ThemaNatoRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Beitrittsdiskussion Nato-Planspiele lassen Russen kalt

Russische Soldaten bei Militärparade: Reif für die Nato?Zur Großansicht
REUTERS

Russische Soldaten bei Militärparade: Reif für die Nato?

5. Teil: Und Russland? Nicht in diese Nato

Und wie reagiert nun Moskau selbst auf einen möglichen Nato-Beitritt? Eher unwillig. Das liegt vor allem an der aus russischer Sicht begrenzten Attraktivität des Vorschlags, die Nato solle eine Mitgliedschaft Moskaus erwägen.

Russland will nicht in das Bündnis. Oder besser gesagt: nicht in diese Nato. "Soll Russland eine praktische Mitgliedschaftsperspektive haben, muss sich die Allianz erst verändern", sagt Fjodor Lukjanow, Herausgeber der Zeitschrift "Russia in Global Affairs", zu SPIEGEL ONLINE.

Rund 60 Prozent der russischen Bevölkerung sehen in der heutigen Nato noch immer den alten Rivalen aus den Tagen des Kalten Kriegs. Auch die neue russische Militärdoktrin, von Präsident Dmitrij Medwedew erst im Februar unterzeichnet, benennt die Nato und ihre Expansion gen Osten explizit als militärische Bedrohung Russlands.

Auf der anderen Seite ziehen Russland und die Nato seit geraumer Zeit in Sachen Afghanistan an einem Strang. Bei seinem Besuch in Moskau warb Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen um russische Unterstützung, er bat um Hubschrauber heimischer Bauart und Polizeiausbilder. Russland versagt dem Bündnis die Hilfe nicht - auch wenn Russlands Botschafter bei der Nato, Dmitrij Rogosin, im Interview mit SPIEGEL ONLINE deutlich machte, dass Russland klare Gegenleistungen für die Hilfe erwartet. Russland fürchtet eine Scheitern der Nato am Hindukusch und eine Destabilisierung von Zentralasien.

Doch das gemeinsame Streben nach einer Stabilisierung von Afghanistan kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Gegensätze zwischen Russland und der Allianz weiter bestehen und erhebliches Konfliktpotential bieten, etwa die Frage einer US-Raketenabwehr in Europa.

"Heute wird die Nato durch ein Land dominiert: die Vereinigten Staaten", erklärt Außenpolitik-Experte Lukjanow. "Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Russland einer amerikanischen Vorherrschaft in diesem Block so zustimmt, wie dies die Europäer getan haben."

Die Angst vor feindlichen Absichten der Nato bleibt

Ob gerechtfertigt oder nicht: Fakt ist, dass russische Spitzenpolitiker in der Nato noch heute jenen Militärblock sehen, der einst vor allem als Bündnis gegen die Sowjetunion gegründet wurde. Er biete demjenigen eine Million Dollar, ließ Moskaus Nato-Gesandter Rogosin erst Ende der vergangenen Woche verlauten, der ihm beweisen könne, dass die Allianz rein friedliche Absichten gegenüber Russland hege.

Russland will eine Neuorganisation der europäischen und transatlantischen Sicherheit - und sieht sich dabei auf Augenhöhe mit der Europäischen Union und den USA. Seit fast zwei Jahren wirbt Staatschef Medwedew schon für eine neue "transatlantische Sicherheitsarchitektur zwischen Vancouver und Wladiwostok". Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatschef Sarkozy lobten den Vorschlag wortreich auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2009. Sie meinten aber freilich nur, Russland dürfe sich gern in den bestehenden Strukturen einbringen. Medwedews Vorstoß legten sie geflissentlich zu den Akten.

Der Rühe-Vorschlag, so Experte Lukjanow, lässt überdies eine andere Frage unbeantwortet: das Verhältnis zu China. "Peking will auf keinen Fall, dass sich ein militärisch-politisches Bündnis wie die Nato bis an seine Grenzen nähert. Auf der anderen Seite sehe ich aber auch auf Seiten der Europäer wenig Bereitschaft, die Sicherheit Russlands zu garantieren und dafür im Zweifel auch die guten Beziehungen zu China aufs Spiel zu setzen."

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 820 Beiträge
semir 08.03.2010
Ein Verteidigungsbündnis ohne Feinde ist nicht überlebensfähig.
Zitat von sysopWenn das Verteidigungsbündnis überleben will, muss es sich öffnen.
Ein Verteidigungsbündnis ohne Feinde ist nicht überlebensfähig.
freierbuerger 08.03.2010
Russland könnte nur Mitglied werden, wenn es sich entscheident verändern würde. Das sehe ich auf absehbare Zeit nicht. Und dann gibt es noch einen viele wichtigeren Grund, der gegen eine Mitgliedschaft Russlands in der NATO [...]
Zitat von sysopWenn das Verteidigungsbündnis überleben will, muss es sich öffnen. Doch dafür müsste sich auch der Kreml bewegen: in Richtung politischer Pluralismus, Grundrechte, Pressefreiheit, freie Marktwirtschaft. Liegt die Zukunft der Nato in einer Allianz aus Nordamerika, Europa - und Russland?
Russland könnte nur Mitglied werden, wenn es sich entscheident verändern würde. Das sehe ich auf absehbare Zeit nicht. Und dann gibt es noch einen viele wichtigeren Grund, der gegen eine Mitgliedschaft Russlands in der NATO spricht: Die NATO ist ein Bündnis unter US-amerikanischer Führung und Kontrolle. Das würde Russland aus seinem Selbstverständnis als ebenbürdige Weltmacht nie akzeptieren. Die USA werden aber nicht auf ihre alleinige Führung im Bündnis verzichten.
Core Dump 08.03.2010
RUS + EU + USA == NATO/Norden. Rest der Welt == Sueden. Genug Feinde fuer jeden nehem ich an. Am Ende bleibt immernoch NATO/Norden versus China als moeglicher Feind.
Zitat von semirEin Verteidigungsbündnis ohne Feinde ist nicht überlebensfähig.
RUS + EU + USA == NATO/Norden. Rest der Welt == Sueden. Genug Feinde fuer jeden nehem ich an. Am Ende bleibt immernoch NATO/Norden versus China als moeglicher Feind.
nici2412 08.03.2010
Feinde kann man genug finden. China setzt seine außenpolitischen Ziele immer selbstbewusster durch. Außerdem gibt es noch den Kampf gegen den islamischen Terrorismus. Ich halte die Aufnahme Russlands für längst überfällig. [...]
Zitat von semirEin Verteidigungsbündnis ohne Feinde ist nicht überlebensfähig.
Feinde kann man genug finden. China setzt seine außenpolitischen Ziele immer selbstbewusster durch. Außerdem gibt es noch den Kampf gegen den islamischen Terrorismus. Ich halte die Aufnahme Russlands für längst überfällig. Russlands Kultur ist der des Westens sehr ähnlich. Militärisch gesehen wäre Russland ein Glücksfall für die NATO und das Feindbild aus dem Kalten Krieg wäre endgültig verschwunden. Gibt aber noch weitere Länder die ich gern in der NATO sehen würde. Japan, Indien z.B. Aber das bleibt wohl erstmal Wunschdenken:)
dr.edi 08.03.2010
es stellt sich doch eher die Frage ob nicht die Nato überholt ist. Es hat den Anschein das es ähnlich der EU läuft, weil jeder reinwill. Sinn und zweck?!? Warschauer Pakt gibt es auch nicht mehr,warum also dann noch die Nato. [...]
es stellt sich doch eher die Frage ob nicht die Nato überholt ist. Es hat den Anschein das es ähnlich der EU läuft, weil jeder reinwill. Sinn und zweck?!? Warschauer Pakt gibt es auch nicht mehr,warum also dann noch die Nato. Insgesamt wäre es aber nicht schlecht mehr auf den Kreml zuzugehen. Das würde allen helfen. Und ob wir uns die große Menschenrechte und Demokratie auf die Mütze schreiben können, nach massivsten Fehlgriffen bleibt höchst fragwürdig.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Nato

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Illustration Tim O'Brien für den SPIEGEL

Heft 10/2010:
Die Euro-Lüge

"Ein Mitgliedstaat haftet nicht für die Verbindlichkeiten eines anderen Mitgliedstaats"

Inhaltsverzeichnis

Titelthema - diskutieren Sie mit

Hier geht es zum E-Paper

Hier finden Sie Ihre Abo-Angebote und Prämien


Hintergrund: Nato

Die Nordatlantische Vertragsorganisation (Nato) ist das bedeutendste sicherheitspolitische Bündnis der Welt, das sich 1949 unter dem Eindruck des sich ausbreitenden Kommunismus und der Berlin-Blockade formierte. Die Nato-Mitglieder, 28 Staaten Nordamerikas und Europas, verpflichten sich zur gemeinsamen militärischen Verteidigung.

Seit dem Ende des Kalten Kriegs und der Auflösung des Warschauer Pakts versteht sich die Nato zunehmend als weltweit agierende Sicherheitsorganisation. Seit 1994 arbeitet die Nato über das Programm Partnerschaft für den Frieden mit Staaten des ehemaligen Ostblocks eng zusammen.

Mit Russland ist sie über den Nato-Russland-Rat verbunden.






TOP



TOP