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Antrittsbesuch in Saudi-Arabien: Obama huldigt König Salman

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REUTERS

Er kommt mit einer 30-köpfigen Delegation: US-Präsident Obama hofiert Saudi-Arabiens neuen König Salman. Zuletzt war das Verhältnis der beiden Länder angespannt. Jetzt hofft der Gast auf einen Neuanfang.

Riad - Barack Obama bietet für seinen Antrittsbesuch bei Saudi-Arabiens neuem König Salman nahezu alles auf, was in der Sicherheitspolitik der Amerikaner Rang und Namen hat: Außenminister John Kerry, CIA-Chef John O. Brennan, General Lloyd J. Austin, Chef des US Central Command, das für den Nahen Osten und Zentralasien zuständig ist, sowie seine wichtigsten Berater für Sicherheit, Lisa Monaco und Susan Rice, begleiten den US-Präsidenten.

Zur 30-köpfigen Delegation Obamas gehören sogar wichtige Republikaner, die in Saudi-Arabien geschätzt werden: die Ex-Außenminister James Baker (unter George Bush Sr.) und Condoleezza Rice (unter George W. Bush) sowie Senator John McCain, Obamas größter außenpolitischer Kritiker und Rivale bei der Wahl 2008.

Mit seinem persönlichen Erscheinen und der hochkarätigen, parteiübergreifenden Delegation will der US-Präsident nach dem Tod von König Abdullah zeigen, wie wichtig ihm Saudi-Arabien als Partner ist. Obama will einiges wieder gut machen, denn das Verhältnis der beiden Länder hat sich in seiner Amtszeit verschlechtert. Deshalb hofiert er nun den neuen Monarchen Salman. Seinen Besuch in Indien hat der US-Präsident eigens dafür abgekürzt.

Beide Staaten verbindet seit 1945 trotz aller Werte-Unterschiede ein pragmatisches Bündnis: Saudi-Arabien liefert verlässlich Öl, die USA garantieren dafür Sicherheit. Doch unter Obama bekamen die Saudis den Eindruck, dass Washington seinen Teil der Vereinbarung nicht mehr einhalten wollte:

  • Zum Entsetzen des Königshauses begrüßte der Präsident den Arabischen Frühling.

  • Obama verhinderte den Sturz des alten US-Verbündeten Hosni Mubarak in Kairo nicht.

  • Im Syrien-Krieg agierte Obama zurückhaltend gegen Assads Regime, einen Verbündeten Irans, obwohl dieses Giftgas einsetzte.

  • Obama zeigte sich kompromissbereit gegenüber Saudi-Arabiens Erzfeind, der Islamischen Republik Iran, im Atomstreit.

Saudi-Arabien mischt seitdem selbst energischer in der Region mit: Es schickte seine Panzer nach Bahrain, unterstützte in Ägypten den Putsch des Militärs und greift auch in Libyen gegen die Radikalislamisten ein.

Beide Länder sorgen sich um die Stabilität im Nahen Osten

Die saudische Linie ist klar: Stabilität statt demokratischer Experimente. Zu diesem Kurs scheint auch Obama wieder zurückkehren zu wollen. Seit dem Aufstieg des "Islamischen Staates" (IS) haben Riad und Washington wieder dringliche gemeinsame Interessen. Beide Länder sind Teil der internationalen Koalition gegen den IS. Mit Sorge blicken Saudis und Amerikaner auf das zunehmende Chaos in der Region - Jemen, Syrien, Irak, Libyen.

Obama hat König Salman zwar bereits vor einiger Zeit getroffen. Doch er kennt den neuen Herrscher nicht besonders gut. Das amerikanische Großaufgebot in Riad soll auch ausloten, inwiefern er möglicherweise andere Prioritäten als der verstorbene Abdullah setzen könnte.

Es wird bei dem vierstündigen Besuch Obamas wohl vor allem um die Streitpunkte Syrien, Iran und den Ölpreis gehen, den die Saudis niedrig halten, um Iran und den amerikanischen Ölschiefer-Unternehmen zu schaden.

In Syrien drängen die Saudis darauf, dass die USA schneller Rebellen aufrüsten für den Kampf gegen den IS und gegen Baschar al-Assad, einen Verbündeten Irans.

Auch Salman scheint daran gelegen, das Verhältnis zu den USA wieder zu verbessern: Als neuer Innenminister und Vize-Kronprinz wurde Mohammed bin Naif ernannt. Obama hat den in den USA ausgebildeten 55-jährigen Prinzen schon mindestens zweimal getroffen: Der nun beförderte Mohammed leitet schon seit Längerem Saudi-Arabiens Kampf gegen islamistischen Terror - und das in besonders enger Abstimmung mit den USA.

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insgesamt 49 Beiträge
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1. Und ...?
hockeyversteher 27.01.2015
.. wo ist die Frage nach den Menschenrechten, die bei Treffen zwischen westlichen Politikern mit den Chinesen oder den Russen sofort von der Presse aufgeworfen wird. In diesem Artikel ist nichts davon zu vernehmen. Warum? Sind die Menschenrechtsverletzungen in Saudie-Arabien irgendwie gut weil die USA das Land als Partner auserkoren haben? Odre braucht man darüber nicht so richtig zu berichten, weil es im Lichte der PEGIDA.Diskussion hierzulande ein zu schlechtes Bild auf islamistisch geführte Staaten werfen, und damit in der Diskussion um die Wirkung des Islam kontraproduktiv wirken würde?
2. König der Bomben trifft König des Öls
cassandros 27.01.2015
Obama huldigt der Ölquelle und hofiert den Mann mit der Hand am Ölhahn. Man könnte sagen, er ölt die guten Beziehungen. Somit "alles in Butter.
3.
zauselfritz 27.01.2015
"Saudi-Arabien mischt seitdem selbst energischer in der Region mit: Es schickte seine Panzer nach Bahrain, unterstützte in Ägypten den Putsch des Militärs und greift auch in Libyen gegen die Radikalislamisten ein." Daran erkennt man, dass Obama im Grunde nicht viel falsch gemacht hat, denn die Saudis sind ja dafür bekannt reicher als Allah zu sein aber sämtliche Drecksarbeit, wie zum Beispiel die Gewährleistung der regionalen Stabilität, auf andere - vorallem die USA - abzuwälzen. Sieht man auch an dem Absatz: "In Syrien drängen die Saudis darauf, dass die USA schneller Rebellen aufrüsten für den Kampf gegen den IS und gegen Baschar al-Assad, einen Verbündeten Irans." Sollen sie doch ihre eigenen Waffen verteilen, Geld haben sie ja wie Heu...
4. Cash money money cash money !!
timorieth 27.01.2015
Nach dem Charlie-Hebdo-Attentat nicht nach Paris fliegen aber bei diesem üblen Verbrecherstaat mit einer 30-Mann Delegation antanzen. Da sieht man schön die Prioritäten *würg*.
5.
Andraax 27.01.2015
Zitat von timoriethNach dem Charlie-Hebdo-Attentat nicht nach Paris fliegen aber bei diesem üblen Verbrecherstaat mit einer 30-Mann Delegation antanzen. Da sieht man schön die Prioritäten *würg*.
Schön auf den Punkt gebracht!
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