Barcelona Viele Verletzte bei Demonstrationen für Puigdemont

Zehntausende Menschen haben in Katalonien gegen die Festnahme von Carles Puigdemont in Deutschland protestiert. In Barcelona gaben Polizisten Warnschüsse ab, Demonstranten warfen Flaschen und errichteten Straßensperren.


Die einen schleuderten Eier, Flaschen und Eisengitter, die anderen setzten Schlagstöcke ein und schossen in die Luft: Bei Zusammenstößen zwischen Polizisten und Demonstranten in Katalonien sind mindestens hundert Menschen verletzt worden.

92 Verletzte, darunter rund ein Dutzend Polizisten, zählten die Rettungskräfte allein in Barcelona, wo am Sonntagabend mehr als 50.000 Menschen auf die Straße gegangen waren, um gegen die Festnahme von Separatistenführer Carles Puigdemont in Deutschland zu demonstrieren. In Lleida, 150 Kilometer westlich von Barcelona, wurden sieben Menschen verletzt, in Tarragona im Süden Kataloniens mindestens einer.

Der Präsident des katalanischen Parlaments, Roger Torrent, rief die Demonstranten im Regionalfernsehen zur Ruhe auf: "Ich habe keinen Zweifel, dass die katalanischen Bürger so handeln werden, wie sie es immer getan haben, auf gewaltlose Weise."

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Puigdemont war am Sonntag aufgrund eines Europäischen Haftbefehls bei der Einreise aus Dänemark in Schleswig-Holstein festgenommen worden. Seine Festnahme und mögliche Auslieferung an Spanien ist die jüngste Wendung in dem Konflikt um Kataloniens Abspaltung von Spanien, der nach dem Referendum und der einseitigen Ausrufung der Unabhängigkeit der Region im Oktober eskaliert war.

Puigdemont wurde damals als Regionalpräsident abgesetzt und floh ins belgische Exil, um seiner Festnahme in Spanien zu entgehen. Am Freitag reaktivierte das Oberste Gericht in Madrid den Europäischen Haftbefehl gegen Puigdemont, der sich zu diesem Zeitpunkt zu einem Besuch in Finnland aufhielt. Bei seiner Rückreise nach Belgien wurde sein Auto von der schleswig-holsteinischen Landespolizei gestoppt und Puigdemont festgenommen.

Er wird in Spanien wegen "Rebellion", "Aufwiegelung" und des Vorwurfs der Veruntreuung öffentlicher Gelder gesucht. Das Oberste Gericht erhob am Freitag wegen Anklage gegen ihn und zwölf seiner Mitstreiter. Ihnen drohen bis zu 30 Jahre Haft.

Vom Amtsgericht zum Oberlandesgericht

Am Montag soll Puigdemont in Schleswig-Holstein einem Amtsrichter vorgeführt werden. Das Gericht werde zunächst lediglich seine Identität prüfen, hieß es von der schleswig-holsteinischen Generalstaatsanwaltschaft. Ob er in Auslieferungshaft genommen wird, werde dann das Oberlandesgericht in Schleswig entscheiden. Das Gericht werde zudem prüfen, ob eine Überstellung Puigdemonts an die spanischen Behörden "rechtlich zulässig ist". Über eine Auslieferung befindet abschließend dann die Generalstaatsanwaltschaft.

Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) lobte die Arbeit der Landespolizei. Sie sei "ihrer Aufgabe in vorbildlicher Weise nachgekommen". Die Linke bezeichnete die Festnahme hingegen als "Schande". Die Strafverfolgung sei "ganz offensichtlich politisch motiviert", erklärte der europapolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Andrej Hunko. "Ich erwarte, dass Puigdemont umgehend freigelassen wird."

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) sagte in der ARD, das Verfahren liege "zunächst in den Händen der schleswig-holsteinischen Behörden". Dies gelte es "jetzt erst mal abzuwarten".

vet/dpa/AFP

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