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Großbrand auf historischem Basar: Unesco nennt Zerstörung in Aleppo Tragödie

Hunderte Läden zerstört, weite Bereiche des weltberühmten Basars sind verwüstet. Die Unesco bezeichnet den Brand der Kulturschätze im syrischen Aleppo als Tragödie. In der Handelsstadt und in weiten Teilen des Landes gehen die Kämpfe unvermindert weiter.

AP

Beirut/Paris - Der erbitterte Kampf um die syrische Wirtschaftsmetropole Aleppo erfasst immer weitere Teile der Stadt. Nach den heftigen Gefechten rund um den historischen Basar hat die Armee nach Angaben von Regierungsgegnern am Sonntag weitere Ortsteile beschossen. In der Nacht lieferten sich Rebellen und Soldaten hauptsächlich am Militärflughafen al-Nairab Kämpfe, wie die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London berichtete. Mindestens fünf Menschen seien getötet worden. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben war nicht möglich.

Auch in anderen Teilen des Landes gab es neue Auseinandersetzungen.

  • In der Provinz Damaskus griffen den Angaben zufolge Soldaten mit Unterstützung der Luftwaffe die Ortschaft Harasta an. In Sabadani wurden demnach bei Razzien zahlreiche Einwohner festgenommen.
  • Kämpfe gab es auch in den Provinzen Daraa im Süden,
  • Idlib im Nordwesten
  • und Hama im Zentrum Syriens.
  • In der nordöstlichen Provinz Hasaka wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle mehrere Menschen durch den Beschuss der Armee verletzt.
  • In der Küstenstadt Banias im Nordwesten gingen Razzien und Festnahmen weiter.

In der Stadt Aleppo wurden zahlreiche Marktstände mit Holztüren im weltberühmten Basar durch ein Feuer zerstört, bestätigte ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP Angaben der Beobachtungsstelle vom Vortag. Die Organisation für Wissenschaft, Bildung und Kultur der Uno, Unesco, reagierte bestürzt auf die Zerstörung. Es sei ein "großer Verlust und eine Tragödie", dass die Altstadt von den Kämpfen verwüstet worden sei, sagte der Direktor des Weltkulturerbeprogramms, Kishore Rao.

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Bürgerkrieg in Syrien: Neue Kämpfe in Aleppo
Das alte Zentrum von Aleppo war 1986 als Weltkulturerbe aufgenommen worden. Der historische Basar galt als einer der am besten erhaltenen in der gesamten Region. Aus Armeekreisen hieß es, in der Nähe des Basars habe es schwere Zusammenstöße mit Rebellen gegeben, die seit Tagen versuchten, in das Gebiet vorzudringen. Die Rebellen hatten am Donnerstag eine Großoffensive auf Aleppo gestartet. Der Markt selbst war in den vergangenen Wochen fast täglich Schauplatz von Kämpfen.

Seit Beginn einer Rebellenoffensive im August kontrolliert jede der Konfliktparteien etwa eine Hälfte der strategisch wichtigen Handelsmetropole. Wiederholte Versuche beider Seiten, auch die andere Hälfte einzunehmen, scheiterten. Nach Angaben von Aktivisten haben Scharfschützen der Regierungstruppen auf der Zitadelle, die das Zentrum dominiert, Stellung bezogen. Die oppositionelle Freie Syrische Armee (FSA) begann laut Aktivisten bereits am Donnerstag mit einer Offensive, die sie als entscheidende Schlacht bezeichnete.

Al-Arabija: Türkische Kampfpiloten wurden in Syrien exekutiert

Für Aufregung sorgte am Sonntag ein Bericht des Nachrichtensenders al-Arabija. Demnach sollen Piloten eines vor der syrischen Küste abgeschossenen türkischen Militärjets angeblich hingerichtet worden sein. Das behauptete der Nachrichtensender unter Berufung auf geheime Dokumente des Kommandos der syrischen Luftabwehr. Demnach hatten die beiden Piloten den Absturz über dem Mittelmeer überlebt. Sie sollen dann auf Geheiß der russischen Führung von den Syrern getötet worden sein. In der Türkei wurden Zweifel an der Version laut, die sich auf Informationen syrischer Oppositioneller stützt.

Der türkische Generalstab hatte nach dem Abschuss der F4-Phantom Ende Juni durch die syrische Luftabwehr erklärt, die Leichen der beiden Männer seien nach knapp zwei Wochen auf dem Meeresgrund gefunden worden. Sie lagen demnach nahe des in acht Stücke zerbrochenen Flugzeugwracks.

Die Leichen hätten in 1200 bis 1300 Metern Tiefe unbemerkt platziert werden müssen, sagte Generalleutnant a.D. Erdogan Karakus dem Sender CNN Türk am Sonntag. "Das ist keine sehr glaubwürdige Angelegenheit. Einmal in der Hand der Syrer ist eine solche Technik nicht möglich", sagte er. Zudem habe es nach dem Zwischenfall sofort umfangreiche Patrouillen gegeben. Er fragte: "Hätten die türkischen Seestreitkräfte eine solche Sache nicht gesehen?"

Vom türkischen Außenministerium gab es am Wochenende zunächst keine Stellungnahme zu dem Bericht. Die Leichen der beiden Piloten waren bei einem technisch anspruchsvollen Einsatz des US-Forschungsschiffes "Nautilus" geborgen worden. Türkische Medien hatten berichtet, vor der Bestattung der Piloten habe es Autopsien gegeben.

Al-Arabija ist in Dubai beheimatet und wird mit Geld aus Saudi-Arabien finanziert. Saudi-Arabien gehört neben Katar zu den erbittertsten Gegnern des Regimes von Präsident Baschar al-Assad. Die türkische Regierung sympathisiert zwar mit der syrischen Revolution. An einer Militärintervention im Nachbarland, die von der Türkei aus geführt wird, hat sie jedoch bislang wenig Interesse gezeigt.

yes/AFP/dapd/dpa

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1. Merkel als Schutzschild
havanna-girl 30.09.2012
Dieses Debakel hat die westliche Zivilgesellschaft zu verantwortet und Frau Merkel sollte wir als Schutzschild nach Syrien schaffen, da macht sie wenigstens noch Sinn.
2. traurig
Comander 30.09.2012
Wann Stoppt die freiheitlich westliche Welt endlich diesen Terroristen Assad?!
3.
karlomari 30.09.2012
Zitat von ComanderWann Stoppt die freiheitlich westliche Welt endlich diesen Terroristen Assad?!
Die Terroristen stehen eher wohlauf der anderen Seite. Es gibt auch andere Berichte aus Aleppo als nur von AFP oder Reuters. Stimme RU: "Den Augenzeugen zufolge zünden die zurücktretenden Rebellen Wohnhäuser an, um die Bewegung der regulären Truppen zu verhindern. Infolgedessen versinken viele Stadtviertel in einem dichten Rauch. Die Einwohner verlagern sich eilig in die umgebenden Bezirke, in denen man sich vor Brandgeruch und Erstickung retten kann. Die syrischen Truppen erwiderten die Gegenangriffe der Rebellen in Aleppo. Nach den dreitägigen Straßengefechten traten extremistische Gruppierungen zurück, ohne die Verteidigungslinien der Regierungskräfte durchbrechen zu können. Die am Angriff beteiligten Mitglieder der radikalen Organisation „Dzhebhat en Nusra“ („Front des Sieges“), die mit al-Qaida verbunden ist, wurden umgeben und vernichtet. Getötet wurden über 100 Söldner und Terroristen."
4. Ja, Frau Merkel
jesse01 30.09.2012
und ihr Luftikus-Außenminister Westerwelle reden solange, bis es in Syrien niemanden mehr gibt, mit dem man reden könnte!! Sarkozy hat wenigstens etwas gemacht, aber von Hollande kann man nichts erwarten. Assad hat mit weit über 20000 Toten den größten Völkermord der jüngeren Geschichte zu verantworten. aber Hauptsache Frau Merkel und Westerwelle reden weiter, das können sie ja! Als Physikerin müssten sie den Unterschied zwischen actio und reactio eigentlich kennen!! Leider gilt das auch für den Rest der Welt. Statt in Syrien Fakten zu schaffen, wird lieber über eine Reform des Un-Rates von einer Abkehr des Einstimmigkeitsprinzips hin zu einem Mehrheitsprinzip diskutiert. Das werden die Syrier sicher ganz toll finden!!
5. Ihnen empfehle ich....
HolyGhost 30.09.2012
Zitat von jesse01und ihr Luftikus-Außenminister Westerwelle reden solange, bis es in Syrien niemanden mehr gibt, mit dem man reden könnte!! Sarkozy hat wenigstens etwas gemacht, aber von Hollande kann man nichts erwarten. Assad hat mit weit über 20000 Toten den größten Völkermord der jüngeren Geschichte zu verantworten. aber Hauptsache Frau Merkel und Westerwelle reden weiter, das können sie ja! Als Physikerin müssten sie den Unterschied zwischen actio und reactio eigentlich kennen!! Leider gilt das auch für den Rest der Welt. Statt in Syrien Fakten zu schaffen, wird lieber über eine Reform des Un-Rates von einer Abkehr des Einstimmigkeitsprinzips hin zu einem Mehrheitsprinzip diskutiert. Das werden die Syrier sicher ganz toll finden!!
...sich darüber kundig zu machen, was einen Völkermord üblicherweise ausmacht. Ein Tip: die blosse Opferzahl hat damit nix zu tun"!
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Brand in der Altstadt von Aleppo

Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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