Anschläge in Spanien Vier Terrorverdächtige angehört - einer wieder frei

Vier der mutmaßlichen Attentäter von Barcelona sind erstmals vor dem Ermittlungsrichter erschienen. Einer wurde freigelassen, gegen zwei weitere Haftbefehl erlassen. Zudem gibt es neue Details über die Anschlagspläne.

Trauer am Anschlagsort in Barcelona
AFP

Trauer am Anschlagsort in Barcelona


Fünf Tage nach den Anschlägen in Spanien hat der Ermittlungsrichter einen der vier gefassten mutmaßlichen Terroristen mangels Beweisen wieder freigelassen. Ein weiterer Verdächtiger solle lediglich für weitere 72 Stunden in Polizeigewahrsam bleiben, wie spanische Medien am späten Dienstagabend unter Berufung auf Justizkreise berichteten.

Für die anderen beiden Männer habe Richter Fernando Andreu Untersuchungshaft ohne Anrecht auf Kaution angeordnet, hieß es. Die Anhörung fand unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen am Nationalen Gerichtshof in Madrid statt. Die Staatsanwältin hatte für alle Verdächtigen Untersuchungshaft gefordert.

Bei dem Anschlag mit einem Lieferwagen in Barcelona und einer vereitelten Attacke in Cambrils rund 100 Kilometer südlich der katalanischen Metropole starben insgesamt 15 Menschen. In Cambrils wurden zudem fünf Terroristen auf der Flucht erschossen. Es gab insgesamt mehr als 120 Verletzte, darunter 13 Deutsche.

Die verantwortliche Terrorzelle wurde nach Polizeiangaben zerschlagen. Neben den vier Gefassten soll die Gruppe demnach weitere acht Mitglieder gehabt haben, die alle tot seien. (Lesen Sie hier mehr über die Mitglieder der Gruppe.)

Terrorverdächtige vor der Anhörung
DPA

Terrorverdächtige vor der Anhörung

Anhörung von vier mutmaßlichen Terroristen

Bei den beiden Männern, gegen die nun Haftbefehl erlassen wurde, handelt es sich um Mohamed Houli Chemlal und Driss Oukabir. Sie bleiben für die Dauer der Ermittlungen und bis zur eventuellen Eröffnung eines Verfahrens in Haft. Den beiden wird unter anderem Terrorismus und Mord, Chemlal auch Sprengstoffbesitz vorgeworfen.

  • Der 21-jährige Mohamed Houli Chemlal war bei der Explosion in Alcanar verletzt worden. Er habe ausgesagt, dass die Terrorzelle erwogen habe, neben der weltberühmten Basilika Sagrada Família weitere wichtige Gebäude und Kirchen Barcelonas mit Bomben anzugreifen, berichteten die Zeitung "El Mundo" und andere Medien unter Berufung auf Justizkreise.
  • Der 28-jährige Driss Oukabir habe zwar gestanden, den für den Anschlag in Barcelona benutzten Lieferwagen und ein weiteres Fahrzeug gemietet zu haben. Er habe nach eigenen Angaben aber gedacht, dass seine Bekannten damit einen Umzug machen wollten, berichteten Medien. Der Richter glaubte ihm aber offenbar nicht.
  • Der 27-jährige Mohammed Allaa kommt den Berichten zufolge frei: Er ist der Besitzer des Wagens, der bei der vereitelten Attacke in Cambrils benutzt worden war. Es gebe zum jetzigen Zeitpunkt keine Beweise, dass er an den Taten beteiligt war, sagte der Richter demnach in seiner Begründung. Dennoch werde weiter gegen ihn ermittelt. Aallaa muss sich zudem regelmäßig bei der Polizei melden und darf Spanien nicht verlassen.
  • Auf Haftentlassung kann auch der 34 Jahre alte Salh El-Karib hoffen. Seine Rolle soll noch genauer untersucht werden. Der Richter wolle innerhalb von drei Tagen entscheiden, ob er auf freien Fuß gesetzt wird oder in Gewahrsam bleibt, hieß es aus Justizkreisen.
Chronologie der Ereignisse

Suche nach Helfern des mutmaßlichen Haupttäters

Am Montag hatten Beamte in Subirats bei Barcelona den mutmaßlichen Haupttäter Younes Abouyaaquoub erschossen. Der 22-Jährige soll den Lieferwagen gesteuert haben, mit dem am vergangenen Donnerstag Passanten auf der Flaniermeile Las Ramblas überfahren wurden. Auf der Flucht soll Abouyaaquoub einen Mann getötet und dessen Fahrzeug gestohlen haben. Die spanischen Ermittler wollen nun feststellen, wo sich Abouyaaqoub in den Tagen nach dem Anschlag aufhielt - und ob er auf der Flucht Hilfe hatte.

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Nach dem Anschlag: Barcelona trotzt dem rechten Hass

Der als Kopf der Terrorzelle gesuchte Imam Abdelbaki Es Satty, 45, kam wenige Stunden vor den Anschlägen bei der Explosion in einem Haus in Alcanar südlich von Barcelona ums Leben. Das bestätigte der Chef der Regionalpolizei von Katalonien, Josep Lluís Trapero, am Montag. Im Haus soll die Zelle ihre Anschläge geplant haben. Dort waren nach der Explosion 120 Gasflaschen und Sprengstoff gefunden worden.

Der spanische Richter sagte nun, in dem Haus seien zudem Flugtickets nach Brüssel gefunden worden. Sie seien auf den Imam ausgestellt gewesen. Die Zeitung "El País" berichtete, die mutmaßlichen Terroristen hätten nur dreieinhalb Stunden vor der Attacke in Cambrils vier Messer und eine Axt gekauft.

aar/dpa/Reuters/AFP

insgesamt 23 Beiträge
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WolfThieme 23.08.2017
1. Rätsel
Warum fühlen sich ausgerechnet Marokkaner und Tunesier aufgerufen, in Barcelona, Berlin, Turkku die Bürger Europas umzubringen? Können sie ihren Frust nicht zuhause ausleben? Fahre ich nach Marokko oder Tunesien, weil ich mit der islanischen Lebensweise nicht zufrieden bin, und töte dort Frauen und Kinder?
NewHuman 23.08.2017
2. An dieser Form...
...der schnellen und umfassenden Information der Öffentlichkeit durch die spanischen Behörden sollten sich die deutschen Behörden ein Beispiel nehmen.
janne2109 23.08.2017
3. pixel
die Medien sind doch drollig, Spon verpixelt und in anderen Zeitungen wird nicht verpixelt, watum hier?
pelayo1 23.08.2017
4.
Es sind eben auch anscheinend gut integrierte Muslime gefährlich und können jederzeit ausrasten. Und das ein Imam Chef der Gruppe war, zeigt, dass sie keienswegs über mangelönde Kenntnisse des Islam verfügen, wie man uns immer wieder glauben machen will.
simcoe 23.08.2017
5. Wieder alle Namen
Warum macht man den Terroristen hier noch die Aufmachung und nennt deren Namen. Jetzt werden die auch noch berühmt. Sagt doch der nächste, dass er seinen Namen auch in aller Welt in den Medien sehen will. Gedenkt der Opfer und macht nicht auch noch die Terroristen berühmt.
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