Beim Hungergipfel Ahmadinedschad tobt in Rom gegen Israel

Eigentlich ging es um die Bekämpfung des Hungers - doch Irans Präsident Ahmadinedschad hat den Welternährungsgipfel in Rom als Plattform für Angriffe gegen Israel missbraucht. Die israelische Regierung werde demnächst von der Weltbühne verschwinden.


Rom - "Die Völker Europas haben am meisten Schaden durch die Zionisten erlitten", sagte Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad laut italienischen Medienberichten nach seiner Ankunft in Rom. Auf den europäischen Schultern lägen heute die politischen und wirtschaftlichen Kosten für diese "gefälschte Regierung", sagte er mit Bezug auf Israel. Mitglieder der jüdischen Gemeinde protestierten in Rom gegen den Besuch des iranischen Präsidenten und warfen Flugblätter vom antiken Kolosseum.

Ahmadinedschad: "Die Welt wird heute von inkompetenten Menschen gelenkt"
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Ahmadinedschad: "Die Welt wird heute von inkompetenten Menschen gelenkt"

Vor seiner Abreise nach Rom hatte Ahmadinedschad in Teheran erneut gesagt, die israelische Regierung werde demnächst von der Weltbühne verschwinden. Auf eine Frage nach seinen verbalen Angriffen auf Israel erklärte der iranische Präsident, Palästina leide nun bereits seit 60 Jahren unter der israelischen Besatzung: "Ein Regime, das Frauen und Kinder in ihrer eigenen Heimat tötet, ist dem Untergang geweiht." Gleichzeitig kritisierte er mit scharfen Worten das Verhalten der USA und speziell die Kriege im Irak und in Afghanistan.

Er gab den Mächtigen der Welt die Schuld an den derzeitigen globalen Problemen. Ohne einzelne Länder zu nennen, erklärte Ahmadinedschad, die Welt werde heute von inkompetenten Menschen gelenkt. "Diese führen Krieg, um ihre Waffen verkaufen zu können, sie denken nur ans Geld und an die Herrschaft über die Welt", sagte er bei einer Pressekonferenz im Rahmen des Welternährungsgipfels.

Zuvor hatte Ahmadinedschad bei einer Rede vor den Konferenzteilnehmern den Westen für die weltweite Lebensmittelkrise verantwortlich gemacht. "Es ist klar, dass unsichtbare und sichtbare Hände am Werk sind, die lügnerisch die Preise kontrollieren, um ihre politischen und wirtschaftlichen Ziele zu erreichen", erklärte er. Zudem drängte Ahmadinedschad darauf, die derzeitige Krise in einem neuen "unabhängigen und mächtigen Gremium" außerhalb der Vereinten Nationen anzugehen. Die bestehenden "Uno-Mechanismen" könnten die Situation nicht verbessern, wenn "bestimmte Mächte" den Sicherheitsrat instrumentalisierten, fügte er hinzu.

Ahmadinedschad begann seine Rede mit einem Gebet und einem Lobgesang auf den am 3. Juni 1989 gestorbenen iranischen Revolutionsführer Ajatollah Khomeini. Die Reise nach Rom ist seine erste in ein EU-Land seit seiner Wahl 2005.

Livni: Militärangriff auf den Iran immer noch eine Möglichkeit

Die israelische Außenministerin Zipi Livni hat betont, ein Militärangriff auf den Iran sei immer noch eine Option. Liwni sagte nach israelischen Medienberichten vor dem parlamentarischen Ausschuss für Außen- und Sicherheitspolitik in Jerusalem, eine rasche Entscheidung hinsichtlich des weiteren Vorgehens sei angesichts möglicher Fortschritte beim iranischen Atomprogramm dringend notwendig.

In der nahöstlichen Region könne man den "Nachbarschaftsrüpel entweder zusammenschlagen oder sich mit ihm zusammentun". Ein zögerliches Vorgehen Israels und der internationalen Gemeinschaft könnten im Iran nur den Eindruck von Schwäche erwecken, betonte sie den Angaben zufolge.

Solana reist am 14. Juni nach Teheran

Im Ringen um eine Lösung des Atomstreits mit dem Iran reist EU-Chefdiplomat Javier Solana nach US-Angaben am 14. Juni nach Teheran. Solana werde der iranischen Regierung im Gegenzug für eine Beendigung des Atomprogramms mehrere Angebote unterbreiten, sagte der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Zalmay Khalilzad, in New York. "Wir werden sehen, womit er zurückkehrt." Die Vereinten Nationen fordern vom Iran, das Programm zur Anreicherung von Uran zu stoppen. Das Land wird verdächtigt, nach Atomwaffen zu streben. Teheran hat stets erklärt, die Atomkraft lediglich zur Stromgewinnung nutzen zu wollen.

asc/dpa/Reuters/AFP



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