US-Präsidentschaft Obama macht Verhütung zum Wahlkampfthema

Der Moderne gegen den Rückwärtsgewandten, so inszeniert Barack Obama seinen Wahlkampf gegen Herausforderer Mitt Romney. Das neue Thema des US-Präsidenten: Schwangerschaftsverhütung.

Barack Obama: Der US-Präsident wirbt um die Stimmen weiblicher Wähler
REUTERS

Barack Obama: Der US-Präsident wirbt um die Stimmen weiblicher Wähler


Denver - Im Kampf um die nächste US-Präsidentschaft hat Amtsinhaber Barack Obama das Thema Schwangerschaftsverhütung zum Wahlkampfthema gemacht. Sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney würde das Land bei der Verhütung und bei Vorsorgeuntersuchungen für Frauen in die fünfziger Jahre zurückkatapultieren, sagte Obama am Mittwoch in Denver im US-Bundesstaat Colorado. Dabei warb er vehement für seine Gesundheitsreform, mit der unter anderem die Kosten für Vorsorgeuntersuchungen wie Mammografie und für Verhütung an die Patientinnen zurückerstattet werden sollen.

"Was die Rechte der Frauen betrifft, in Sachen Gesundheit ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, wollen sie (die Republikaner) uns zurückführen zu einer Politik, die mehr in die fünfziger Jahre passt als ins 21. Jahrhundert", sagte Obama vor einer jubelnden Menge. Und direkt an die Frauen gerichtet fügte er hinzu: "Die Entscheidungen, die die Gesundheit der Frauen betreffen, sollten nicht von Politikern getroffen werden und nicht von Versicherungskonzernen, sondern von euch."

Mit dem Thema Verhütung und Vorsorge will Obama offensichtlich Punkte bei Frauen machen, sie stellen 53 Prozent der Wahlberechtigten in den USA. Bei Obamas Sieg gegenüber John McCain bei der Präsidentschaftswahl 2008 hatten 56 Prozent der Frauen für ihn gestimmt.

hen/AFP



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atech 09.08.2012
1.
Zitat von sysopREUTERSDer Moderne gegen den Rückwärtsgewandten, so inszeniert Barack Obama seinen Wahlkampf gegen Herausforderer Mitt Romney. Das neue Thema des US-Präsidenten: Schwangerschaftsverhütung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,849042,00.html
für uns Europäer klingt das als ob Mitt Romney eigentlich schon verloren haben müsste. Wer so denkt, kennt die Amerikaner nicht. In den USA haben sowohl die Religion als auch der Freiheitsgedanke einen höheren Stellenwert als bei uns. Die Gesundheitsreform Barack Obamas wurde von den Republikanern heftig angegriffen und auch viele Amerikaner sind nicht glücklich damit, dass sich nun jeder Amerikaner pflichtversichern muss. Der US-Bürger will selbst entscheiden, wofür er sein Geld ausgibt. Und für andere, sozial schwächere Menschen will der US-Durchschnittsbürger schon gar kein Geld ausgeben. Auch nicht, wenn er selbst einmal zu dieser Gruppe gehören könnte. Was die Schwangerschaftsverhütung angeht: die Kirchen in den USA sehen die Pflicht der US-Krankenkassen, einer Frau in Zukunft auch die Verhütung zu bezahlen, als Verstoß gegen die Religionsfreiheit. Warum? Weil US-Unternehmen, auch kirchliche, in Zukunft diese Leistung nicht mehr aus ihrem Katalog nehmen können. Sie müssen sie anbieten. Obama wird als a-moralischer, nicht-religiöser, libertärer Mensch hingestellt. Ganz schlecht in Amerika, wo religiös=gut und liberal=verdorben, schlecht ist. Aus diesen Gründen könnte Obamas neues Wahlkampfthema eher Romney helfen.
silberwolf 09.08.2012
2. Sogar die Erzkonservativen..
..und weltfremden religiösen Träumer, von denen es anscheinend recht viele in den USA gibt, sollten irgendwann mal in der Gegenwart ankommen. Die Ablehnung einer Krankenversicherungspflicht kann ich ja bei sehr liberal denkenden Menschen noch nachvollziehen... Aber die Verdammung von Verhütungsmitteln ist komplett weltfremd und archaisch. DIe USA erscheinen mir oft so dermaßen grotesk...einerseits so viele geniale neue Innovationen (wissenschaftlich, technisch usw.) und andererseits so viele geistig zurückgebliebene, bigotte Personen. Hoffentlich gewinnt Obama.
ergenekon25 09.08.2012
3.
Zitat von sysopREUTERSDer Moderne gegen den Rückwärtsgewandten, so inszeniert Barack Obama seinen Wahlkampf gegen Herausforderer Mitt Romney. Das neue Thema des US-Präsidenten: Schwangerschaftsverhütung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,849042,00.html
Dort sind wenigstens die Grenzen erkennbar und die Konservativen klar von den Modernen unterscheidbar. In Europa, speziell in Deutschland, ist es nur Einheitsbrei, die CSU mal aussen vor. Die Demokraten werden als europ. Pendanten gesehen, für die gibt es keine konservativen Europäer. Für viele sind wir alle postmoderne Hippies.
caecilia_metella 09.08.2012
4. Guter Ansatz
Zitat von sysopREUTERSDer Moderne gegen den Rückwärtsgewandten, so inszeniert Barack Obama seinen Wahlkampf gegen Herausforderer Mitt Romney. Das neue Thema des US-Präsidenten: Schwangerschaftsverhütung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,849042,00.html
Ein ähnliches Thema ist bei Christen schon lange Wahlkampfthema. Wenn es um die Gesundheitsreform geht, denken Christen zuerst an Schwangerschaftsabbrüche, die sie Abtreibung nennen. Nun wünscht man sich nur, dass Obama nicht den alten Männerfehler macht und Frauen die alleinige Verantwortung für Verhütung zuschreibt. Wenn Männer keine Kinder wollen, sollten sie ganz wie Frauen entweder auf Sex verzichten oder entsprechend vorsorgen. Aber dies ist wohl zu viel verlangt? Es widerspricht sich natürlich, wenn Männer einerseits permanent sexuell aktiviert werden, ob nun direkt durch Frauen, die erkannt haben, wie leicht manipulierbar Männer sein können, oder durch Medien, die an das Geld der zahlungskräftigeren Männer wollen. Aber auf der anderen Seite verlangt man Keuschheit von Frauen. So könnte Obama vielleicht noch Punkte bei Christen und Frauen allgemein sammeln, wenn er sich ein wenig um diese Widersprüche kümmert. Die konservative Seite kennt nur Verbote für Frauen.
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