Beistandspakt China warnt USA vor Angriff auf Pakistan

Nach dem tödlichen US-Einsatz gegen Osama Bin Laden hat Peking den USA offenbar eine harsche diplomatische Warnung zukommen lassen: Jeder Angriff auf Pakistan werde künftig wie eine Attacke auf China gewertet. Die Rückendeckung kommt Islamabad gerade recht - die Beziehungen zu Washington sind eisig.

Von , Islamabad

Pakistans Regierungschef Gilani zu Besuch bei Chinas Premier Wen: "Passende Antwort"
DPA

Pakistans Regierungschef Gilani zu Besuch bei Chinas Premier Wen: "Passende Antwort"


Harsche Worte fanden chinesische Diplomaten für ihre amerikanischen Gesprächspartner: Sollte Amerika jemals auf die Idee kommen, Pakistan anzugreifen und Truppen in das Land zu entsenden, würde Peking das als Angriff auf China werten und entsprechend reagieren.

Diese unverhüllte Drohung sollen chinesische Unterhändler bereits am 9. Mai, eine Woche nach der Tötung von Osama Bin Laden im pakistanischen Abbottabad, in Washington bei einem US-chinesischen Treffen zu strategischen und wirtschaftlichen Fragen ausgesprochen haben. Das teilte ein hochrangiger pakistanischer Diplomat SPIEGEL ONLINE jetzt mit. Angeführt wurde die chinesische Delegation dabei von Vize-Premier Wang Qishan.

China hatte bereits kurz nach dem US-Einsatz gegen Bin Laden erklärt, man verurteile die "Missachtung der pakistanischen Souveränität". Vergangene Woche ließ das Außenministerium in Peking erneut eine Mitteilung verbreiten, wonach "die Souveränität und territoriale Integrität Pakistans respektiert werden müssen". Offensichtlich hält man in Peking eine militärische Intervention der USA in Pakistan für möglich.

Zweifel an Pakistans Zuverlässigkeit

Pakistan fühlt sich nach dem nicht abgesprochenen Schlag einer US-Navy-Seals-Einheit gegen Bin Laden von den USA isoliert. Premierminister Yousuf Raza Gilani drohte in einer Rede vor dem Parlament in Islamabad ebenfalls mit militärischen Konsequenzen. "Jeder Angriff auf pakistanische strategische Ziele, ob offen oder verdeckt, wird eine passende Antwort nach sich ziehen. Pakistan hält sich das Recht bevor, mit voller Kraft zurückzuschlagen. Niemand sollte die Entschlossenheit und Fähigkeit unserer Nation und unserer Streitkräfte unterschätzen, unser heiliges Heimatland zu verteidigen."

Pakistan ist zwar Anti-Terror-Partner Amerikas, jedoch zweifeln nicht wenige in Washington an der Zuverlässigkeit Pakistans in dieser Funktion. Ein rund 16 Stunden dauernder Terrorangriff von Sonntag auf Montag auf einen pakistanischen Marinestützpunkt in Karatschi nährt erneut Vermutungen, dass Mitglieder der Streitkräfte selbst den Militanten Informationen und Ausrüstung liefern; die sechs Angreifer verfügten über moderne Waffen und genaue Kenntnisse der militärischen Anlage.

Die anti-amerikanische Stimmung in Pakistan, befeuert von US-Drohnenangriffen im Grenzgebiet zu Afghanistan, bei denen regelmäßig auch Zivilisten umkommen, hatte Ende Januar noch zugenommen, als ein CIA-Söldner in Lahore auf offener Straße zwei Männer erschoss. Washington pochte auf diplomatische Immunität für den Mann, der im März gegen Zahlung eines Blutgeldes freikam.

"Bester Freund, bewährter Allwetterfreund"

Die Solidaritätsbekundungen aus China kommen da nach dem Tod Bin Ladens gerade recht: Pakistan steht blamiert da, seit Tagen heißt es selbst in den einheimischen Zeitungen, die Regierung, zumindest aber Armee und Geheimdienst seien entweder Komplizen Bin Ladens gewesen oder komplett unfähig. Anders sei nicht zu erklären, dass der Chef des Terrornetzwerks al-Qaida, meistgesuchter Mensch der Welt, mehrere Jahre lang unerkannt in der Garnisonsstadt Abbottabad leben konnte, heißt es in zahlreichen Berichten.

China war nach Angaben der pakistanischen Regierung das erste Land, das nach dem Einsatz des US-Kommandos Solidarität mit Pakistan bekundete. China verlange von anderen Ländern Nichteinmischung, verurteile aber auch Länder, die sich in anderen Staaten einmischten, lobte ein pakistanischer Ministerialbeamter aus dem Außenministerium die chinesische Haltung.

Vergangene Woche reiste Gilani nach Shanghai und nannte China "unseren besten und vertrauenswürdigsten Freund". Der Nachrichtenagentur Xinhua sagte er, er wisse zu schätzen, dass China auch in schwierigen Zeiten zu Pakistan gestanden habe. "Deshalb nennen wir China einen wahren Freund, einen bewährten Allwetterfreund". In den USA sorgten diese Äußerungen für Irritationen, mehrere US-Politiker forderten, die finanziellen Hilfen für Pakistan - auf zivilem, vor allem aber auf militärischem Gebiet - zu streichen.

Gemeinsame Feindschaft zu Indien

Die Reise Gilanis nach China zum 60-jährigen Bestehen der diplomatischen Beziehungen beider Länder sollte auch ein Signal sein, dass Pakistan nicht auf die USA angewiesen ist. Nach Angaben der pakistanischen Luftwaffe wird China 50 Kampfflugzeuge liefern. Damit, sagte ein hochrangiger Luftwaffenoffizier, habe man "eine echte Alternative zu Jets aus amerikanischer Produktion, die nicht unbedingt besser, aber auf jeden Fall viermal so teuer sind". Es handelt sich dabei um den Typ JF-17 Thunder, den China und Pakistan gemeinsam entwickelt haben.

Pakistan und China, die kulturell wenig eint, bringt vor allem eines zusammen: die gemeinsame Feindschaft zu Indien. Pakistan hat inzwischen vier Kriege gegen Indien geführt, Indien und China kämpften Mitte der sechziger Jahre um den Grenzverlauf. Bis heute ist die Grenze umstritten. Zudem streiten die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Erde um die wirtschaftliche und politische Vorherrschaft.

Indische Politiker und Militärs haben anklingen lassen, dass sie sich vorstellen könnten, ebenfalls Einsätze auf eigene Faust in pakistanischem Territorium durchzuführen, sollte Pakistan sich weigern, gesuchte Terroristen an Indien auszuliefern. Insofern könnte die chinesische Solidaritätserklärung auch als Signal an Neu-Delhi gelten, sagt der politische Analyst und pensionierte General Talat Masood. "Wenn der Druck aus den USA und aus Indien anhält, kann Pakistan sagen: 'China steht hinter uns. Glaubt nicht, dass wir isoliert sind, wir haben eine Großmacht hinter uns", sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

So waren es auch indische Zeitungen, die Chinas Drohung gegenüber Amerika, einen Angriff auf Pakistan als Angriff auf China zu werten, genau registrierten. Die "Times of India" berichtete, dass Pakistan sicherlich Teile des bei der Bin-Laden-Aktion zurückgelassenen US-Stealth-Hubschraubers an China weitergegeben habe.



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insgesamt 93 Beiträge
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Satiro, 24.05.2011
1. Propaganda auf Chinesisch ?
Zitat von sysopNach dem tödlichen US-Einsatz gegen Osama Bin Laden hat Peking den USA offenbar eine harsche diplomatische Warnung zukommen lassen: Jeder Angriff auf Pakistan werde künftig wie eine Attacke*auf China gewertet. Die Rückendeckung kommt Islamabad gerade recht - die Beziehungen zu Washington sind eisig. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,764628,00.html
Aber Pakistan weiter zu subventionieren das sei den doofen Ammis noch erlaubt ?
pronoah, 24.05.2011
2. .
Zitat von sysopNach dem tödlichen US-Einsatz gegen Osama Bin Laden hat Peking den USA offenbar eine harsche diplomatische Warnung zukommen lassen: Jeder Angriff auf Pakistan werde künftig wie eine Attacke*auf China gewertet. Die Rückendeckung kommt Islamabad gerade recht - die Beziehungen zu Washington sind eisig. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,764628,00.html
Aha, dann ist also gestern nach deren eigener kruden Logik, China direkt von den Taliban angegriffen worden. Wo bleibt dann die chinesische Antwort gegen die Taliban? Alles nur Muskelspiele, um die inoffizielle Weltherrschaft auszuloten? Kindergarten.
Berta, 24.05.2011
3. Im Kapitalismus
dauert es nicht lange bis zum nächsten Weltkrieg.
kundennummer 24.05.2011
4. Brandheisse News
Zitat von sysopNach dem tödlichen US-Einsatz gegen Osama Bin Laden hat Peking den USA offenbar eine harsche diplomatische Warnung zukommen lassen: Jeder Angriff auf Pakistan werde künftig wie eine Attacke*auf China gewertet. Die Rückendeckung kommt Islamabad gerade recht - die Beziehungen zu Washington sind eisig. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,764628,00.html
Super SPIEGEL. Die Meldung lief gestern bereits bei den KOPP-Nachrichten mit Eva Herman als Topmeldung. Weiter so!
Zereus 24.05.2011
5. ...
Überrascht mich wenig. Eigentlich hat es mich eh schon länger gewundert, wieso die Chinesen die USA in ihrem Hinterhof ohne all zu großes Murren fröhlich Terroristen jagen lassen. Man muss sich denke ich einfach mal vorstellen, was passieren würde, würden die Chinesen in - sagen wir mal - Mexiko, nahe der amerikanischen Grenze, Drogendealer jagen würden und seit 10 Jahren meinetwegen Kolumbien besetzt hielten, weil die Dealer dort ja mal hergekommen sind. Das würde schneller zu einem echten Krieg führen, als sich irgendjemand vorstellen kann...
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