Obama und Putin beim Uno-Gipfel Zwei Männer, zwei Welten

Duell am Rednerpult: Barack Obama und Wladimir Putin skizzieren vor der Uno ihre Strategien im Kampf gegen das Böse auf der Welt. Der größte Streitpunkt bleibt die Zukunft Syriens.

REUTERS und DPA

Von und , New York


Es ist ein wahrer Krisengipfel: Die Uno begeht ihren 70., doch die Welt ist explosiver denn je, der IS-Terror und die Lage in Syrien dominieren das Treffen in New York. "Es gibt wenig zu feiern", findet denn auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier, als er samt Gefolge an der Uno-Zentrale eintrifft. Dafür gibt es umso mehr zu besprechen.

Das Duell des Gipfels gibt es gleich zum Auftakt der Uno-Tagung. Als US-Präsident Barack Obama vors Plenum der Vollversammlung tritt, ist von Wladimir Putin allerdings zunächst nichts zu sehen. Der russische Staatschef lässt sich während Obamas Rede von seinem Botschafter vertreten - eine Machtgeste. Vor ihrem für den Abend geplanten Gipfeltreffen beharken sich die beiden Präsidenten erst mal im Ferngefecht, vom Rednerpult im grünmarmorierten Uno-Saal herab.

Was war die Kernbotschaft der beiden Auftritte?

Obama: Der US-Präsident spannte einen weiten Bogen, von der Gründung der Uno bis zu heutigen Krisen. Sein Appell: Mehr Diplomatie wagen. Erkennbar war ihm dran gelegen, sich selbst als Beleg für den Erfolg dieses Ansatzes zu inszenieren. Das von ihm vorangetriebene Iran-Abkommen mache "die Welt sicherer", sagte er. Die Öffnung zu Kuba zeige, dass die USA gewillt seien, dem Kurs der Konfrontation zu entsagen. Adressat war nicht zuletzt das skeptische US-Publikum. "Diplomatie ist hart. Und manchmal sind die Ergebnisse nicht zufriedenstellend. Aber wir müssen dieses Risiko eingehen", rief Obama.

Putin: Seine Rede zeigte: Putin will Russland zurück in den Mittelpunkt der Weltgemeinschaft rücken, als gleichberechtigte Macht neben den USA. So verortete er schon die Wurzeln der Uno in der einstigen Sowjetunion: Die "Schlüsselentscheidungen" für die Uno-Charta "wurden in unserem Land getroffen", sagte er in Anspielung auf die Yalta-Konferenz 1945. Doch diese Werte seien bedroht durch ein "alleiniges Zentrum der Herrschaft", das seither entstanden sei - ein Land, das sich "für so stark und einzigartig halte", dass es keinen Regeln gehorche. Sprich: die USA. Jetzt müsse sich die Welt neu vereinen "wie gegen die Nazis", wobei Moskau unverzichtbar sei.

Wie gingen beide auf Syriens Machthaber Assad ein?

Obama: Überraschend direkt sprach der US-Präsident die Lage an. Syriens Machthaber Baschar al-Assad nannte er einen "Tyrannen", der "Fassbomben auf unschuldige Kinder " werfe. Sicher, es waren Sätze, die er sagen musste. Aber sie zeigten, dass er - trotz russischen Drucks - eine langfristige Lösung mit Assad an der Spitze ablehnt. "Nach so viel Blutvergießen können wir nicht einfach zur Vorkriegsordnung zurückkehren", warnte er. Eine Übergangslösung mit dem Machthaber schloss er allerdings nicht aus.

Putin: Auch Russlands Präsident gab sich entschlossen. Ohne Obama direkt zu erwähnen, nannte er es einen "großen Fehler, eine Kooperation mit Syriens Regierung und ihrer Armee abzulehnen". Die Assad-Regierung kämpfe "wahrhaft gegen die terroristische Bedrohung". Als Assad-Freund wahrgenommen zu werden, fürchtet Putin offensichtlich nicht. Zumindest öffentlich ist der russische Präsident nicht gewillt, auf die westliche Forderung nach Ablösung des Gewaltherrschers einzugehen.

Wie sehr arbeiteten sich beide aneinander ab?

Obama: Für Obama war die Ausgangslage ungünstig: Putins Aufrüstung in Syrien hat die US-Regierung überrascht. Obama war praktisch gezwungen, Putin zu kontern - und tat dies mehrfach. Sehr direkt kritisierte er die Annexion der Krim. Andere Passagen ließen sich als indirekte Botschaften an Moskau lesen, etwa seine These, dass sich die Stärke von Staaten heutzutage nicht mehr an der Kontrolle über Grenzen festmache. Feindselig gab sich Obama nicht, das hätte nicht zum Kern seines Auftritts gepasst. Er wolle "keinen neuen Kalten Krieg", so Obama.

Putin: Der russische Präsident vermied es, auf Obama und die USA direkt einzugehen. Dennoch war erkennbar, dass er nicht nach New York gekommen ist, um Washington zu schmeicheln. Putin zeigte sich hart. Mehrfach kritisierte er indirekt das Agieren Amerikas. So rüffelte er die Strategie Obamas, "moderate Rebellen" in Syrien auszubilden, warf den USA vor, sich als einzige Ordnungsmacht zu inszenieren und bezeichnete die Sanktionen gegen sein Land als Bruch mit dem Geiste der Uno.

Ist eine Kooperation der beiden wahrscheinlicher geworden?

Obama deutete an, dass er eine gewisse Abstimmung für eine gute Idee hält. "Realismus zwingt zu Kompromissen", sagte er. Bei einem offiziellen Treffen am frühen Abend wollen die beiden über die Krise in Syrien beraten. Aber beide Staatschefs, insbesondere Putin, nutzten ihre Auftritte auch, um sich klar voneinander abzugrenzen. Besonders die Frage nach der Zukunft von Baschar al-Assad scheint die beiden weiter zu trennen.

Im Video: Obama nennt Assad einen "Tyrannen"

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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hubertrudnick1 28.09.2015
1. Es gibt nur eine Welt
Für uns gibt es nur eine Welt, es sind nur unterschiedliche Interessen, aber wer steht für die Menschen ein, nicht nur mit falschen verlogenen Worten, sondern mit Taten, ich kann da kaum einen erkennen.
jetztaberwirklich 28.09.2015
2. Amüsant
Zwei mal das "gleiche" Foto, allerdings Obama heller und freundlicher. Putin direkt dunkler, mehr Schwarzwert und weniger gesättigt ... ähm, ja. Was ein Zufall.
Senf-Dazugeberin 28.09.2015
3. ERST um den IS kümmern
und DANACH um Assad. Und das Ganze soweit wie möglich unter UNO-Oberkommando stellen (also soweit die amerikanischen und russischen trotzphasigen Testosteronmachos das zulassen). Ich glaube, anders wird es nichts werden.
krit120 28.09.2015
4. 2x...
Exakt gleicher Blickwinkel - ein Bild normal, eines unterbelichtet und daher naturgemäß dunkler (bedrohlicher) dargestellt. Halte ich einfach mal so fest - mit der Erkenntnis das in Amerika selten was aus Zufall passiert.
hapeschmidt2 28.09.2015
5. 1:0
Hab`s gesehen. Rein objektiv würde ich sagen... 1 zu null für Putin. Vom US-Präsi kam nur blablamenschenrechteblablademokratie-gesülze.
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