US-Präsident Obama "Theaterspielen gehört zum Job"

Erst bezeichnete sich Barack Obama als "tieftraurig" ob der Hinrichtung des Journalisten James Foley - Minuten später ging der US-Präsident mit Kumpels golfen. Deswegen musste er Kritik einstecken. Nun sagt er: "Das sah nicht gut aus".

US-Präsident Obama (am 15. August): "Das fällt mir nicht immer leicht"
AP

US-Präsident Obama (am 15. August): "Das fällt mir nicht immer leicht"


Washington - Wann ist ein US-Präsident Privatmann? Mit dieser Frage musste sich Barack Obama in den vergangenen Wochen intensiver als sonst auseinandersetzen. Bilder, die ihn im August beim Golfspielen zeigten, hatten ihm reichlich Kritik eingebracht. Das Problem: Minuten vor der entspannten Runde mit Freunden hatte Obama eine emotionale Stellungnahme zum Tod des Journalisten James Foley abgegeben.

Am 20. August war ein Video aufgetaucht, das die Enthauptung des US-Amerikaners durch mutmaßliche Mitglieder der Miliz "Islamischer Staat" (IS) zeigt. Die US-Regierung bezeichnete die Bilder schnell als authentisch. Obama hatte in einer ersten Reaktion vor Reportern angegeben, er sei "tieftraurig" über Foleys Tod. Kurz darauf ging es auf das Grün. Kritiker warfen ihm daraufhin fehlendes Taktgefühl vor.

In einem Interview mit dem Sender NBC hat Obama nun die unglückliche Außenwirkung dieser Bilder eingeräumt. "Das sah nicht gut aus, das hätte ich ahnen müssen", so der Präsident. Zugleich verwies er auf die besonderen Herausforderungen seines Postens. "Teil des Jobs ist das Theaterspielen", so Obama: "Das fällt mir nicht immer leicht, aber es ist wichtig."

Während seines zweiwöchigen Urlaubs in Martha's Vineyard (US-Bundesstaat Massachusetts) hatte Obama die örtlichen Golfplätze ausgiebig genutzt. Seine Berater haben sich Kritik an der Freizeitgestaltung des Präsidenten bisher immer verbeten. Schließlich sei es trotz der instabilen Sicherheitslage und weltweiter Konflikte unerlässlich, "auch einmal den Kopf freizubekommen".

In der aktuellen Debatte jedoch sah sich sogar Obama selbst zu einer Stellungnahme gedrängt. "Das Risiko eines krassen Kontrastes wird es immer geben, wenn man sich die Nachrichten der Welt anschaut", sagte er NBC. "Ich glaube aber, dass jeder, der mich kennt, weiß, wie nahe mir solche Dinge gehen. Auch die Presse weiß das."

jok

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insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
dorok 08.09.2014
1. Zirkuspferde
„Teil des Jobs ist das Theaterspielen“, so Obama. Der Bilderberger-Autor Wisnewski bezeichnet die (angeblich) Mächtigen der Welt als „Zirkuspferde“, die uns Dummdödel Politik vorgaukeln, während die wahren „Zirkusdirektoren“ nicht sichtbar werden. Und jetzt hat das eines der „Zirkuspferde“ sogar offen ausgesprochen. Das sollte uns zu denken geben. http://de.wikipedia.org/wiki/Bilderberg-Konferenz http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/05/31/bilderberger-die-vollstaendige-offizielle-liste-der-teilnehmer/
drsven 08.09.2014
2. Repräsentative Demokratie eben...
Das passiert in so einem archaischen System eben. Die Repräsentanten sind Theaterhansel/clown/schausteller. Wer sich darüber wundert hat's immer noch nicht verstanden. Wir erneuern alles, ständig. Denken über Verbesserungen nach hier und da, machen Autos sicherer, Computer schneller, häufen mit exponentiell steigender Geschwindigkeit neues Wissen an, schicken Roboter zum Mars, vernetzen die ganze Welt, so dass ich mittlerweile im Schlafanzug von zu hause aus arbeiten kann. Aber das politische System mal überdenken? "Nein, wozu dass denn? George Washington und Konsorten, die haben sich da vor 250 Jahren was ganz Tolles ausgedacht. Das müssen wir unbedingt die nächsten 1000 Jahre so lassen."
shooop 08.09.2014
3. Das eine schließt das andere nicht aus
Aus PR-Sicht ist es mit Sicherheit kein gutes Bild. Aber was erwarten die Menschen? Dass er jetzt tagelang in sein Zimmer trauern geht? Das ist unrealistisch.
mwroer 08.09.2014
4.
Zitat von dorok„Teil des Jobs ist das Theaterspielen“, so Obama. Der Bilderberger-Autor Wisnewski bezeichnet die (angeblich) Mächtigen der Welt als „Zirkuspferde“, die uns Dummdödel Politik vorgaukeln, während die wahren „Zirkusdirektoren“ nicht sichtbar werden. Und jetzt hat das eines der „Zirkuspferde“ sogar offen ausgesprochen. Das sollte uns zu denken geben. http://de.wikipedia.org/wiki/Bilderberg-Konferenz http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/05/31/bilderberger-die-vollstaendige-offizielle-liste-der-teilnehmer/
Die Bilderberger haben offensichtlich auch den gesamten Einzelhandel unter Kontrolle - oder glauben Sie wirklich das es jedem Verkäufer, jeder Verkäuferin die den ganzen Tag lächelnd auch die größten Idioten bedienen *muss* gut geht? "Theaterspielen gehört zu fast jedem Job mit Kundenkontakt. Das begrenzt sich nicht auf Politiker. Mir geht der Absturz eines kompletten Flugzeuges mit 300 Toten auch nahe - deswegen sage ich aber nicht meinen Urlaub ab. Sind Sie nachher einer der bezahlten Schreiberlinge der Bilderberger? Die Liste ist nicht komplett, zudem tauchen falsche Namen auf. Von wem wollen Sie ablenken? Warum tun Sie das?
Andreas.K 08.09.2014
5. Unrealistisch
Politiker sollten allgemein dass Publikum von Beileidsbezeugungen entwöhnen. Niemand kann über die schrecklichen Geschehnisse die ständig in aller Welt passieren stets tief betrübt sein. Demnach könnte man sich die "ich bin wirklich sehr Betroffen" Reden sparen. Dass ist keine Gleichgültigkeit. Natürlich muss ein Spitzenpolitiker kommentieren und Maßnahmen treffen, er kann aber auch ruhig zeigen dass trotzdem weitergelebt wird.
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