Bei Angriff auf Kurden Trump droht Türkei mit "wirtschaftlicher Zerstörung"

Seit Donald Trump den Abzug der US-Truppen aus Syrien verkündet hat, fürchten kurdische Truppen einen Angriff der Türkei. Der US-Präsident richtet deswegen nun eine scharfe Warnung an Ankara.

Trump und Erdogan in Brüssel (Juli 2018)
REUTERS

Trump und Erdogan in Brüssel (Juli 2018)


US-Präsident Donald Trump hat die Türkei im Falle eines Angriffs auf kurdische Truppen in Nordsyrien gewarnt: Die Türkei werde "wirtschaftlich zerstört" werden, wenn sie die Kurden angreife, schrieb Trump am Sonntagabend auf Twitter über den Nato-Partner.

In einer weiteren Nachricht fügte er hinzu: "Gleichzeitig will ich auch nicht, dass die Kurden die Türkei provozieren." Trump schrieb zudem von der Schaffung einer Sicherheitszone von 32 Kilometern, führte das aber nicht näher aus. Was er genau mit "wirtschaftlicher Zerstörung" meinte, ließ Trump ebenfalls offen.

Die mit den USA alliierten Kurden in Nordsyrien fürchten nach dem Rückzug der US-Soldaten aus dem Land einen Angriff der Türkei. Ankara sieht die kurdischen Kämpfer der YPG als Terroristen und verlängerten Arm der in der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte erst am vergangenen Dienstag erklärt, sehr bald zur Tat schreiten zu wollen, "um diese Terrororganisationen auf syrischem Boden zu neutralisieren".

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu kritisierte Trump für seine öffentlichen Drohungen gegen die Türkei. "Strategische Partner sprechen nicht über Twitter und soziale Medien miteinander", sagte Cavusoglu am Montag während einer Pressekonferenz mit seinem luxemburgischen Amtskollegen Jean Asselborn.

"Wir finden den Tweet von Trump ... und besonders den Ton nicht richtig", sagte Cavusoglu weiter. Die türkische Regierung sehe aber, dass auf Trump "enormer Druck" laste. "Er hat den Abzug (der US-Truppen aus Syrien) entschieden, aber besonders die Sicherheitsbehörden machen ständig Druck, damit die USA sich nicht zurückzieht."

Nach Trumps jüngsten Tweets hatte sich auch Erdogans Sprecher via Twitter an den US-Präsidenten gewandt. "Terroristen können nicht ihre Partner und Verbündeten sein", schrieb Ibrahim Kalin. Die Türkei erwarte von den USA, die strategische Partnerschaft zu respektieren - man wolle nicht, dass sie von "Terroristenpropaganda" überschattet werde. Es gebe keinen Unterschied zwischen dem "Islamischen Staat", der PKK oder der YPG, schrieb Kalin. "Wir werden auch weiterhin gegen sie alle kämpfen."

Im Dezember hatte Erdogan eine Offensive gegen die kurdischen Truppen vorerst auf Eis gelegt, nachdem die USA ihren Truppenabzug aus Syrien angekündigt hatten. Am Donnerstag betonte Außenminister Mevlüt Cavusoglu in einem Interview des Senders NTV allerdings, dass die Türkei losschlagen werde, sollten die USA ihren Abzug zu lange hinauszögern. Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete am Samstag, die Türkei habe ihre Truppen an der Grenze zum kurdisch kontrollierten Teil Syriens verstärkt. Es handele sich um Kampfpanzer und Truppen.

Trotz der türkischen Drohungen hatte sich US-Außenminister Mike Pompeo am Wochenende zuversichtlich gezeigt, dass sich die USA und die Türkei auf den Schutz der kurdischen Truppen einigen könnten. Er habe mit dem türkischen Außenminister gesprochen, und obwohl noch viele Details ausgearbeitet werden müssten, sei er optimistisch, dass man einen guten Ausgang erzielen könne, sagte Pompeo am Samstag bei einem Besuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten laut einer Abschrift des Außenministeriums. Wie das gelingen soll, ließ er allerdings offen.

US-Militär in Syrien
AFP

US-Militär in Syrien

Über die konkreten Rückzugspläne der USA herrscht zudem seit Tagen Verwirrung in den USA, weil sich Regierungsvertreter widersprüchlich dazu äußerten. Die USA haben rund 2000 US-Soldaten in Syrien, die gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) kämpfen. Trump hatte am 19. Dezember bekannt gegeben, sie abziehen zu wollen. Das löste heftige Kritik aus und führte unter anderem zum Rücktritt von Verteidigungsminister James Mattis.

Am vergangenen Freitag hieß es, die USA hätten mit dem Truppenabzug begonnen. In der Nacht zu Samstag stellte ein Pentagonsprecher aber klar, dass bislang noch keine Soldaten aus Syrien abgezogen worden seien. Zunächst seien nur eine Reihe von "logistischen Maßnahmen" umgesetzt worden, teilte er mit.

Trump erklärte am Sonntag, das US-Militär werde hart gegen die verbliebenen IS-Kämpfer vorgehen. Sollte sich die Terrormiliz erneut formieren, würden die USA sie von einer nahen Militärbasis angreifen.

aar/dpa/AFP

insgesamt 42 Beiträge
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sven2016 14.01.2019
1. Der Deal maker hat wieder zugeschlagen.
Außer Drohungen und heiße Luft geht bei dem nicht viel. Kann den nicht jemand stilllegen? Morgen ist er dann wieder bester Freund mit Erdogan oder?
dirkcoe 14.01.2019
2. Das ist nur Ablenkung
Wie immer, wenn der innenpolitische Druck zu groß wird, versucht Trump durch irgendetwas von seinem Elend abzulenken. Also droht er um so was wie Handlungsfähigkeit zu heucheln. Leider übersieht er einmal mehr - er sucht eine Lôsung für ein Problem, das es ohne ihn gar nicht geben würde.
Listkaefer 14.01.2019
3. Trump setzt die wirtschaftlichen ...
... Beziehungen der USA mit wichtigen Partnern rücksichtlos ein, um politische Interessen der USA durchzusetzen. Sein Land ist groß und mächtig. Aber Konflikte mit der halben Welt könnten dazu führen, die eigene Wirtschaft empfindlich zu schädigen.
AmyYma 14.01.2019
4. NATO-Mitglied bedrot NATO-Mitglied
Vielleicht sollte die USA aus der NATO austreten. Die USA treten ja aus vielen Bündnissen aus bzw. kündigen Verträge. Wenn sie einmal dabei sind ...
Partyzant 14.01.2019
5. wenn zwei sich streiten
freut sich der dritte...und das ist Russland. Der Sultan ist sowieso von dem russischen Diktator mehr überzeugt als von der westlichen demokratieversion.
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