Obama-Rede in Kuba ¡Sí se puede! Yes we can

"Den letzten Überrest des Kalten Kriegs beerdigen": In einer historischen Rede ans kubanische Volk ruft US-Präsident Obama zur Versöhnung auf - und schwärmt von der Demokratie.


Eine Rede ans kubanische Volk. Von der Bühne des Gran Teatro in Havanna aus. Übertragen vom kubanischen Staatsfernsehen. Jahrzehnte war undenkbar, was US-Präsident Barack Obama an diesem Dienstag getan hat.

Hinter ihm links die kubanische, rechts die US-Fahne, rief Obama zur Versöhnung zwischen den einst verfeindeten Ländern auf. "Ich bin hierhergekommen, um den letzten Überrest des Kalten Kriegs auf dem amerikanischen Kontinent zu beerdigen", sagte er.

Mehrfach wurde die mit spanischen Sätzen gespickte Rede von Applaus unterbrochen. Obama ist der erste amtierende US-Präsident seit Calvin Coolidge im Jahr 1928, der den Karibikstaat besucht. Am Montag hatte Kubas Staatschef Raúl Castro Obama im Palast der Revolution in Havanna zu einem dreitätigen Besuch empfangen. Die beiden Staatschefs hatten Ende 2014 eine Normalisierung der Beziehungen eingeleitet.

Über Jahrzehnte, so Obama nun in Havanna, sei der Konflikt zwischen den USA und Kuba "eine Konstante in der Welt" gewesen. Um die Dimensionen klarzumachen, verknüpfte Obama den Konflikt mit seiner persönlichen Lebensgeschichte: Im Jahr der kubanischen Revolution, also 1959, sei sein Vater aus Kenia in die USA gekommen; die Invasion in der Schweinebucht habe sich im Jahr seiner eigenen Geburt ereignet, also 1961.

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Obama in Kuba: Besuch für die Geschichtsbücher
Und nun, im Jahr 2016, die Versöhnung. Das zumindest ist die Botschaft des US-Präsidenten. Er wolle den Kubanern einen "Gruß des Friedens" überbringen.

"Ich glaube an das kubanische Volk", sagte Obama. Erneut rief er zu einem Ende des US-Embargos auf. Die Handelsblockade sei eine "überkommene Belastung für das kubanische Volk", sie sei "eine Belastung für die Amerikaner, die in Kuba arbeiten, Geschäfte machen oder investieren wollen".

Vergangenen Sommer hatten beide Länder wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen, die USA lockerten ihre Reise- und Handelssanktionen. Die Anfang der Sechzigerjahre verhängte Blockade jedoch kann nur der US-Kongress aufheben. Dort sperren sich die Republikaner mit ihrer Mehrheit gegen die Kuba-Politik Obamas.

Kubas Staatschef Castro verfolgt Obamas Rede
REUTERS

Kubas Staatschef Castro verfolgt Obamas Rede

Castro verfolgte die Rede im Theater mit und musste sich dabei Kritik an der fehlenden politischen Freiheit auf der von der Kommunistischen Partei regierten Karibikinsel anhören. "Ich glaube, dass Bürger frei sein sollten, ohne Angst ihre Meinung zu sagen, sich zu versammeln und ihre Regierung zu kritisieren", sagte Obama. "Ja, ich glaube, dass Wähler in der Lage sein sollten, sich ihre Regierung in freien und demokratischen Wahlen auszusuchen."

Der US-Präsident betonte, die Zukunft Kubas liege in den Händen des kubanischen Volks, kein anderer habe darüber zu entscheiden. Die USA hätten nicht die Absicht, sich einzumischen. Dennoch wolle er, so Obama, "ohne Scheinheiligkeit denken und sprechen" - und deshalb solle das Publikum wissen, was er denke.

Zudem stellte Obama eine weitere Annäherung der beiden Länder in Aussicht: "Wir bewegen uns nach vorn und schauen nicht zurück." So werde American Airlines noch in diesem Jahr Direktflüge von den USA nach Kuba aufnehmen. Castro setzt auf mehr Touristen in seinem Land - und hofft auf eine Steigerung der Staatseinnahmen.

Erstmals ertönte beim Besuch Obamas die US-Hymne für einen US-Präsidenten im Revolutionspalast. Castro forderte am Vortag eine vollständige Aufhebung des US-Embargos und eine Rückgabe des seit 1903 unter US-Kontrolle stehenden Stützpunkts Guantánamo Bay. Kubas Führung will vorerst nur eine behutsame Öffnung. Mitte April findet der Kongress der kommunistischen Partei statt. Dabei dürfte auch darüber debattiert werden, wie weit die Öffnungspolitik des Karibikstaats gehen soll.

Obama beendete seine Rede am Dienstag mit einer Anspielung auf seinen alten Wahlslogan "Yes We Can". Auf spanisch sagte er: "Sí se puede."

sef/AFP/dpa

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Seite 1
olivervöl 22.03.2016
1. Kann er doch nicht
"Yes we can" hört sich gut an, aber Obama kann, wenn es drauf ankommt, doch nicht so wie er wohl will. Jedenfalls konnte er bislang weder Guantanamo schließen, trotz Wahlversprechen und das Embargo konnte er auch nicht beenden. Vielleicht gelingt das dann einem Präsidenten Sanders.
lolkp 22.03.2016
2. Zeitpunkt
Die entscheidenen Fragen sind doch eher: Warum entscheidet man sich plötzlich dafür dieses Embargo aufzuheben?Die UdSSR exisiert nicht mehr seit fast 30 Jahren...Ich selber war 2015 auf Kuba..der Großteil der Bevölkerung ist sehr sehr skeptisch...als ob es den USA darum gehe der kubanischen Bevölkerung einen besseres Leben zu ermöglichen. Ich denke eher andere Gründe stehen im Vordergrund. Die Parallelen zu TTIP und den vergleichbaren Abkommen mit Kanada, Mexiko oder kann jeder sehen..Profite für den durchschnittlichen Bürger halten sich in Grenzen
leser_gestuetzt 22.03.2016
3. wenn man schon ...
... den ganzen Rest der Welt gegen sich aufgebracht hat, dann wirken solche Gesten einfach nur noch verzweifelt ...
doris.beeler 22.03.2016
4. Obama in Kuba
Meiner Ansicht nach sollte sich Obama um den Nahen Ostern kuemmern und gekuemmert haben. Was er in Kuba erreichen will ist noch in Frage gestellt. Es sieht auch nicht so aus, dass Castro ihm entgegenkommen wird
Spiegelkritikus 22.03.2016
5.
Obama schwärmt in Kuba von Demokratie. Er sollte mal ehrlich sagen, wie kläglich es um diese in den kapitalbeherrschten USA bestellt ist und wie vielen Ländern die US-Politik mit ihren ständigen Interventionen Demokratie gebracht hat. Die Kubaner sollten sich vorsehen.
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