Ärger beim G20-Gipfel Flugzeugtreppe heizt Streit zwischen USA und China an

Kein roter Teppich, Wortgefechte am Flughafen: Der Aufenthalt von Barack Obama in China begann mit Ärger. Später wurde es nicht besser.

Barack Obama beim G20-Gipfel in China
AP

Barack Obama beim G20-Gipfel in China


Wurde Barack Obama von der chinesischen Führung bewusst brüskiert? Oder war der Ärger am Flughafen von Hangzhou nur ein Missverständnis? Seit der Landung des US-Präsidenten zum G20-Gipfel in China spekulieren Beobachter darüber. Angeheizt wird die Diskussion von den Streitigkeiten zwischen Washington und Peking bei zahlreichen anderen Themen.

Was war passiert? Als die US-Präsidentenmaschine am Samstag in Hangzhou landete, stand keine Flugzeugtreppe bereit, sodass Obama über eine Treppe im Flugzeugbauch aussteigen musste. Ein Journalist der "New York Times" schrieb über den Vorfall: "In den sechs Jahren, die ich über das Weiße Haus berichte, habe ich das noch nie erlebt." Diesen Ausgang nutze Obama nur während Reisen in Länder wie Afghanistan, für die strenge Sicherheitsvorkehrungen gälten. Brasiliens Präsident Michel Temer durfte am Tag zuvor eine mit rotem Teppich ausgelegte Treppe herunterschreiten.

Obama am Flughafen von Hangzhou
REUTERS

Obama am Flughafen von Hangzhou

Auf die unzeremonielle Begrüßung folgten Reibereien auf dem Rollfeld. "Ein Mitglied der chinesischen Delegation schrie Mitarbeiter des Weißen Hauses von dem Moment an, an dem die Mediengruppe das Rollfeld betrat", schilderten US-Journalisten die Ereignisse. "Er wollte, dass die US-Presse verschwindet." Auf Widerstand hin habe der chinesische Sicherheitsbeamte gerufen: "Das ist unser Flughafen. Das ist unser Land." Auch Obamas Sicherheitsberaterin Susan Rice beklagte, sie sei auf dem Rollfeld gestört und zurückgehalten worden. Darauf angesprochen, antwortete sie: "Einiges hier war so nicht vorgesehen."

Ein Vertreter des chinesischen Außenministeriums dementierte später, dass Obama bewusst brüskiert werden sollte. Aufgrund von Verständigungsproblemen und Sicherheitsvorgaben hätten sich beide Seiten darauf geeinigt gehabt, dass keine Flugzeugtreppe herbeigerollt werde.

Auch Obama versuchte später, den Vorfall mit Blick auf seine große Delegation herunterzuspielen. "Wir haben viele Flugzeuge, viele Hubschrauber, viele Autos, viele Menschen. Ein Gastgeberland kann sich manchmal davon etwas überfordert fühlen." Bei vergangenen Besuchen des US-Präsidenten in China war es allerdings kein Problem gewesen, ihn gemäß des Protokolls mit Flugzeugtreppe zu begrüßen.

US-chinesisches Gipfeltreffen in Hangzhou
REUTERS

US-chinesisches Gipfeltreffen in Hangzhou

US-Medien bezeichneten den "holprigen Start" des Besuches als symptomatisch für die schlechten Beziehungen beider Länder. Die Differenzen werden besonders beim Inselstreit im Südchinesischen Meer deutlich. Noch vor dem Start des G20-Gipfels hatte Obama die Chinesen verärgert, indem er Peking zur Zurückhaltung in der Region aufgefordert und vor "Konsequenzen" gewarnt hatte. Das Außenministerium in Peking sprach daraufhin von "unverantwortlichen Bemerkungen".

Die "Straits Times" aus Singapur zitierte einen Professor von der renommierten Fudan Universität in Shanghai mit den Worten: "Die USA sollten wissen, warum sie China verärgert haben." Die Führung der Volksrepublik achte üblicherweise genau darauf, dass das Protokoll eingehalten werde, besonders bei wichtigen ausländischen Staatenlenkern.

Staats- und Parteichef Xi Jinping wies in seinem Gespräch mit Obama in Hangzhou am Samstag die Vorwürfe zurück. China werde seine territoriale Souveränität und maritimen Interessen schützen, die USA sollten das respektieren.

US-Präsident Obama in China
AFP

US-Präsident Obama in China

Der Vorfall am Flughafen werde übertrieben, meint die staatliche chinesische Zeitung "The Global Times" nun. Tatsächlich seien alle Missverständnisse ausgeräumt worden bei den Gesprächen zwischen Xi und Obama. So ratifizierten China und die USA am Samstag gleichzeitig das Pariser Klimaabkommen.

Die westlichen Medien hätten den Vorfall aufgebauscht, so "The Global Times" am Montag. Die Zeitung liefert eine Erklärung für die Spannungen zwischen China und den USA gleich mit: Tatsächlich seien westliche Medien für die angespannte Atmosphäre mitverantwortlich, weil sie häufig "viel Lärm um nichts" machten.

Obama sieht die Rolle der westlichen Medien offenbar etwas anders. Angesprochen auf die Reibereien am Flughafen hatte er auch gesagt: "Wir finden, dass es wichtig ist, dass die Presse Zugang zu der Arbeit hat, die wir hier machen, und dass sie die Möglichkeit hat, Fragen zu stellen", so der US-Präsident. "Und wir lassen unsere Werte und Ideale nicht zu Hause, wenn wir auf Reisen gehen."

kgp/dpa

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caty24 05.09.2016
1. Die Amis dachten,sie hätten sich verflogen
und in Kulumbien gelandet.In China gelten eben andere Sitten Wie sich die Ami-Sercurity so aufführt hat man in Cartagena gesehen wo man nichtmal die Prostituierten richtig bezahlt hat. http://www.spiegel.de/politik/ausland/sex-skandal-leibwaechter-von-obama-treffen-prostituierte-a-827691.html
aopoi 05.09.2016
2. Was nun?
""Ein Mitglied der chinesischen Delegation schrie Mitarbeiter des Weißen Hauses von dem Moment an, an dem die Mediengruppe das Rollfeld betrat" Mitarbeiter des Weißen Hauses oder Mediengruppe, also Journalisten? Ich habe so das Gefühl, als wenn hier Journalisten zu Diplomaten hochgeschrieben werden, um einen Skandal zu fabrizieren. War es nicht vielleicht so, dass sich die amerikanischen Journalisten nicht an die Regeln halten wollten, die auch für alle anderen Journalisten aus anderen Ländern galten?
meinerlei 05.09.2016
3. Der kleine Unterschied
Sie existiert tatsächlich, die asiatische Höflichkeit. Aber es gibt dabei bemerkenswerte Unterschiede. Die erste Ansprache ist immer höflich bis formvollendet. Reagiert das Gegenüber aber nicht wie erwartet, gibt es eine erhebliche Spreizung. Ein Japaner lässt sich das möglichst nicht anmerken, viele Chinesen sind dann sichtlich ungehalten und wechseln ins eher Grobe. Was immer noch viel angenehmer ist als die nordkoreanische Variante.
90-grad 05.09.2016
4. Die Bilder
im Artikel zeigen Obama auf der Treppe. Links neben ihm ist das Bugfahrgestell der Air Force One deutlich zu erkennen. Auf dem Head Line Bild (größerer Ausschnitt) erkennt man links das Bugrad und das Wappen der USA. Beide befinden sich vorne am Flugzeug. Wieso hat Obama, laut Artikel, hinten aussteigen müssen?
iffelsine 05.09.2016
5. Na das ja n Ding !
Keine Rolltreppe für Obama ? Na was kriegen denn dann Touristen ? Ein Sprungtuch ? China sollte man also vorerst nicht besuchen ;o)
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