London - Die Königin mischt sich selten in die Tagespolitik ein. Nun berichtet die BBC von einem Fall, in dem sich Queen Elizabeth II. in die Debatte um einen Hassprediger eingeschaltet habe - und prompt muss sich der Sender für die Enthüllung im Buckingham Palace entschuldigen.
Der BBC-Journalist Frank Gardner sagte am Dienstag, die Königin habe sich ihm gegenüber vor einiger Zeit besorgt über den Fall eines britischen Hasspredigers gezeigt. Sie habe Unverständnis darüber geäußert, dass Hamza al-Masri nicht zur Wahrung der Sicherheit im Lande festgenommen werden könne.
Im Fall Abu Hamza geht es um einen Islamisten, der aus Großbritannien abgeschoben werden soll. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hatte am Montag entschieden, eine Beschwerde des Hasspredigers gegen seine Auslieferung nicht mehr weiter zu behandeln. Damit ist rechtlich der Weg frei für die Ausreise des gebürtigen Ägypters mit den markanten Gesichtszügen und dem Metallhaken am rechten Handgelenk.
Die BBC musste sich später für die Enthüllung entschuldigen. Die Monarchin war davon ausgegangen, dass das Gespräch vertraulich gewesen sei.
Die Queen äußert sich traditionell nicht in der Öffentlichkeit zu politischen Streitfragen. Und die Konvention für diejenigen, die mit ihr reden, lautet: Äußerungen der Königin bleiben vertraulich.
Dagegen verstieß der 54-jährige Gardner offenkundig in einem Interview mit dem Sender BBC Radio 4. Daraufhin schickte die Rundfunkanstalt ein Entschuldigungsschreiben in den Buckingham Palace, in dem die Senderleitung ihr Bedauern über die "komplett inakzeptablen" Äußerungen Gardners ausdrückte.
Der aus Ägypten stammende einäugige Imam, bei dem ein Haken eine fehlende Hand ersetzt, hatte in der Moschee von Finsbury Park im Norden von London gepredigt. In Großbritannien wurde er bereits im Februar 2006 wegen Aufrufs zu Rassenhass und Mordanschlägen zu sieben Jahren Haft verurteilt. Das Gespräch zwischen Gardner und dem Staatsoberhaupt über Hamza muss also aus der Zeit davor stammen.
Dem radikalen Iman werden in den USA elf Straftaten vorgeworfen. Unter anderem beschuldigen ihn die Amerikaner, im Jahr 1998 an einer Geiselnahme im Jemen beteiligt gewesen zu sein. Außerdem werden ihm die Einrichtung eines Terrorcamps im US-Bundesstaat Oregon in den Jahren 1999 und 2000 sowie die Unterstützung von Anschlägen in Afghanistan in den Jahren 1999 bis 2001 zur Last gelegt. Insgesamt liegen in den USA elf Anklagen gegen Hamza vor. Bei einer Verurteilung muss er mit lebenslanger Haft rechnen.
Die britische Innenministerin Theresa May kündigte nach dem Urteil von Montag an, Abu Hamza solle nun so schnell wie möglich außer Landes gebracht werden.
fab/AP/dpa
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