Bali-Klimakonferenz Experten warnen vor weltweitem Kampf um Rohstoffe

Wissenschaftler sagen eine düstere Zukunft voraus: Erderwärmung und Umweltsünden werden zu Kriegen um Wasser, Rohstoffe und Nahrungsmittel führen. Es drohe ein "globaler Bürgerkrieg", warnen die Forscher vor Beginn der heißen Phase der Klimakonferenz auf Bali.


Nusa Dua - Die Vereinten Nationen haben auf der Weltklimakonferenz vor einem wachsenden Konfliktpotential durch die globale Erwärmung gewarnt. Es sei zu erwarten, dass der Klimawandel einen massiven Mangel an Wasser und Nahrungsmitteln mit sich ziehen werde, erklärte der Leiter des Uno-Umweltprogramms Unep Achim Steiner. Weltweite Konflikte um die Verteilung von Ressourcen und eine Welle von Umweltflüchtlingen seien die Folge.

Der führende deutsche Klimaexperte Hans Joachim Schellnhuber warnte sogar vor einem "globalen Bürgerkrieg", wenn die Erderwärmung weiter voranschreite. Der Kampf gegen den Klimawandel werde auch ein wesentlicher Faktor in der Sicherheitspolitik des 21. Jahrhunderts sein. "Bei Konflikten der Zukunft wird es nicht mehr um nationale Armeen gehen, sondern etwa um in sich zerfallende Länder und die Auswirkungen auf andere Länder und Regionen", sagte Schellnhuber.

Die Uno-Organisation stützt sich bei ihrer Warnung auf einen Bericht von deutschen Wissenschaftlern. Die Forscher des Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltveränderungen (WBGU) nennen in ihrem Bericht unter anderem die Sahel-Region in Afrika, Indien, China und die Karibik als potentielle Konfliktregionen aufgrund von Klimaveränderungen.

So werde die Wasserknappheit in der Sahel-Region zu verschärften sozialen Krisen führen. Auf dem indischen Subkontinent würden das Schmelzen der Gletscher und Veränderungen des Monsun-Klimastörungen in der Landwirtschaft verursachen - mit bedrohlichen Folgen für Millionen Menschen und einer möglichen weiteren Destabilisierung der Regierungen in Bangladesch und Pakistan.

Klimagipfel geht in die heiße Phase

Vor Beginn der entscheidenden Tagungswoche des Klimagipfels hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) die Industriestaaten zu konkreten Finanzzusagen im Kampf gegen den Klimawandel aufgefordert. Die reichen Länder müssten beim Thema Klimawandel auch über Geld sprechen und den Entwicklungsländern konkrete Finanzhilfen für die Anpassung an die globale Erwärmung versprechen, sagte Gabriel der britischen Zeitung "Financial Times". Andernfalls drohten die Entwicklungsländer das Vertrauen in den Handlungswillen der Industriestaaten zu verlieren.

Gabriel kündigte an, Deutschland werde den ärmeren Länder Hilfen in Höhe von 120 Millionen Euro für die Entwicklung fortschrittlicher Technologien und die Anpassung an den Klimawandel zur Verfügung stellen. Der Minister forderte zudem klare Resultate der Bali-Konferenz: Die internationale Öffentlichkeit werde "ein vages Verhandlungsmandat" nicht akzeptieren. "Wir brauchen klare Ziele für die Emissionsverringerung um zu wissen, in welche Richtung wir gehen."

Delegationen aus mehr als 180 Staaten beraten auf der indonesischen Insel Bali noch bis Freitag über ein Verhandlungsmandat für ein neues weltweites Klimaschutz-Abkommen. Das bislang geltende Kyoto-Protokoll läuft 2012 aus. Ab Mittwoch finden die Verhandlungen offiziell auf Ministerebene statt. Als erste deutsche Ministerin wird Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) in Bali erwartet. Gabriel folgt am Dienstag, er wird für die Bundesregierung die Federführung der weiteren Verhandlungen übernehmen.

Zum ersten Mal Finanzminister dabei

Bereits heute trafen sich Finanzminister oder ihre Stellvertreter aus 40 Ländern zu ersten informellen Gesprächen. Sie berieten darüber, wie man die Klimaerwärmung verlangsamen kann, ohne die Weltwirtschaft auszubremsen. Allein schon die Tatsache, dass die Finanzminister in die Gespräche über den Klimawandel einbezogen seien, sei ein Durchbruch, sagte der indonesische Minister Sri Mulyani Indrawati. Damit könnten mehr politische Optionen erschlossen werden.

Allein für den Umstieg von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energie werden nach Schätzungen der Uno bis 2030 jährlich Investitionen in Höhe von 200 bis 210 Milliarden Dollar benötigt. Allerdings scheiterte auf Bali der Versuch einer Einigung auf den Abbau von Handelshemmnissen für umweltfreundliche Technologien und Produkte.

Die Verhandlungen über niedrigere Importzölle für klimafreundliche Waren wie Windturbinen und Solarkollektoren endeten im Streit: Auf einer Pressekonferenz tauschten Brasilien und die USA öffentlich gegenseitige Schuldzuweisungen aus. Die Produktliste sei unvollständig und werde nicht viel für den Klimawandel tun, sagte der brasilianische Außenminister Celso Luiz Nunes Amorim.

Der Leiter der deutschen Delegation, Karsten Sach, lobte am Sonntag zum Ende der ersten Verhandlungswoche aber die insgesamt konstruktive Atmosphäre der Gespräche. Die Notwendigkeit gemeinsamer Maßnahmen zum Klimaschutz werde offenbar weltweit anerkannt.

amz/AFP/dpa



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