Barcelona Hunderttausende Bürger demonstrieren gegen Abspaltung Kataloniens

"Die Einheit Spaniens steht nicht zur Wahl": In Barcelona haben sich Hunderttausende Demonstranten gegen die Unabhängigkeit Kataloniens ausgesprochen. Im Lager der Abspaltungsbefürworter zeigen sich erste Risse.

Demonstrationsteilnehmer in Barcelona
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Demonstrationsteilnehmer in Barcelona


Spaltet sich Katalonien von Spanien ab? Befürworter und Gegner der Unabhängigkeit Kataloniens stehen sich ziemlich unversöhnlich gegenüber - allen Aufrufen zum Dialog zum Trotz.

Nun haben erneut Unterstützer einer Einheit Spaniens demonstriert. In Kataloniens Hauptstadt Barcelona protestierten Hunderttausende Menschen gegen die Pläne der Regionalregierung zur Abspaltung von Spanien. Nach Angaben der Veranstalter nahmen 930.000 Menschen teil. Die Polizei in Barcelona sprach hingegen von etwa 350.000 Demonstranten.

Demonstrationszug in Barcelona
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Demonstrationszug in Barcelona

Auf ihrem Marsch zum Bahnhof Estació de França skandierten die Demonstranten unter anderem "Ich bin Spanier" und "Viva España". Viele Teilnehmer hüllten sich in spanische Flaggen. "Die Einheit Spaniens steht nicht zur Wahl - sie muss verteidigt werden", hieß es auf einem Schild der Demonstranten. Einige forderten die Festnahme des katalanischen Regierungschefs Carles Puigdemont.

Auch aus anderen Regionen Spaniens waren Teilnehmer in Dutzenden Bussen und Zügen angereist.

Video über die Demonstration: "Die schweigende Mehrheit ist heute laut"

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"Keine Entscheidungen treffen, die irreparabel sein könnten"

Von manchen Befürwortern einer Unabhängigkeit sind ohnehin zurückhaltende Töne zu hören. Santi Vila, Mitglied der katalanischen Regionalregierung, forderte einen "Waffenstillstand": "Das bedeutet, dass wir in den nächsten Stunden und Tagen keine Entscheidungen treffen werden, die irreparabel sein könnten." Der für Unternehmen zuständige Minister rief dazu auf, über "die Nützlichkeit und die Folgen" einer Unabhängigkeitserklärung nachzudenken.

Auch für den früheren Regionalpräsidenten Artur Mas sind noch viele Fragen offen. Es gehe gar nicht so sehr darum, wie die Unabhängigkeit ausgerufen, sondern wie sie umgesetzt werde, sagte der Parteifreund von Regionalpräsident Puigdemont. Der hatte am vorigen Sonntag ungeachtet eines Verbots durch das Verfassungsgericht und gegen den Willen der Zentralregierung in Madrid ein Referendum über die Unabhängigkeit abgehalten.

Demonstranten halten ein Banner mit einem Herz aus den Flaggen Kataloniens, Spaniens und Europas
DPA

Demonstranten halten ein Banner mit einem Herz aus den Flaggen Kataloniens, Spaniens und Europas

Bei der von den Abspaltungsgegnern mehrheitlich boykottierten Befragung gewann das "Ja-Lager mit rund 90 Prozent; die Wahlbeteiligung lag bei 43 Prozent. Die spanische Zentralregierung hatte mit einem großen Polizeiaufgebot versucht, das Referendum zu verhindern. Hunderte Menschen wurden verletzt.

Puigdemont berief für Dienstag eine Sitzung des Regionalparlaments ein, bei der möglicherweise die Unabhängigkeit ausgerufen werden soll. In einem Interview der Zeitung "El País" wies Ministerpräsident Mariano Rajoy die Aufrufe zum Dialog mit den Separatisten erneut scharf zurück. "Spanien wird nicht geteilt werden und die nationale Einheit wird erhalten bleiben", sagte er.

Zu der Kundgebung am Sonntag hat die Organisation Katalanische Zivilgesellschaft aufgerufen. Sie rief die "schweigende Mehrheit" dazu auf, unter dem Motto "Basta! Kehren wir zur Vernunft zurück" auf die Straßen zu gehen. Auch Rajoys konservative Volkspartei (PP) sowie deren parlamentarische Verbündete Ciudadanos unterstützen die Demonstration.

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ulz/dpa/AFP

insgesamt 138 Beiträge
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Rolf.Richters 08.10.2017
1.
Interessant wäre es zu wissen, wie viele Wahllokale von der Polizei geschlossen wurden und wie viele für eine Stimmabgabe geöffnet waren. 42% Wahlbeteiligung hört sich nach den Bildern zur Wahl in Katalonien ja doch recht viel an.Den die über 90% Ja Stimmen verzehren etwas das Bild, wenn man jetzt die Demos der Spanientreuen Katalanen sieht.
dunnhaupt 08.10.2017
2. Ist die Sezession zum Scheitern verurteilt?
Der Ur-Fehler mag die partielle Autonomie gewesen sein. Sobald man den Sezessionisten einen Finger reicht, verlangen sie die ganze Hand. Ähnlich wie im kanadischen Québec oder in Schottland mag bereits permanenter wirtschaftlicher Schaden angerichtet sein, selbst wenn die Sezession gar nicht stattfindet. In der Wirtschaft ist man hellhörig. Firmen, die jetzt nach einem neuen Standort suchen, mögen solche Unruheherde vorsichtshalber umgehen.
M. Vikings 08.10.2017
3. Beeindruckend – Aussagekraft = 0.
Ich habe die Demo im Live-Stream verfolgt. Da hat ja wohl nicht nur Rajoys Partei seine Schäfchen aus ganz Spanien mobilisiert und angekarrt. Deshalb verwundert es auch nicht, das der Umzug über die ganze Strecke hinweg von den Einheimischen aus den Fenstern ausgepfiffen wurde. Zumindest waren die Separatisten klug genug nicht anders auf die Provokationen aus der Demo heraus zu reagieren. Wäre die Mehrzahl der Demonstranten katalanische Gegner der Abspaltung gewesen, hätten die mal lieber beim Referendum dagegen gestimmt. So eine Demo hat nicht annähernd die Aussagekraft wie die Wahl, die im Hagel von Gummigeschossen stattfand.
gatopardo 08.10.2017
4. Ein Flaggenmeer und Hunderttausende
haben sich als "schweigende Mehrheit" Kataloniens nun auf die Strasse getraut. Bislang haben wir ja nur Unabhängigkeits-Demos sehen können. Im Grunde lehne ich fahnenschwingende Massenversammlungen ab, aber es hat mich und viele andere in meinem Umfeld nun doch überrascht, so viele Gegner der Abspaltung auf Barcelonas Strassen in den Medien zu sehen.
moromoro 08.10.2017
5. Pro Katalonien, pro Spanien, pro Europa
eine sehr sympathische Demonstration. Im Artikel steht nur etwas über Leute die in spanischen Flaggen eingehüllt waren, kein Wort über die vielen katalanische und europäischen Flaggen, die Rede des Literatur Nobelpreisträgers Vargas Llosa und die sehr vielen pro europäischen, vereinigenden und eben keine spalterischen Töne. Schade, hier kommt die Veranstaltung als schnöde pro Spanische Demo rüber.
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