IS-Terror Geiselnahme in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka beendet

Sicherheitskräfte haben die Geiselnahme in einem Restaurant in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka gewaltsam beendet. Mehrere Menschen wurden erschossen, darunter auch mehrere Angreifer.

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Rund zehn Stunden nach der Geiselnahme in einem bei Ausländern beliebten Restaurant in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka haben Sicherheitskräfte das Gebäude gestürmt. Sie befreiten mehrere Menschen aus der Gewalt der mutmaßlichen Islamisten.

Laut einem Kommandeur des Sondereinsatzkommandos, das das Lokal Holey Artisan Bakery gestürmt hatte, wurden 13 Geiseln gerettet. Wie viele getötet wurden, ist unklar. Unter den Geretteten seien drei Ausländer, sagte Kommandeur Tuhin Mohammad Masud dem indischen TV-Sender Times Now. Es habe mehrere Tote gegeben, darunter sechs Geiselnehmer. Andere Quellen berichten von fünf getöteten Angreifern und einem, der festgenommen worden sei.

Angaben, wie viele Tote es unter den Gästen und Mitarbeitern des Cafés gab, konnte Masud nicht machen. "Offensichtlich gab es Opfer", sagte er lediglich.

Bei der Befreiungsaktion, an der mehr als 100 Polizisten beteiligt waren, kam es zu heftigen Schusswechseln. Bemühungen um Verhandlungen mit den Geiselnehmern blieben erfolglos, wie die Behörden erklärten.

Zu dem Überfall in dem Diplomatenviertel bekannte sich die Islamistenmiliz "Islamischer Staat" (IS). Sie stellte Fotos ins Internet, die Leichen getöteter Ausländer in dem Café zeigen sollten. Ob die Bilder tatsächlich aus dem Lokal stammten, ist unklar.

Auch Inder und Italiener waren unter den Geiseln

Nach Polizeiangaben stürmten die bewaffneten Angreifer das bei Ausländern beliebte Café Holey Artisan Bakery im Diplomatenviertel Gulshan am Freitagabend gegen 21.20 Uhr. Sie riefen "Allahu Akbar" (Gott ist groß) und zündeten Sprengsätze.

Bis zu neun Bewaffnete hätten sich dort verschanzt, sagte der Chef der Sonderpolizei, Benjir Ahmed. Sie hätten bei Schusswechseln mit den Sicherheitskräften zwei Beamte getötet und etwa 20 Menschen in ihre Gewalt gebracht. Unter den Geiseln sollen auch Inder und Italiener gewesen sein.

Die Angreifer hatten den Behörden zufolge über mehrere Stunden immer wieder die Polizei beschossen und mit Sprengsätzen attackiert. Mindestens 20 Menschen seien verletzt worden. Unklar ist, ob auch Deutsche unter den Geiseln waren. Das Auswärtige Amt teilte mit, die deutsche Botschaft in Bangladesch bemühe sich mit Hochdruck um Klärung dieser Frage.

"Es war eine extrem abscheuliche Tat"

Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi brach den Besuch einer Veranstaltung in Rom ab, um sich über die Entwicklung zu informieren. Einem TV-Bericht zufolge waren sieben italienische Geschäftsleute unter den Geiseln. Der öffentlich-rechtliche Sender RAI berief sich dabei auf den italienischen Botschafter in Dhaka. Eine japanische Geisel wurde mit einer Schusswunde ins Krankenhaus gebracht. Zwei Menschen aus Sri Lanka waren nach Angaben der Regierung in Colombo unter den Geretteten.

Bangladeschs Regierungschefin Sheikh Hasina sagte: "Es war eine extrem abscheuliche Tat. Was für Muslime sind diese Leute? Sie haben keine Religion." Ihre Regierung sei "entschlossen, den Terrorismus und die Militanz in Bangladesch auszurotten".

In dem mehrheitlich muslimischen Bangladesch haben in den vergangenen Monaten Anschläge radikaler Islamistengruppen zugenommen. Ziele sind unter anderem Atheisten und religiöse Minderheiten in dem Land mit 160 Millionen Einwohnern. Zu den Angriffen haben sich die IS-Miliz wie auch al-Qaida bekannt. Die Regierung verneint dagegen eine Beteiligung ausländischer Islamisten-Organisationen und macht die einheimischen Gruppen Ansar-al-Islam und Jamaat-ul-Mujahideen für die Anschläge verantwortlich.

jme/heb/dpa/APF/Reuters

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