Kampf gegen Islamisten 12.000 Festnahmen bei umstrittenem Großeinsatz in Bangladesch

Die Aktion dauerte eine Woche, am Ende wurden 12.000 Menschen festgesetzt: Bangladesch geht mit einer Verhaftungswelle gegen Islamisten vor. Kritiker sehen darin den Versuch, die Opposition auszuschalten.

Festnahme in Dhaka, Bangladesch
AP

Festnahme in Dhaka, Bangladesch


Seit drei Jahren leidet Bangladesch unter islamistischem Terror. Opfer der Anschläge sind Islamkritiker, Intellektuelle und Angehörige religiöser Minderheiten. Die Angriffe laufen meist nach ähnlichem Muster ab: Eine Gruppe vermummter Männer schlägt und sticht mit Messern und Macheten auf ihr Opfer ein und flieht unerkannt, meist auf Motorrädern.

Zu den meisten Attacken in dem kleinen, aber bevölkerungsreichen Land (160 Millionen Einwohner) bekannten sich islamistische Organisationen wie Al-Qaida und der sogenannte Islamische Staat (IS) oder lokale Organisationen, die mit ihnen verbunden sind. Die Regierung bestreitet jedoch, dass der IS in Bangladesch aktiv ist. Sie macht unter anderem die oppositionelle islamistische Partei Jamaat-e-Islami verantwortlich.

So legitimiert die Regierung von Bangladesch den landesweiten Extremismus-Einsatz, bei dem auch viele Oppositionspolitiker inhaftiert worden sind. Insgesamt sollen in der letzten Woche 12.000 Menschen festgenommen worden sein, rund 200 von ihnen gehören angeblich zu radikalen islamistischen Gruppierungen, wie die Polizei mitteilte.

Der Generalsekretär von Jamaat-e-Islami nannte die Verhaftungswelle in einer Mitteilung unmenschlich und illegal; zahlreiche Mitglieder seiner Partei seien ohne Grundlage festgenommen worden. Aber auch die nicht als islamistisch eingestufte Oppositionspartei BNP protestierte, sie erklärte, dass mehr als 2000 der Infaftierten aus ihren Reihen stammen würden.

Inhaftierte in Bangladesch
AP

Inhaftierte in Bangladesch

In Medienberichten werden Polizisten beschuldigt, Festgenommene nur gegen Bestechungsgelder wieder freizulassen. Asaduzzaman Khan Kamal, Heimatminister von Bangladesch, widersprach beiden Anschuldigungen: "Wir haben niemanden illegal oder aus politischen Gründen verhaftet."

Nichtregierungsorganisationen bezeichnen es zwar als notwendig, dass Bangladesch stärker gegen sein Problem mit Islamisten vorgeht, kritisieren aber zugleich die Wahllosigkeit der Razzien. "Die Behörden sind gegen die üblichen Verdächtigen vorgegangen, anstatt fokussiert zu ermitteln", sagte Brad Adams, Asienchef von Human Rights Watch. "Das vermittelt wenig Vertrauen, dass die Morde aufhören oder dass nun geregelte Verfahren folgen."

Noch während des Großeinsatzes meldete die Polizei am Donnerstag die nächste Attacke: Unbekannte hatten einen hinduistischen Dozenten einer Universität in Südbangladesch mit Macheten angegriffen. Er überlebte den Angriff verletzt.

cbu/dpa



insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
WwdW 19.06.2016
1. hm ...
ich wünsche mir auch so ein Vorgehen gegen rechten Terrorismus hier in Deutschland. Wir haben nur die Hälfte der Einwohner aber garantiert mehr als 200 Rechte, die radikal-extremistichen Gruppierungen angehören ...
jowitt 19.06.2016
2. @mundi
Zitat von WwdWich wünsche mir auch so ein Vorgehen gegen rechten Terrorismus hier in Deutschland. Wir haben nur die Hälfte der Einwohner aber garantiert mehr als 200 Rechte, die radikal-extremistichen Gruppierungen angehören ...
So ein Vorgehen ist nicht zu rechtfertigen. Wenn jemand nachweislich Straftaten begangen hat, ist eine Verhaftung angebracht. Aber Massenverhaftungen, oft ohne Grund und willkürlich, weil einem die Nase oder die religiöse Ausrichtung nicht gefällt, ist ein Horrorzsenario, das ist hier nicht erleben möchte.
udo46 19.06.2016
3.
Ich hatte Bangladesch schon als nächsten failed state abgeschrieben, aber vielleicht gibt es ja doch noch einen Funken Hoffnung für das Land, sich langsam aus dem Teufelskreis von Armut, Gewalt und Aberglauben zu befreien.
hansw 19.06.2016
4. Zukunft
Die aktuellen Zustände in diesem Land zu kommentieren ist sinnlos. Wir können uns in die Lage der Einwohner wohl kaum hineinversetzen. Es wird Zeit, dass Indien den Subkontinent wieder vereinigt. Pakistan ist ebenso wenig auf Dauer lebensfähig wie Bangladesch. Pakistan entstand 1947 bei der Aufteilung von Britisch Indien und zwar aus religiösen Gründen. Bangladesch ist wiederum als Abspaltung von Pakistan im Jahr 1971 entstanden. Beide Länder sind moslemischen Glaubens, während in Indien die Hindus die Mehrheit stellen. Schaut man sich die Entwicklung seit der Unabhängigkeit Britisch Indiens an, so ist nur Indien auf dem positiven Weg. Indien wird China in absehbarer Zeit überholen. Bevor jemand das Wort "Atombomben" schreit: Die Einwohner des Subkontinents haben eine grosse zivilisatorische Vergangenheit. Eigentlich sind die Menschen seit vielen Generationen verwandt. Die Briten haben verhindert, dass der Kontinent heute noch ein Flickenteppich von Maharadscha Fürsten mit kleineren und grösseren Territorien ist. Die Brutalität der britischen Kolonialzeit soll damit nicht verschwiegen werden. Man sieht wieder einmal, dass Menschen im Subkontinent aus religiösen Gründen umgebracht werden mit dem Ziel, ganze Bevölkerungsgruppen auszurotten. Der Subkontinent schreit geradezu nach einer ordnenden Hand, und die kann nur Indien stellen. Hoffentlich erreicht Indien die Macht, den aktuellen Religionen Einhalt zu gebieten. Gewiss, dass ist ein hartes Stück Arbeit und kostet Zeit. Aber welche Alternative hat der Subkontinent? Antwort: Keine.
hf-mg 19.06.2016
5. Aberglauben
"Teufelskreis von Armut, Gewalt und Aberglauben zu befreien" Alle Menschen haben einen Aberglauben. In Deutschland haben die Menschen den Aberglauben, dass es Wirtschaftswachstum geben kann. Das ist natürlich nur eine Religion, die eine Lüge ist. Das Wachstum auf einer Seite führt zu Schrumpfung auf einer anderen Seite. Die ganze Volkswirtschaft ist reiner Aberglaube. Und? Die Deutschen glauben daran. Auch dämlich
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