Barcelona Warnschüsse bei Demonstration für Puigdemont

"Befreit unseren Präsidenten": Nach der Festnahme von Carles Puigdemont in Deutschland kommt es in der katalanischen Hauptstadt Barcelona zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten.

DPA

Aus Protest gegen die Festnahme des ehemaligen katalonischen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont in Deutschland sind am Sonntagabend zehntausende Demonstranten in Barcelona auf die Straße gegangen. Bei den Protesten kam es teils zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Laut Augenzeugenberichten schossen Beamte teils in die Luft. Der katalanische Radiosender "324.cat" postete ein Video, auf dem Warnschüsse zu hören sind:

Weitere Videos auf Twitter zeigen, wie Polizisten die Protestierenden mit Schlagstöcken zurückdrängen.

Der Protestmarsch führte von der Vertretung der Europäischen Kommission zum deutschen Konsulat in Barcelona. Bis zu 55.000 Menschen hätten an der Demonstration teilgenommen, berichtet die katalanische Tageszeitung "El Periódico" unter Berufung auf die städtische Polizei.

Nach Angaben der Gesundheitsbehörde wurden mindestens 50 Menschen verletzt, darunter drei Polizisten. Laut Polizei gab es mehrere Festnahmen.

Am Abend war auf Videos, die auf Twitter gepostet wurden, brennende Straßensperren zu sehen.

Viele Demonstranten zeigten kleine Transparente mit der deutschen Aufschrift: "Befreit unseren Präsidenten. Seid nicht Mithelfer!" Andere trugen Unabhängigkeitsflaggen und Puigdemont-Masken als Zeichen der Unterstützung.

Auch in anderen katalonischen Städten herrscht offenbar gespannte Stimmung: In der 140.000-Einwohner-Stadt Lleida liefern sich Polizisten und Demonstranten laut einem Twitter-Video des Senders Radio Catalunia ebenfalls teils aggressive Auseinandersetzungen. Laut Medienberichten soll es auch dort Warnschüsse gegeben haben.

Im Nordosten des Landes errichteten Demonstranten derweil offenbar Straßenblockaden. Protestierende versuchten auf vier Autobahnen, den Verkehr zu behindern, berichtet die Nachrichtenagentur AP.

"Die Flucht des Putschisten Puidgemont ist beendet"

Auch im Internet sorgte die Nachricht von der Festnahme Puigdemonts für Aufruhr. "Spanien sorgt nicht für einen fairen Prozess, sondern nur für Rache und Unterdrückung", twitterte Elsa Artadi, Sprecherin von JxCat (Gemeinsam für Katalonien), der Liste, der auch Puigdemont angehört.

"Die Flucht des Putschisten Puidgemont ist beendet", twitterte hingegen Albert Rivera, Vorsitzender der Anti-Unabhängigkeitspartei Ciudadanos. Der Versuch, eine europäische Demokratie zu zerstören, demokratische Gesetze zu brechen, das Zusammenleben zu stören oder öffentliche Gelder zu veruntreuen, könne nicht ungestraft bleiben.

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Die liberale Ciudadanos war aus den Regionalparlamentswahlen im Dezember als stärkste Partei hervorgegangen, die drei separatistischen Parteien vereinigen aber zusammen mehr Stimmen auf sich.

Puigdemont war Sonntagmittag bei der Einreise aus Dänemark auf einer Autobahnraststätte an der A7 bei Schleswig gestoppt und auf Grundlage eines europäischen Haftbefehls festgenommen worden. Der katalanische Separatist befand sich auf dem Weg nach Belgien, wo er im Exil lebte.

ssu/kry/eho/AP/dpa

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