Ägypten: Gericht lehnt Verbot von Satire-Sendung ab

Ein ägyptisches Gericht hat das Verbot der Satiresendung "al-Bernameg" abgelehnt. Doch damit ist für den Komiker Bassem Youssef der Streit über seine Sendung noch nicht ausgestanden. Er muss sich weiterhin wegen Beleidigung des Präsidenten und Verspottung von Religion verantworten.

Bassem Youssef bei einer Gala Ende 2012: Der Komiker wird weiterhin angeklagt Zur Großansicht
AP

Bassem Youssef bei einer Gala Ende 2012: Der Komiker wird weiterhin angeklagt

Kairo - Ein ägyptisches Gericht hat einen Verbotsantrag auf die Satiresendung "al-Bernameg" (das Programm) abgelehnt. Das Gericht wies den Fall ab mit der Begründung, der Kläger habe nicht das Recht ein Verbot der Sendung zu fordern. Die Klage hatte ein Jurist der regierenden Muslimbruderschaft eingereicht.

Die Sendung des ägyptischen Komikers Bassem Youssef ist in Ägypten umstritten. Youssef hat viele begeisterte Fans, aber auch erbitterte Gegner. Der Komiker spottet regelmäßig über Präsident Mohammed Mursi und schreckt auch vor Religionswitzen nicht zurück. Vor dem Sturz von Hosni Mubarak in Ägypten wären TV-Parodien über das Staatsoberhaupt unvorstellbar gewesen.

Der Prozess ist damit jedoch noch nicht ausgestanden. Der Komiker muss sich weiterhin vor Gericht verantworten wegen des Vorwurfs auf Beleidigung des Präsidenten und Beleidigung der Religion.

Youssef interpretierte die Klage als einen Versuch der Muslimbruderschaft, Kritiker auszuschalten. "Sie wollen uns physisch, emotional und finanziell ruinieren", twitterte er. Derzeit ist er gegen Kaution frei.

Seine Gerichtsvorladung hatte weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Der US-amerikanische Komiker Jon Stewart berichtete darüber in seiner Satiresendung "Daily Show". Auch Washington hatte den Prozess heftig kritisiert. Victoria Nuland, Sprecherin des Außenministeriums, bezeichnete den Prozess als "verstörenden Trend zunehmender Beschränkungen auf die Meinungsfreiheit".

ras/AP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
mauskeu 06.04.2013
Zitat von sysopAPEin ägyptisches Gericht hat das Verbot der Satire-Sendung "El Bernameg" abgelehnt. Doch damit ist für den Komiker Bassem Youssef der Streit um seine Sendung noch nicht ausgestanden. Er muss sich weiterhin wegen Beleidigung des Präsidenten und Verspottung von Religion verantworten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/bassem-youssef-gericht-lehnt-verbot-von-el-bernameg-ab-a-892903.html
Ich habe einen grossen Respekt vor den Akteuren der Satire Sendung, denn sie haben bei der Angelegenheit ein echtes Risiko. Irgendwelche Fanatiker könnten für wirkliche Gefahr an Leib und Leben sorgen. Ich hoffe, dass es klappt und dass die Muslimbrüder verstehen, dass Gewalt ihnen nur kurzfristig helfen würde.
2. Bassem Youssef - was für einen unvorstellbaren Wert haben solche Menschen für eine Gesellschaft
thanks-top-info 06.04.2013
für das alltägliche Glück der Menschen, die dort leben. Der steckt seinen Kopf derart weit aus dem Fenster, motiviert damit viele andere in ihrem Kampf um Gerechtigkeit. Hier in Australien hat eine Frau der Behörde gegen ihren Boss die Erschließung der Fracking Felder und den Bau der Gaspipelines vorerst gestoppt. Sie wurde aufgefordert fehlende Gutachten zum Istwert des Grundwassers zu übersehen, und sie tat es nicht. Es gibt mutige Menschen, die lieber weiterhin eine weiße Weste tragen, und dafür ihren Job, Karriere und das Leben aufs Spiel setzten (ABC Four Corners Gasleaks!)
3. Keine Kritik ...
clausbremen 06.04.2013
... und damit auch keine Satire ertragen zu können ist ein deutliches Zeichen von Unsicherheit und Schwäche. Daher eint dieses Problem viele Diktatoren, Autokraten und Kriminelle, ob weltlicher oder geistlicher Couleur.
4. Bravo
gerd33 06.04.2013
Youssef sorgt mit dafür, dass Religion endlich als das entlarvt wird, was sie wirklich ist: Grenzenloser Schwachsinn basierend auf jahrhundertealten Überlieferungen und "Märchen". Oder glaubt jemand ernsthaft daran, dass der Heilige Geist Frauen schwängern kann?? Wir leben im 21. Jahrhundert und nicht mehr im Mittelalter!
5. Ein Komiker, der nur zündeln will...
PeterT 06.04.2013
Ja, das gehört doch verboten!!!!. Da ist doch der öffentliche Frieden gefährdet!!! - Passiert das Gleiche aber in Deutschland durch das Zeigen von Karikaturen ist wieder der öffentliche Frieden gefährdet und der NRW Innenminister findet es gut, wenn die "Provokateure verurteilt werden. Seltsam!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Ägypten
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 10 Kommentare