Machtanspruch Assad will ganz Syrien zurückerobern

Syriens Machthaber Baschar al-Assad ist zur Rückeroberung des ganzen Landes entschlossen. Die Kämpfe gegen die Rebellen könnten "lange" dauern, sagte er in einem Interview.

Syriens Präsident Assad: Zu "Verhandlungen und politischem Handeln" bereit
AFP

Syriens Präsident Assad: Zu "Verhandlungen und politischem Handeln" bereit


Der syrische Diktator Baschar al-Assad hat eine Rückeroberung des gesamten Landes angekündigt. "Es ist nicht logisch zu sagen, dass es einen Teil unseres Landes gibt, auf den wir verzichten", sagte Assad in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP.

Die Kämpfe gegen die Rebellen könnten jedoch lange dauern. Die Verwicklung regionaler Mächte in den Konflikt bedeute, "dass die Lösung lange dauern und einen hohen Preis haben wird".

Assad warnte zudem davor, dass Saudi-Arabien und die Türkei direkt in den Konflikt eingreifen könnten.

Die USA und Russland hatten in der Nacht zum Freitag vereinbart, sich für eine Waffenruhe zwischen der syrischen Regierung und der gemäßigten Opposition binnen einer Woche einzusetzen. Nun hat Assad klargestellt, dass die Kämpfe trotzdem weitergehen sollten: Zu verhandeln bedeute nicht, den Kampf "gegen den Terrorismus" einzustellen, sagte Assad. Beides sei notwendig und voneinander unabhängig.

Der syrische Diktator bezeichnet nicht nur die dschihadistischen Milizen "Islamischer Staat" (IS) und Nusra-Front als Terroristen, sondern sämtliche Rebellen, die gegen das Regime kämpfen.

Das Interview mit der Nachrichtenagentur AFP ist das erste, das Assad seit dem Scheitern der Genfer Syrien-Gespräche und dem Beginn der von russischen Luftangriffen unterstützten Offensive syrischer Regierungstruppen in Aleppo Anfang Februar gegeben hat.

In dem Gespräch wies Assad den Vorwurf zurück, für Kriegsverbrechen verantwortlich zu sein. Die Uno-Ermittler hätten dafür auch "keine Beweise" vorgelegt. Die meisten Uno-Institutionen seien ohnehin "von den Westmächten dominiert", sagte Assad.

Uno-Ermittler hatten die syrische Regierung für die Tötung zahlloser Häftlinge in den Gefängnissen des Landes verantwortlich gemacht. Seit Beginn des Syrienkonflikts vor fast fünf Jahren habe es in den Gefängnissen "Todesfälle in einem massiven Ausmaß" gegeben. In den Gefängnissen würden Männer, Frauen und sogar Kinder hingerichtet, zu Tode gefoltert oder unter so erbärmlichen Bedingungen festgehalten, dass sie daran zugrunde gehen.

vek/AFP

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iffelsine 12.02.2016
1. Assad ist besser als der IS !
Wenn Assad für Ruhe sorgt und die Flüchtlinge zurück nimmt, ist gut. Eines darf man nicht vergessen: als es die Despoten im Nahen Osten und in Nordafrika gab, gab es keinen IS und kaum Flüchtlinge. Wir sollten uns nicht immer in die Dinge anderer Länder einmischen, sonst haben wir in den nächsten 10 Jahren 200 Millionen Bewohner in Deutschland, von denen der geringste Teil Deutsch spricht - dieser Teil darf aber die restlichen Bewohner finanzieren. Toll Ms. Merkel - gut gemacht !
lupenreinerdemokrat 12.02.2016
2. Wäre ein Segen für Syrien
Okay, wäre vielleicht nicht ganz so segensreich als wenn Mahatma Ghandi Präsident von Syrien werden würde, aber immerhin könnte das bedeuten, dass in Syrien wieder die friedlichen und toleranten Verhältnisse einkehren, die vor den gewaltsamen Putschversuchen dort herrschten, wo Frauen studierten und den Männern gegenüber gleichberechtigt waren (zumindest vor dem Gesetz). Jedenfalls ist es Russland zu verdanken, wie auch schon Herr Kujat meinte, dass überhaupt ein Friedensprozess in Syrien in Sichtweite ist. Nur durch das Vorrücken der regulären syrischen Armee kann der IS zurückgedrängt werden und somit der Weg frei gemacht für Friedensverhandlungen. Der Westen befeuerte ja bis zuletzt noch den Bürgerkrieg bzw. sah auch andererseits tatenlos zu, wie sich die Schlächter des IS immer weiter im Nahen Osten ausbreiteten.
waswoasi 12.02.2016
3. Guter Plan!
Nur wenn er ganz Syrien wieder unter Kontrolle hat kann er für Sicherheit sorgen und die Installation von Terrortrainingscamps verhindern. Und noch ein kleiner Nachtrag zu dem reisserischen Artikel bzgl. russischer Bodentruppen: Lieber sterben russische Soldaten für die Sicherheit Europas als Deutsche oder andere Natosoldaten. Wenn Assad Russland um Hilfe gebeten hat, um sein Land von Terroristen zu befreien soll Herr Putin meinetwegen auch persönlich mit nacktem Oberkörper über das Schlachtfeld reiten! Russland tut wenigstens etwas das bisher Erfolg zeigt und auch Harald Kujat sieht das Einschreiten der Russen positiv. Warum muss der Spiegel da gleich wieder eine Eilmeldung draus machen?
Palmstroem 12.02.2016
4. Wer hat etwas anderes erwartet!
Russland und der Iran machen im Gegensatz zum Westen Ernst und unterstützen Assad auch mit Bodentruppen. Europa ist ein lahmer Haufen und in den USA ist erst mal bis 2017 Wahlkampf. Ob danach die USA Interesse haben, wegen Europas Flüchtlingsproblem ihre Soldaten zu opfern - unwahrscheinlich. Dennoch wird es Assad mit der Mehrheit der Sunniten nicht leicht haben - denn alle 10 Millionen kann er nicht töten oder vertreiben. Oder doch!
Baikal 12.02.2016
5. Unverschämt!
Der will wirklich nicht sein Land mit Eindringlingen aller Art teilen, der will wirklich nicht wie Ghaddafi in seinem Land enden und auch nicht wie Saddam nebenan. Was ist das doch für ein fürchterlicher Mensch, dieser Assad, gibt Rebellen einfach nicht nach und gehorcht Obombo ganz einfach nicht, England nicht und Frankreich schon mal gar nicht.
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