Beerdigung von Kaczynski Köhler und Merkel fliegen getrennt nach Polen

Kanzlerin Merkel und Bundespräsident Köhler reisen in verschiedenen Maschinen zur Trauerfeier für den polnischen Präsidenten Kaczynski. Nach dem Unglück von Smolensk hatte es Diskussionen über gemeinsame Flüge deutscher Spitzenpolitiker gegeben. In Polen regt sich indes Kritik an der Grabstätte für Kaczynski.

Warteschlange vor dem Präsidentenpalast: Trotz Trauer Diskussion um Grabstätte
dpa

Warteschlange vor dem Präsidentenpalast: Trotz Trauer Diskussion um Grabstätte


Berlin/Warschau - Zum Staatsbegräbnis für den verunglückten Präsidenten Lech Kaczynski werden am Sonntag Spitzenpolitiker aus aller Welt eingeflogen. Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Horst Köhler werden aber in getrennten Flugzeugen anreisen. Bundespräsident Horst Köhler werde vermutlich zusammen mit Abgeordneten und Ministern mit einem Regierungs-Airbus fliegen, teilte eine Sprecherin am Mittwoch mit. Auch Vizekanzler und Außenminister Guido Westerwelle soll dabei an Bord sein.

Die Kanzlerin reist mit ihrem Stab in einer kleineren Regierungsmaschine an. In Deutschland gibt es keine Vorschriften, die das gemeinsame Reisen von Spitzenpolitikern verbietet. Die Flugzeugkatastrophe von Smolensk hat einen Teil der polnischen Führungselite das Leben gekostet.

Nach dem Unglück war eine Diskussion darüber in Gang gekommen, ob die Kanzlerin und ihre Minister nicht mehr gemeinsam in einem Flugzeug reisen sollten. Das ist etwa dann der Fall, wenn das Kabinett zu Konsultationen mit Regierungen anderer Länder fliegt.

Führende Unionspolitiker sprachen sich dagegen aus, gemeinsame Reisen wichtiger Politiker zu verbieten. "Auch auf dem Boden müssen die Regierungsmitglieder vielfach beisammen sein, um ihre Arbeit zu machen, und auch da können Dinge passieren", sagte Unionsfraktionsvize Günter Krings. Bei aller Tragik der Flugzeug-Katastrophe in Russland gelte für jede Demokratie, dass Politiker ein Amt auf Zeit ausübten und "jederzeit ersetzbar" sein müssten, ohne dass der Staat Schaden nehme.

Der Innenausschussvorsitzende Wolfgang Bosbach (CDU) sagte der "Rheinischen Post", wichtiger als Obergrenzen für die Zahl reisender Politiker seien sichere Fluggeräte und die Vermeidung unnötiger Risiken.

"Unglückliche" Entscheidung rückgängig machen

In Polen ist unterdessen eine Debatte über die Grabstätte für den verunglückten Präsidenten entbrannt. Lech Kaczynski soll mit seiner Frau Maria auf der Wawel-Burg in Krakau neben polnischen Königen die letzte Ruhe finden. Doch in die Trauer mischt sich nun Kritik an der prominenten Grabstelle. So sprach sich der bekannte polnische Film-Regisseur Andrzej Wajda sich gegen eine Beisetzung Kaczynskis in der Königsburg aus.

Es gebe keinen Grund, dass der verunglückte Präsident die letzte Ruhe auf dem Wawel zwischen Polens Königen finden solle, schrieb Wajda in einem Brief, den die Zeitung "Gazeta Wyborcza" am Mittwoch auf ihrer Internetseite veröffentlichte. Der Regisseur rief die Krakauer Kirchenbehörden auf, diese "durchaus unglückliche" Entscheidung rückgängig zu machen.

Zugleich lobte Wajda das verstorbene Staatsoberhaupt: "Lech Kaczynski war ein guter und bescheidener Mensch." Ausdrücklich warnte der Filmemacher vor Protesten und einer tiefen Spaltung der Nation.

Doch bereits am Dienstagabend waren Hunderte Demonstranten aus Protest gegen die Wahl der Grabstätte auf die Straße gegangen. Sie schwenkten Transparente mit Aufschriften wie "Ist er wirklich der Könige würdig?" und "Nicht auf den Wawel!". Kaczynski war wegen seiner nationalistischen Politik zu Lebzeiten durchaus umstritten. Er war auch für seine konservative katholische Einstellung bekannt.

Der Krakauer Erzbischof Stanislaw Dziwisz mahnte, in solchen Zeiten müsse die polnische Gesellschaft zusammenstehen. "Spaltungen helfen niemandem", erklärte der Geistliche. Er hoffe, dass die ganze Gesellschaft die Entscheidung akzeptieren werde.

Nach Angaben von Parlamentschef Bronislaw Komorowski hatte sich die Familie des verunglückten Präsidentenpaares mit den Kirchenstellen auf die Beisetzung auf der Wawel-Burg geeinigt. Diese gilt als die nationale Grabstätte Polens. Dort fanden seit dem Mittelalter zahlreiche Könige, berühmte Staatsmänner und Nationaldichter ihre letzte Ruhe.

In Polen befürchtet man nun, dass es vor den Augen der Welt während der Beisetzung am Sonntag zu Protesten kommen könnte. Neben Merkel und Köhler werden unter anderem US-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle, und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy erwartet.

Neuwahlen wohl erst im Juni

Vor dem Präsidentenpalast in Warschau hatten auch in der Nacht und am Mittwochmorgen zahlreiche Menschen in der Kälte ausgeharrt, um dem Präsidentenpaar die letzte Ehre zu erweisen. Die Schlange, um zu den Särgen zu gelangen, war bis zu einen Kilometer lang, die Wartezeit betrug zehn Stunden.

Kaczynski und seine Frau waren am Samstag bei einem Flugzeugunglück in Russland ums Leben gekommen, Mit ihnen starben nach Angaben des russischen Zivilschutzministeriums weitere 95 Menschen.

Über den Termin für die Wahl eines neuen Präsidenten soll nach einer Entscheidung des polnischen Parlaments vom Mittwoch erst nach Kaczynskis Beisetzung entschieden werden. Als wahrscheinliches Datum für die Abstimmung wurde der 20. Juni genannt.

Laut Verfassung muss der Wahltermin innerhalb von zwei Wochen nach dem Tod des Präsidenten festgelegt werden und dann innerhalb von weiteren 60 Tagen stattfinden. Eine offizielle Ankündigung werde es erst am 21. April geben, sagte ein Berater von Ministerpräsident Donald Tusk.

mmq/dpa/AFP/apn

insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Rainer Helmbrecht 14.04.2010
1. Titel verweigert!
Zitat von sysopKanzlerin Merkel und Bundespräsident Köhler reisen in verschiedenen Maschinen zur Trauerfeier für den polnischen Präsidenten Kaczynski. Nach dem Unglück von Smolensk hatte es Diskussionen über gemeinsame Flüge deutscher Spitzenpolitiker gegeben. In Polen regt sich indes Kritik an der Grabstätte für Kaczynski. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,688843,00.html
Das macht man doch aber nur bei Eliten. Wir haben einfach zu viel Geld. Sollte tatsächlich etwas passieren, dann braucht man doch nur bei den Bertelsmännern anrufen, wie werden dem Bundestag schon auf die Sprünge helfen;o). MfG. Rainer
Spessartplato, 14.04.2010
2. ;-)
Zitat von sysopKanzlerin Merkel und Bundespräsident Köhler reisen in verschiedenen Maschinen zur Trauerfeier für den polnischen Präsidenten Kaczynski. Nach dem Unglück von Smolensk hatte es Diskussionen über gemeinsame Flüge deutscher Spitzenpolitiker gegeben. In Polen regt sich indes Kritik an der Grabstätte für Kaczynski. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,688843,00.html
Hat das Friede-Liz-Geheimkommando keine Ersatzkandidaten für den "Fall der Fälle?"
Invenire 14.04.2010
3. Getrennter Flug
Mathematisch kommt es auf das gleiche raus: Wenn die Absturzwahrscheinlichkeit pro Flug gleich hoch ist, können die Spitzenpolitiker auch gemeinsam in einer Maschine reisen, der Umwelt zuliebe. Schließlich könnte das aufgrund der sinnvollen Reisegemeinschaft nicht benötigte Flugzeug abstürzen, tut es aber nicht, weil es nicht eingesetzt, sondern z.B. gewartet wird (was in dieser Debatte auch eine Rolle spielt). Stürzt dann doch ausgerechnet diese Maschine der Reisegemeinschaft unglücklicherweise ab, sind wir trotz des unzweifelhaft schweren Schlags für die Betroffenen und deren Angehörige zum Glück eine Demokratie. Demokratien funktionieren weiter, wenn die Spitze abgewählt wird oder sogar unerwartet abstürzt. Schwieriger ist die Wahl des richtigen Transportmittels für Diktatoren. Aber auch ohne die geht alles weiter.
mundi 14.04.2010
4. Getrennte Flüge eines Ehepaares
Schon vor Jahren (um 1930) flog das Künstler-Ehepaar Martha Eggert und Jan Kiepura getrennt. Als Motiv wurden die Kinder genannt, die nicht Vollwaisen sein sollten, würde ein Unglück passieren.
chrimirk 14.04.2010
5. Wawel
Zitat von sysopKanzlerin Merkel und Bundespräsident Köhler reisen in verschiedenen Maschinen zur Trauerfeier für den polnischen Präsidenten Kaczynski. Nach dem Unglück von Smolensk hatte es Diskussionen über gemeinsame Flüge deutscher Spitzenpolitiker gegeben. In Polen regt sich indes Kritik an der Grabstätte für Kaczynski. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,688843,00.html
Die polnische Königsburg Wawel in Krakau ist die Ruhestätte polnischer Monarchen (auch August der Starke liegt dort!), hervoragender polnischer Künstler, Aufständischen und des Präsidenten Pilsudski. L. Kaczynski war ein demokratisch gewählter Staatspräsident eines demokratischen Polen. Er konnte gewählt und abgewählt werden. Er war ein GEWÄHLTER und nicht ein ERWÄHLTER (...dero von Gottes Gnaden!) Staatsführer. Warum sollen Staatsführer der Demokratien plötzlich neben den Monarchen beerdigt werden? In Warschau gibt es genügend würdevoller Plätze für ein Staatsakt und eine Präsidentenruhestätte. Herr Wajda und mit ihm viele andere besonne Polen haben da m. E. völlig recht. Aber es ist Sache unser Nachbarn, es steht uns nicht zu, sich einzumischen. Die Tragödie ist schlimm genug. Die kommenden Tage werden noch sehr viel Spannung und Unfrieden in Polen verursachen. Ich wünsche unseren Nachbarn viel Kraft bei der Bewältigung der kommenden Wochen und Monate.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.