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Grenze zu Mazedonien: Ein Mann stirbt, Griechenland bittet die EU um Hilfe

Polizei und Flüchtlinge an der griechisch-mazedonischen Grenze: Situation droht zu eskalieren Zur Großansicht
AFP

Polizei und Flüchtlinge an der griechisch-mazedonischen Grenze: Situation droht zu eskalieren

An der griechisch-mazedonischen Grenze ist ein Flüchtling durch einen Stromschlag ums Leben gekommen. Weil die Situation zu eskalieren droht, hat die griechische Regierung nun einem Einsatz der EU-Grenzschutzbehörde Frontex zugestimmt.

An der griechisch-mazedonischen Grenze ist ein Flüchtling durch einen Stromschlag getötet worden. Der vermutlich aus Marokko stammende Mann sei nahe der Grenze auf einen Eisenbahnwaggon gestiegen und dabei mit dem Kopf an eine Hochspannungsleitung gekommen, zitierte die Nachrichtenagentur AFP den örtlichen Polizeisprecher.

Einige Männer versuchten offenbar danach, die verbrannte Leiche zum Grenzübergang zu tragen. Die griechische Polizei setzte jedoch Tränengas ein, um die Gruppe zurückzudrängen. Auch andere am Grenzübergang wartende Flüchtlinge wurden zurückgedrängt. Erst am Samstag hatte sich ein Marokkaner unter ähnlichen Umständen schwere Verbrennungen zugezogen.

Viele Menschen nutzen die an der Grenze geparkten Züge als Unterschlupf. Außerdem, so berichten lokale Medien, steigen die Flüchtlinge auf Eisenbahnwaggons, um einen Blick auf das nur rund 500 Meter entfernte mazedonische Staatsgebiet zu erhaschen.

Die Lage an der griechisch-mazedonischen Grenzeist seit Tagen angespannt. Viele Flüchtlinge sitzen dort fest, nachdem Mazedonien am 19. November entschieden hatte, nur noch Syrer, Afghanen und Iraker durchzulassen. Der Zugverkehr zwischen Griechenland und Mazedonien ist unterbrochen, weil iranische Flüchtlinge aus Protest die Bahngleise blockieren. Einige von ihnen nähten sich den Mund zu.

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Flüchtlinge zwischen Griechenland und Mazedonien: Gestrandet

Bei weiteren Zusammenstößen zwischen unterschiedlichen Gruppen von Flüchtlingen gab es zudem Verletzte. Migranten, die gemäß der mazedonischen Regelung die Grenze überqueren dürfen, aber dennoch warten mussten, und andere, die nicht durchgelassen werden, bewarfen sich gegenseitig mit Steinen.

Etwa 1500 Menschen überwiegend aus Pakistan, Iran und Marokko, stecken seit Wochen nahe dem griechischen Grenzort Idomeni fest, weil ihnen Mazedonien die Einreise verweigert. Viele Flüchtlinge wollen auf der Balkanroute weiter Richtung Österreich und Deutschland. Ende November hatte Mazedonien einen massiven Grenzzaunerrichtet.

Griechenland hat wegen der vielen ankommenden Flüchtlinge derweil die Europäische Union offiziell um Hilfe gebeten. Athen bat um Zelte, Generatoren, Betten und Medikamente, wie die EU-Kommission mitteilte. Die EU-Behörde aktivierte den sogenannten Zivilschutzmechanismus und koordiniert die Hilfe. Dies passiert sonst etwa bei Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder Erdbeben. Außerdem stimmte die griechische Regierung einem Einsatz der EU-Grenzschutzbehörde Frontex zu. Die EU-Grenzschützer sollen bei der Registrierung der Flüchtlinge helfen. Bislang hatte Athen alle Hilfsangebote der EU ausgeschlagen.

Die griechische Regierung steht seit Wochen in der Kritik, weil es in den Erstaufnahmelagern an der EU-Außengrenze zur Türkei praktisch an allem fehlt. Athen hatte bislang die von der EU angebotene Hilfe ausgeschlagen. Laut EU-Kommission sind in Griechenland seit dem 1. November 50.000 Flüchtlinge angekommen.

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kbl/afp/rtr/dpa

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