Befehle ignoriert Libysche Piloten setzen sich nach Malta ab

Libyens Militär distanziert sich zunehmend von Machthaber Muammar al-Gaddafi. Zwei Piloten der Luftwaffe sind mit ihren Kampfjets nach Malta geflogen und haben dort Asyl beantragt. Die Soldaten verweigerten den Befehl, auf Demonstranten zu schießen.

AP

Tripolis/Luqa - Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi klammert sich an die Macht und setzt militärische Gewalt gegen das eigene Volk ein. Doch nicht alle Soldaten gehorchen Gaddafis Befehlen - und zwei Piloten haben sich sogar von den Streitkräften abgesetzt, um nicht auf ihre Landsleute schießen zu müssen.

Die beiden Soldaten flogen mit zwei Kampfflugzeugen der libyschen Luftwaffe am Montag den Internationalen Flughafen des Mittelmeerstaates Malta an. Um 16.32 Uhr Ortszeit seien die beiden Jets des Typs Mirage F1 gelandet, berichtete der "Malta Independent" in seiner Online-Ausgabe. Nach übereinstimmenden Angaben mehrerer Medien begannen nur wenige Minuten später die Angriffe des libyschen Militärs auf die Demonstranten in der libyschen Hauptstadt Tripolis.

Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira berichtete, den Piloten sei befohlen worden, Demonstranten in der Stadt Bengasi anzugreifen. Laut "Times of Malta" waren die Piloten nach dem Start in Libyen kurz davor, ihre Befehle auszuführen. Doch dann hätten sie ihre Entscheidung geändert und beschlossen, den Flughafen in der Nähe des maltesischen Ortes Luqa anzufliegen. Von Tripolis nach Malta sind es etwa 350 Kilometer.

Deserteure werden in Libyen umgebracht

Die Zeitung "Times of Malta" berichtet auf ihrer Internetseite, die beiden Piloten hätten wegen Treibstoffknappheit um Landeerlaubnis gebeten. Nach der Landung beantragten beide Piloten offiziellen maltesischen Angaben zufolge politisches Asyl. Das Büro der Flüchtlingsagentur der Vereinten Nationen, UNHCR, bearbeitet nach Angaben des "Malta Star" das Asylgesuch. Der Zeitung zufolge werden in Libyen Deserteure umgebracht.

Die beiden Männer, offenbar beide im Dienstgrad eines Oberst, wurden von der Polizei in Gewahrsam genommen und durch maltesische Einwanderungsbeamte befragt. Sie gaben an, auf dem Luftwaffenstützpunkt Okba Ben Nafi in der Nähe von Tripolis stationiert gewesen zu sein. Ersten Erkenntnissen zufolge sei ihre Schilderung wahr, schrieb die "Times of Malta". Damit scheint sich zu bestätigen, dass die libysche Luftwaffe tatsächlich eingesetzt wird, um die Proteste gewaltsam zu unterdrücken.

Die beiden Kampfflugzeuge wurden auf dem Teil des Rollfelds geparkt, der nicht für den kommerziellen Flugverkehr genutzt wird. Maltesische Sicherheitskräfte bewachen die Jets.

Der "Times of Malta" zufolge sagten Libyer, die an dem maltesischen Flughafen waren, es sei nicht das erste Mal, dass solche Maschinen für Angriffe auf Zivilisten benutzt worden seien. Die Beschreibung der Kampfjets decke sich mit den Beschreibungen von Freunden und Bekannten aus der libyschen Stadt Bengasi, wonach solche Flugzeuge eingesetzt worden seien, um Protestierende zu erschießen. Es sei ebenfalls nicht das erste Mal, dass Piloten sich abgesetzt und in einem anderen Land Zuflucht gesucht hätten.

Etwa eine Stunde vor den Kampfflugzeugen waren auf dem Flughafen zwei zivile Helikopter eingetroffen. An Bord waren offenbar sieben Personen, die im Auftrag einer italienischen Firma in Libyen arbeiteten. Laut "Times of Malta" waren sie so überstürzt aus Libyen abgeflogen, dass nur einer der Passagiere einen Pass dabei hatte. Bei den Helikopterinsassen handelt es sich offenbar um Franzosen.

ulz



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pendare_nik, 22.02.2011
1. Aus für Ghaddafi
Zitat von sysopLibyens Regime schießt offenbar aus Kampfflugzeugen und Hubschraubern auf Demonstranten, es gibt Hunderte Tote. Doch die Regierungskritiker protestieren weiter. Die Macht droht Diktator Gaddafi zu entgleiten - nun haben sich auch wichtige Stämme von ihm distanziert. Wie lange kann Gaddafi sich noch halten?
Die Entfernung von Ghazzafi scheint kurz bevor zu stehen, der Goldpreis hat sich schon wieder etwas beruhigt, die Ungewissheit ist bald zuende. Die Bedeutung des Sturzes Ghaddafis liegt darin, dass andere Diktatoren, von Marokko bis Saudi Arabien, jetzt Angst vor dem Volk haben. Hier sollte ein Exemple statuiert werden, an dem sich andere Politiker und Machthaber orientieren können. Ob es aber zu einem Schauprozess kommen wird, ist fraglich, Ghaddafi hat viele gute Freund, wie z.B. Berlusconi: "der italienische Ministerpräsident [hat sich] von seinem «guten Freund» Ghadhafi distanziert" http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/berlusconi_verurteilt_inakzeptable_gewalt_in_libyen_1.9637778.html Sag mir, wer deine Freunde sind, dann sag ich wer du bist.
Katzenfreund, 22.02.2011
2. Wer kann das schon wissen
Im Augenblick ist es kaum möglich darüber Aussagen zu machen. Es steht ja noch nicht einmal fest wer in Libyen die Oberhand behält.Gelingt es G. an der Macht zu bleiben,oder nicht?
Akku, 22.02.2011
3. Geht ja schnell
Haben die Amerikaner schon jemand für seine Nachfolge festgelegt?
naabaya 22.02.2011
4. Militär
Zitat von AkkuHaben die Amerikaner schon jemand für seine Nachfolge festgelegt?
Irgendein General wirds schon machen. Wie soll man auf die Schnelle eine demokratische Regierung installieren? Weiter gehts nach Schema F!
Katzenfreund, 22.02.2011
5. Was passiert
Was passiert eigentlich,sollte das alte Regime stürtzen. In Libyen gibt es keine Parteien. Wer oder was soll die Regierungsgeschäfte führen? Wer bestimmt wer die Staatsgewalt übernimmt. Was werden die Clans machen? Werden sich die Clans gegenseitig bekämpfen? Oder werden die Clans zusammenarbeiten? Wer entscheidet wie die Gas und Öl Einnahmen verteilt werden? Wer sichert die Grenzen? Es gibt viele Fragen und keine Antworten.
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