vor Krawallen nach der Hinrichtung des früheren Staatschefs hat die irakische Regierung die Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft versetzt. Die irakischen Sicherheitsbehörden sind gewarnt: Schon bei der Verkündung der Todesstrafe Anfang November war es zur Gewalt in Teilen des Landes gekommen. Eine Ausgangsperre, wie sie damals für drei Tage verhängt worden war, wurde auch jetzt nicht ausgeschlossen. Die Entscheidung darüber liege allein bei Ministerpräsident Nuri al-Maliki, sagte der Leiter der Einsatzführung im Innenministerium, Abdel Karim Chalaf. Die Sicherheitskräfte stünden zum Eingreifen bereit, sobald sie über den Zeitpunkt der Hinrichtung informiert würden. Das amerikanische Verteidigungsministerium erklärte, die US-Kräfte im Irak seien auf einen Anstieg der Gewalt vorbereitet.

als/dpa/Reuters/AP/AFP

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