New York/Damaskus - Scharfe Kritik von der Uno: Generalsekretär Ban Ki Moon hat dem Regime von Präsident Baschar al-Assad vorgeworfen, weiterhin unschuldige Zivilpersonen zu töten. Trotz der Zusage von Damaskus, bis Dienstag alle Soldaten und schweren Waffen aus Bevölkerungszentren abzuziehen, dauere die Gewalt in einem "alarmierenden Ausmaß" an, sagte Ban in einer Erklärung, die das Büro des Uno-Chefs in der Nacht zum Samstag in New York veröffentlichte.
Der Generalsekretär erinnerte die syrische Regierung an ihre Zusage, den Einsatz von schweren Waffen in Wohngebieten zu stoppen. Dennoch habe die Armee "unschuldige Zivilisten, darunter Frauen und Kinder", angegriffen. Die vom Weltsicherheitsrat befürwortete Frist bis zum 10. April sei "keine Entschuldigung für fortgesetztes Töten", warnte Ban.
Zahl der Flüchtlinge alarmierend
Am Dienstag sollen in Syrien ab sechs Uhr Ortszeit die Waffen schweigen - mehr als ein Jahr nach Beginn des Konflikts. Viele Diplomaten zweifeln an den Zusagen des Assad-Regimes, weil es bereits in der Vergangenheit Versprechen nicht gehalten hat.
Ban zeigte sich äußerst betroffen von der sich schnell verschlechternden humanitären Lage. Die syrischen Behörden blieben voll verantwortlich für die schweren Verletzungen von Menschenrechten und des humanitären Völkerrechts. Das Regime solle sofort und bedingungslos alle militärischen Aktionen gegen die Bevölkerung einstellen, verlangte der Uno-Generalsekretär. Die Zahl der in Nachbarländern eintreffenden Flüchtlinge sei alarmierend.
US-Botschafter veröffentlicht Satelliten-Bilder
Vier Tage vor Beginn des vereinbarten Truppenabzugs hatte die syrische Führung ihren Kampf in den Oppositionshochburgen nach Angaben von Aktivisten verstärkt. Robert Ford, der US-Botschafter für Syrien, veröffentlichte am Freitag auf dem Facebook-Account seiner Vertretung neue Satelliten-Bilder, die beweisen sollen, dass das Regime bewohnte Gebiete mit schwerer Artillerie beschießt und Truppen verlagert - trotz der bevorstehenden Waffenruhe. Die Bilder wurden vor und nach dem von der syrischen Regierung bekannt gegebenen Rückzug aufgenommen.
Es ist bereits das zweite Mal, dass Ford Aufnahmen zeigt - er will damit die Führung in Damaskus unter Druck setzen. "Das Regime und die syrischen Menschen sollen wissen, dass wir die Geschehnisse beobachten. Das Regime kann die Wahrheit nicht verstecken", schreibt Ford auf Facebook. Er musste Damaskus im Februar verlassen.
Auch am Samstag setzten die Regierungstruppen ihre Offensive in den Protesthochburgen fort. Aktivisten teilten mit, dass mindestens 36 Menschen starben, als regimetreue Soldaten die Region Al-Latmana in der Provinz Hama zunächst unter Beschuss nahmen und später stürmten. Vier weitere kamen nach Angaben der syrischen Menschenrechtsbeobachter in Tibat al-Imam, außerhalb der Stadt Hama, ums Leben. Mindestens drei Tote habe es in der Region Al-Kusair nahe der Stadt Homs gegeben.
Aktivisten hatten bereits am Freitag von heftigen Angriffen und Kämpfen in den Unruheprovinzen Daraa, Idlib und Homs berichtet. Landesweit seien mindestens 19 Menschen ums Leben gekommen. Die Kämpfe trieben die Flüchtlingszahlen auf Rekordhöhe: Allein am Donnerstag suchten nach offiziellen Angaben 2800 Syrer Schutz in der Türkei.Nach Uno-Angaben haben Assads Truppen seit Beginn der Unruhen mehr als 9000 Menschen getötet. Syriens Regime spricht dagegen von 6044 Toten, darunter 2566 Soldaten und Polizisten.
heb/dpa/AFP/Reuters/AP
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