Ehemalige First Lady der USA Barbara Bush ist tot

Barbara Bush war die Ehefrau eines US-Präsidenten und Mutter eines weiteren. Als First Lady engagierte sie sich für sozial Schwache und schrieb Bücher aus Sicht ihrer Hunde. Nun ist sie im Alter von 92 Jahren gestorben.

Barbara Bush (1990, mit Hund Millie)
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Barbara Bush (1990, mit Hund Millie)


Die frühere First Lady der USA, Barbara Bush, ist tot. Die Frau des ehemaligen Präsidenten George H. W. Bush starb am Dienstag im Alter von 92 Jahren, wie das Büro der Familie mitteilte. Schon im vergangenen Jahr musste Barbara Bush mehrfach im Krankenhaus behandelt werden, zuletzt hatte sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert. Vor wenigen Tagen entschied sie sich gegen eine weitere medizinische Behandlung.

Die 92-Jährige war die älteste ehemalige First Lady der USA. Ihr silberweißes Haar, die Perlenkette und ihr warmer, unprätentiöser Umgang hatten ihr die Rolle als "Jedermanns Großmutter" eingebracht.

Als First Lady engagierte sich Barbara Bush in sozialen Projekten, etwa im Kampf gegen Obdachlosigkeit und HIV. In einem Krankenhaus für Krebspatienten wusch sie Kranke und kümmerte sich um die Sterbenden. Sie machte sich auch dafür stark, Erwachsenen Lesen und Schreiben beizubringen. 1984 schrieb sie ein Kinderbuch über ihre Familie aus der Sicht ihres Hundes Fred. 1990 folgte ein weiteres Buch, in dem sie aus der Perspektive der Hündin Millie über einen Tag im Weißen Haus berichtete. Es wurde zum Bestseller.

Ehepaar Bush (1964)
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Ehepaar Bush (1964)

Die Bushs waren 73 Jahre lang verheiratet. Die beiden lernten sich bei einer Tanzveranstaltung kennen, als Barbara - Tochter eines millionenschweren Zeitschriftenverlegers aus einer Kleinstadt im Staat New York - gerade 16 Jahre alt war. Kurz bevor George H. W. als Pilot in den Zweiten Weltkrieg zog, verlobten sich die beiden. Sie heirateten im letzten Kriegsjahr 1945, nachdem er über dem Pazifik abgeschossen worden war und heimkehrte. Ihr Studium am renommierten Smith College im Staat Massachusetts hatte Barbara Bush abgebrochen.

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Barbara Bush: First Lady und First Mom

Seitdem widmete sie sich ganz der Familie und den politischen Zielen ihres Mannes. Das Paar zog oft um, Bush war Botschafter bei den Vereinten Nationen, Diplomat in China und CIA-Direktor, bevor er 1988 ins höchste Amt der USA gewählt wurde.

Barbara und George H. W. Bush hatten sechs Kinder, von denen eines im Alter von drei Jahren starb. Ihr ältester Sohn George W. Bush war von 2001 bis 2009 Präsident. Er nannte einst seine Mutter als Grund dafür, dass er so viele Frauen in seinem Führungsstab hatte. "Der Grund, warum ich die Ratschläge von Frauen schätze, die einen starken Willen haben und ihre Meinung vertreten, ist meine Mutter."

Zum Tod seiner Mutter ließ er nun erklären, sie sei eine wunderbare First Lady gewesen und eine Frau wie keine andere. "Ich bin ein glücklicher Mann, weil Barbara Bush meine Mutter war."

Barbara und George H. W. Bush mit ihrem Sohn und dessen Ehefrau (2013)
AFP

Barbara und George H. W. Bush mit ihrem Sohn und dessen Ehefrau (2013)

Der zweitälteste Sohn Jeb Bush bewarb sich 2016 um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner und geriet dabei häufig mit seinem Konkurrenten Donald Trump aneinander. Barbara Bush unterstützte ihren Sohn Jeb im Vorwahlkampf mit Auftritten. In einem Interview machte sie deutlich, dass sie Trump für einen ungeeigneten Kandidaten halte.

Barbara Bush hatte auch nach ihrer Zeit im Weißen Haus an einem konservativen Frauenbild festgehalten. 1990 kam es deswegen zum Disput, als sie am Wellesley College bei Boston die Festrede bei der Abschlussfeier halten sollte. 150 Studentinnen sprachen sich dagegen aus - Bushs abgebrochenes Studium und das Leben als Gefährtin eines erfolgreichen Mannes passten nicht ins moderne Frauenbild.

Bush sprach dann aber doch dort. "Am Ende Eures Lebens werdet ihr es nicht bereuen, nicht noch eine weitere Prüfung bestanden zu haben, nicht noch ein weiteres Gerichtsurteil gewonnen zu haben oder nicht noch einen weiteren Deal abgeschlossen zu haben", sagte sie in ihrer Rede. "Ihr werdet die Zeit bereuen, die ihr nicht mit eurem Ehemann, eurem Kind, Freunden oder Eltern verbracht habt."

Reaktionen zum Tode Bushs

US-Präsident Donald Trump und seine Frau Melania würdigten die frühere First Lady als eine Anwältin amerikanischer Familien. In einer Mitteilung des Weißen Hauses hieß es in der Nacht zum Mittwoch, das Ehepaar wolle sich mit der Nation vereinen, um Barbara Bushs Leben zu feiern. Man werde sich sehr lange an sie erinnern, weil sie sich in starker Weise an Land und Familie hingegeben habe.

"Barbara Bush war eine Frau von einzigartiger Stärke und Anmut, deren Hingabe an ihre Familie eine Inspiration für jeden Amerikaner war", schrieb Vizepräsident Mike Pence. Ihr Beispiel habe bei Millionen von Familien einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Ex-Präsident Bill Clinton nannte Barbara Bush eine "bemerkenswerte Frau". "Sie hat uns gezeigt, wie ein ehrliches, dynamisches und erfülltes Leben aussieht", twitterte er. Auch der ehemalige Präsident Barack Obama und seine Ehefrau Michelle bekundeten ihr Beileid: Barbara Bush sei die Stütze einer Familie gewesen, die sich in den Dienst der Öffentlichkeit gestellt habe. Sie seien dankbar für Bushs Großzügigkeit und für die Art und Weise, wie sie ihr Leben geführt habe.

Barbara Bush habe die Herzen von Millionen Menschen berührt, mit ihrer Wärme, Großzügigkeit und ihrem Charme, heißt es in einer Mitteilung von Jimmy Carter und seiner Frau Rosalynn. "Sie wird vermisst werden."

aar/Reuters/dpa



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