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Rede zur Lage der Nation: Obama weist Amerika den Weg in die Zukunft

Barack Obama hat seine letzte Rede zur Lage der Nation gehalten: Der US-Präsident machte den Amerikanern Mut in Zeiten des "außergewöhnlichen Wandels", er lobte seine Erfolge - und sagte sowohl dem Krebs als auch den "Mördern und Fanatikern" des IS den Kampf an.

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US-Präsident Barack Obama hat vor dem Kongress in Washington zum letzten Mal in seiner Amtszeit eine Rede zur Lage der Nation gehalten. "Die Zukunft, die wir haben wollen - mit Chancen und Sicherheit für unsere Familien, einem steigenden Lebensstandard und einen nachhaltigen, friedlichen Planeten für unsere Kinder - all das können wir schaffen", sagte Obama. "Aber es passiert nur, wenn wir zusammenhalten."

Im kommenden Jahr werde es ihm unter anderem darum gehen, die Kinder Amerikas vor Waffengewalt zu schützen sowie sich für faire Bezahlung und eine Erhöhung des Mindestlohns stark zu machen. "All das ist immer noch wichtig für hart arbeitende Familien, und es ist immer noch richtig, sich dafür einzusetzen." (Hier lesen Sie Obamas Rede im Wortlaut.)

Es gehe ihm aber nicht nur um die Maßnahmen für das kommende Jahr, sagte Obama - sondern auch um die Zeit in fünf, in zehn Jahren und danach. "Wir leben in einer Zeit des außergewöhnlichen Wandels."

Als die vier Grundpfeiler für eine erfolgreiche Zukunft nannte Obama:

  • den gerechten Zugang zu Ressourcen für alle
  • die nachhaltige Nutzung von Technologien
  • eine führende aber nicht dominierende Rolle der US-Außenpolitik und
  • Optimismus auch in der Politik.

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Rede zur Lage der Nation: Obamas Lob, Obamas Lehren
"Wir haben Fortschritte erzielt, aber wir müssen weitere machen", sagte Obama. Bei einem dieser Fortschritte soll es sich um die Heilung von Krebs handeln: Obama kündigte an, dafür eine neue Initiative ins Leben zu rufen, sein Vize Joe Biden soll sie leiten. Dessen Sohn Beau war im vergangenen Mai an Krebs gestorben, er wurde 46 Jahre alt. Im Dezember hatte Biden bereits mit dem Kongress zusammengearbeitet, um dem Nationalen Gesundheitsinstitut (NIH) die größten finanziellen Ressourcen für die Forschung seit über einem Jahrzehnt zu geben.

Obama sagte nun unter großem Applaus: "Für die Angehörigen, die wir alle verloren haben, für die Familien, die wir noch retten können: Lasst uns Amerika zu dem Land machen, das Krebs ein für alle Mal besiegt."

Obama lobt Amerika - und sich selbst

Obama unterstrich auch die Erfolge seiner Amtszeit: von der Gesundheitsreform über Homosexuellen-Rechte bis zum Atomabkommen mit Iran. Die amerikanische Wirtschaft sei momentan die stärkste der Welt. Die Arbeitslosenzahl habe sich seit den Neunzigerjahren reduziert, die Autoindustrie habe gerade das beste Jahr ihrer Geschichte erlebt. "Wer behauptet, dass die amerikanische Wirtschaft im Niedergang ist, hausiert mit Fiktion", sagte Obama mit Blick auf die republikanischen Bewerber im Präsidentschaftswahlkampf, die stets ein düsteres Bild der Lage der USA zeichnen.

Obama hielt dagegen: "Die Vereinigten Staaten von Amerika sind die mächtigste Nation der Welt. Punkt."

Der Kampf gegen den Terror

Er wisse, dass dies gefährliche Zeiten seien, sagte Obama und nannte in diesem Zusammenhang die Konflikte im Nahen Osten, Chinas Wirtschaftskrise und die Außenpolitik Russlands. Eine der Prioritäten sei es, die Amerikaner vor terroristischen Vereinigungen zu schützen. Obama warnte jedoch davor, den Kampf gegen den "Islamischen Staat" zum "Dritten Weltkrieg" zu erhöhen. Dies würde nur den Terroristen in die Hände spielen.

"Wir müssen sie nicht größer machen, um zu zeigen, dass wir es ernst meinen", sagte Obama. "Wir müssen sie nur als das bezeichnen, was sie sind: Mörder und Fanatiker, die man ausrotten, jagen und zerstören muss." Genau das sei es, was Amerika tue. "Wer glaubt, dass die USA oder ich selbst sich nicht verpflichtet fühlen, Gerechtigkeit zu üben, der soll Osama Bin Laden fragen."

Der Präsident kündigte zudem an, sich weiter für eine Schließung des umstrittenen Gefangenenlagers Guantanamo auf Kuba einzusetzen. "Es ist teuer, es ist unnötig und es dient unseren Feinden nur als Rekrutierungsbroschüre." Obama ging allerdings nicht näher darauf ein, wie genau er die Umsetzung seines Plans vorantreiben will. Denn das wird im Wahljahr 2016 sehr schwierig: Die Republikaner haben im Kongress die Mehrheit und an einer Schließung keinerlei Interesse.

Die Rede als Medienereignis

Schon vorab war der Termin zur "State of the Union" in den USA als großes Medienereignis zelebriert worden: In der vergangenen Woche haben allein bei Facebook 15 Millionen Menschen Obama und seine Rede diskutiert, wie das Unternehmen mitteilte. Die Ansprache wurde von zahlreichen TV-Sendern live übertragen und mit einer für diesen Anlass nie dagewesenen Kampagne auch in sozialen Netzwerken beworben. Es wurde etwa mit 30 Millionen Zuschauern gerechnet.

Obamas Amtszeit geht Anfang 2017 zu Ende, sein Nachfolger wird am 8. November 2016 gewählt. Der Präsident darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten (mehr zu Obamas letztem, "verflixtem Jahr", lesen Sie hier). Im Kapitol kam er auch auf diese Zeit zu sprechen: Er habe ein unglaubliches Vertrauen in die Zukunft des Landes, sagte Obama.

Seine Rede beendete er mit den Worten: "Das ist das Amerika, das ich kenne. Das ist das Amerika, das ich liebe. Mit klarem Blick. Mit großem Herzen. Unbeeindruckt von Herausforderungen. Optimistisch, dass entwaffnende Ehrlichkeit und bedingungslose Liebe das letzte Wort haben werden."


Zusammengefasst: In seiner siebten und letzten Rede zur Lage der Nation hat US-Präsident Barack Obama den Amerikanern Mut für die Zukunft gemacht. Sein Tenor: Die USA seien das mächtigste Land der Welt, es gebe zwar Probleme, aber die bekomme man gemeinsam in den Griff. Großen Applaus gab es für Obamas Ankündigung, unter der Führung seines Vizes Joe Biden eine Initiative zur Bekämpfung von Krebs zu starten.

aar/AP/Reuters/dpa

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Fläche: 9.833.517 km²

Bevölkerung: 318,857 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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