Obama zum getöteten US-Teenager "Wenn ich einen Sohn hätte, er sähe aus wie Trayvon"

Barack Obama nimmt den Fall Trayvon Martin persönlich. Der US-Präsident, der sich in diesem Jahr zur Wiederwahl stellt, hat sich jetzt zu der Tragödie um den erschossenen schwarzen Teenager geäußert, die Amerika bewegt. "Wenn ich an diesen Jungen denke, denke ich an meine eigenen Kinder", sagte er.


Washington - Im Fall des getöteten Jungen Trayvon Martin hat sich nun Barack Obama eingeschaltet: Der erste US-Präsident mit afrikanischen Wurzeln sprach am Freitag in Washington von einer "Tragödie". Ein Student hatte den 17-jährigen Schwarzen in Sanford, Florida, erschossen, obwohl er unbewaffnet war.

Obama äußerte sich sehr persönlich: "Wenn ich an diesen Jungen denke, denke ich an meine eigenen Kinder." Er könne nachempfinden, was dessen Eltern nun durchmachten, sagte Obama. "Wenn ich einen Sohn hätte, würde er aussehen wie Trayvon." Der Präsident rief mit Blick auf die wieder aufgeflammte Debatte um unterschwelligen Rassismus in Teilen der US-Gesellschaft dazu auf, sich einer "Gewissensprüfung" zu unterziehen.

Tausende protestieren

20.000 Menschen versammelten sich am Donnerstagabend in einem Park von Sanford erneut zu einer friedlichen Kundgebung. Sie verlangten eine Bestrafung des Schützen. Der 28-jährige George Zimmerman, Mitglied einer Bürgerwehr, hatte Trayvon am Abend des 26. Februar in Sanford erschossen.

Der Jugendliche war unbewaffnet, er war auf dem Weg zur Wohnung der Verlobten seines Vaters. Der weiße Schütze erklärte der Polizei, aus Notwehr gehandelt zu haben. Die Beamten glaubten seinen Angaben und nahmen ihn nicht fest. Dabei beriefen sie sich auf das "Stand Your Ground"-Gesetz (Weiche nicht zurück), das den Menschen in Florida ein besonders weitgehendes Recht auf Selbstverteidigung einräumt.

Behörden ermitteln nach Protesten

Erst angesichts wachsender Empörung über das Vorgehen der Polizei in Sanford wurden die Behörden aktiv. Mittlerweile leiteten das US-Justizministerium und die Bundespolizei FBI Ermittlungen ein. Eine sogenannte Grand Jury soll am 10. April klären, ob die Beweise gegen Zimmerman ausreichen, um Anklage zu erheben. Im Internet unterzeichneten rund 1,5 Millionen Menschen eine Petition, die seine Strafverfolgung fordert.

Der umstrittene Polizeichef von Sanford hatte am Donnerstag sein Amt vorübergehend niedergelegt. Der Stadtrat hatte ihm zuvor das Vertrauen entzogen. Der Vater des getöteten Teenagers bezeichnete die Amtsniederlegung bei der Demonstration als unzureichend. "Der vorübergehende Rücktritt ist nichts", sagte Tracy Martin. "Wir wollen eine Verurteilung, und wir wollen eine Verhaftung des Mörders unseres Sohnes."

Die Familie des Schützen weist die Vorwürfe eines rassistischen Mordes zurück. Sie betonte, dass Zimmerman hispanische Wurzeln habe.

heb/AFP/AP/Reuters



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Seite 1
Steinwald 23.03.2012
1. Das
Zitat von sysopDPABarack Obama nimmt den Fall Treyvon Martin persönlich. Der US-Präsident, der sich in diesem Jahr zur Wiederwahl stellt, hat sich jetzt zu der Tragödie um den erschossenen schwarzen Teenager geäußert, die Amerika bewegt. "Wenn ich an diesen Jungen denke, denke ich an meine eigenen Kinder", sagte er. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,823397,00.html
Das Groteske ist doch, daß viele Leute denken, Rassismus sei eine Eigenart der Weißen. Rassismus gibt es bei allen Menschen, und nur, weil einer hispanische Wurzeln hat, ist er doch nicht immun gegen Rassismus. Im übrigen habe ich auch Rassismus von Schwarzen gegenüber Arabern erlebt, das ist alles zum Durchdrehen in echt. Und also ziemlich oll und oberflach zu versuchen, diesen Todesschützen so vom Verdacht des Rassismus reinwaschen zu wollen. Goes not.
Cotti 23.03.2012
2.
Zitat von sysopDPABarack Obama nimmt den Fall Treyvon Martin persönlich. Der US-Präsident, der sich in diesem Jahr zur Wiederwahl stellt, hat sich jetzt zu der Tragödie um den erschossenen schwarzen Teenager geäußert, die Amerika bewegt. "Wenn ich an diesen Jungen denke, denke ich an meine eigenen Kinder", sagte er. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,823397,00.html
Er selbst ist Präsident, in diesem Land, in dem so etwas möglich ist - möglich gemacht wird, durch Politiker, wie ihn. Ein Land, in dem es normal ist, dass solche Verbrechen von der Justiz nicht einmal untersucht werden - in dem man sich bewaffnen muss, um wenistens ein trügerisches Gefühl der Sicherheit zu bekommen.
bayern2004 23.03.2012
3. Getöteter Teenager
Der Obama reißt nur immer große Sprüche!! Dann soll er doch gesetzlich den Schußwaffengebrauch in Amerika verhindern - wird er woll nicht, den dann wird er wohl nicht mehr gewählt, wenn er hier eine klare Meinung äußert. Nur Scheinheilige in Amerika!
heinz-fassbender 23.03.2012
4.
Zitat von sysopDPABarack Obama nimmt den Fall Treyvon Martin persönlich. Der US-Präsident, der sich in diesem Jahr zur Wiederwahl stellt, hat sich jetzt zu der Tragödie um den erschossenen schwarzen Teenager geäußert, die Amerika bewegt. "Wenn ich an diesen Jungen denke, denke ich an meine eigenen Kinder", sagte er. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,823397,00.html
Es wäre so schön wenn es eine solche Solidarität bei Polizeiübergriffen auf für die Opfer in Deutschland geben würde. 1,5 Millionen Unterschriften - gigantisch....
dent42 23.03.2012
5.
Zitat von CottiEr selbst ist Präsident, in diesem Land, in dem so etwas möglich ist - möglich gemacht wird, durch Politiker, wie ihn. Ein Land, in dem es normal ist, dass solche Verbrechen von der Justiz nicht einmal untersucht werden - in dem man sich bewaffnen muss, um wenistens ein trügerisches Gefühl der Sicherheit zu bekommen.
Er ist auch ein Präsident in einem Land, in dem die Bundesstaaten weitestgehend unabhängig über Justiz- und Waffenrecht entscheiden können, in dem es für nationale Gesetzgebung einen Kongress gibt und in dem über viele Gesetze, je nach Bundesstaat, per Volksentscheid abgestimmt wird.
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