US-Präsident Obama "Bodentruppen wären ein Fehler"

Barack Obama will keine größeren Kontingente an Bodentruppen in den Kampf gegen den "Islamischen Staat" entsenden. An die Anführer der Terrormiliz schickte der US-Präsident trotzdem eine Warnung.


Seit Monaten fliegt eine von den USA angeführte Allianz in Syrien und im Irak Angriffe gegen den "Islamischen Staat" (IS). Nach den blutigen Anschlägen von Paris stellen sich nun viele die Frage: Müssen sich westliche Staaten der Terrormiliz militärisch noch entschlossener entgegenstellen - nicht nur mit Angriffen aus der Luft?

Barack Obama hat solchen Überlegungen nun eine Absage erteilt. Der US-Präsident sagte am Rande des G20-Gipfels im türkischen Belek, er wolle weiterhin keine größeren Kontingente an Bodentruppen in den Irak und nach Syrien entsenden. "Das wäre ein Fehler", so Obama.

Der Kampf gegen den IS könne nur gelingen, wenn die örtliche Bevölkerung dahinterstehe. Ein militärischer Erfolg ausländischer Bodentruppen würe nach dem Abzug wieder infrage gestellt.

"Es wäre eine Wiederholung dessen, was wir schon gesehen haben", sagte Obama. Er kündigte an, den Kampf gegen den IS zu verstärken, jedoch auf Grundlage der bestehenden Strategie. Im Vorfeld der Anschläge von Paris hätten den USA keine spezifischen Drohungen vorgelegen.

In seiner teilweise äußerst emotionalen Rede verteidigte Obama seinen Kurs gegen den IS. "Wir sollten nicht erst schießen und dann zielen." Regelmäßig besuche er das Krankenhaus Walter Reed bei Washington, in dem verletzte US-Soldaten liegen. "Ich sehe da 25-Jährige, die querschnittsgelähmt sind oder ihre Beine verloren haben", sagte er. "Schicken wir Soldaten nach Syrien, werden sie verletzt oder getötet. Ich werde nicht die politischen Spielchen, die manche spielen, mitmachen." Letzteres bezog sich auf Präsidentschaftskandidaten der US-Republikaner wie zum Beispiel Jeb Bush, der am Sonntag entsprechende Forderungen gestellt hatte.

Rückschlag im Kampf gegen den IS

Bei Attentaten an mehreren Orten in der französischen Hauptstadt hatten am Freitagabend mindestens sieben Angreifer mehr als 120 Menschen getötet. Hunderte wurden verletzt.

Die Anschläge bezeichnete Obama als schrecklichen Rückschlag im Kampf gegen den IS, in dem es aber Fortschritte gebe. So sei die Miliz in einigen Regionen zurückgedrängt worden. Die Anführer der Miliz würden nirgendwo einen sicheren Rückzugsort haben, droht er.

Der US-Präsident warnte jedoch vor einer deutlich schärferen Asylpolitik. "Flüchtlingen nun die Tür vor der Nase zuzuschlagen, wäre Verrat an den Werten der USA", sagte er. "Wir dürfen nicht die Herzen vor jenen verschließen, die vor dem Terror fliehen."

Nach den Anschlägen von Paris lehnen zwei US-Bundesstaaten die Aufnahme von Flüchtlingen aus Syrien ab. Die republikanischen Gouverneure von Alabama und Michigan teilten am Sonntag mit, die von Obama angekündigte Aufnahme von mindestens 10.000 Syrern im Haushaltsjahr 2016 nicht mitzutragen. Weitere Bundesstaaten könnten ihrem Beispiel folgen.

vme/kev/AFP/Reuters

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