Oberste Korruptionsjägerin Rumäniens Politiker zittern vor dieser Frau

Die Bürger lieben sie, ihre mächtigen Feinde schäumen: Laura Codruta Kövesi, höchste Korruptionsbekämpferin Rumäniens. Sie bringt reihenweise Abgeordnete und Beamte ins Gefängnis. Wie lange noch?

AP

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Vor dem grauen klassizistischen Bau auf der Bukarester Stirbei-Voda-Straße warten Fernsehteams, wie immer. Sie sind in Dauerbereitschaft, denn hier gehen Rumäniens Mächtige und Reiche ein und aus. Fast täglich. Und meistens in Handschellen.

Im ersten Stock des Gebäudes arbeitet in einem unauffälligen Büro Laura Codruta Kövesi. Die rumänischen Medien nennen sie die "eiserne Dame der Justiz". Kövesi lächelt verschämt, wenn sie solche Attribute hört.

Das Gebäude ist der Sitz der rumänischen Antikorruptionsanwaltschaft DNA, Staatsanwältin Kövesi leitet sie seit drei Jahren. Die 43-Jährige führt den Kampf gegen Korruption im Land so konsequent wie niemand vor ihr. Dank ihr ist Rumänien - anders als der schlechte Ruf des Landes besagt - zu einem der europäischen Vorbilder in diesem Bereich geworden.

Eine Heldin für die Bevölkerung

Vor Kurzem wurde Kövesis auslaufende erste Amtszeit um drei neue Jahre verlängert - zum Leidwesen vieler Politiker im Land. Denn die DNA mit ihrem Team aus knapp 100 Staatsanwälten stellte in den vergangenen Jahren eine Rekordzahl von Politikern, hohen Beamten und Unternehmern wegen Korruption vor Gericht, viele mussten ins Gefängnis.

Für die Bevölkerung ist Kövesi deshalb eine Heldin. "Seitdem sie die DNA leitet, zählt die Behörde zu den Institutionen, denen die Bürger am meisten vertrauen", sagt der Publizist und Philosoph Andrei Cornea. "Ganz sicher ist Laura Codruta Kövesi eine der mächtigsten und bedeutendsten Persönlichkeiten Rumäniens, und mit Sicherheit die Person, die rumänische Politiker am meisten fürchten und hassen."

Der DNA-Chefin ist der Rummel um ihre Person unangenehm. Anfragen für Personality-Geschichten lehnt sie regelmäßig ab, selten gibt sie persönliche Details preis. Sie wuchs in der siebenbürgischen Kleinstadt Mediasch auf, ihr Vater war selbst Staatsanwalt. Als Jugendliche betrieb sie Basketball-Leistungssport. Dennoch, erzählt sie, habe sie schon immer, wie ihr Vater, Staatsanwältin werden wollen. "Ich wollte eben immer die Wahrheit erfahren und für Gerechtigkeit sorgen", sagt sie. Nach einem Jurastudium als eine der Jahrgangsbesten ging es schnell nach oben: Im Oktober 2006 wurde sie Generalstaatsanwältin Rumäniens - als jüngste Person und erste Frau auf diesem Posten.

Als sie die Leitung übernahm, wurde es ernst

Aufgrund welcher politischen Konstellationen sie sieben Jahre später zur DNA-Chefin ernannt wurde, weiß sie bis heute nicht - und möchte es auch nicht wissen. Mit den obskuren politisch-ökonomischen Netzwerken und Clans im Land will sie nichts zu tun haben.

Wenn sie über den Kampf gegen Korruption spricht, redet sie nicht von sich selbst, sondern hebt die Rolle der DNA-Ermittler hervor. "Mein Beitrag ist ausschließlich der eines Managers", sagt sie. "Ich organisiere die Arbeit, die Personalverteilung und setze Prioritäten. Mein wichtigster Beitrag ist vielleicht, dass ich meine Kollegen vor dem Druck und vor Einmischungen von außen schütze. Aber die Ermittlungen und Anklagen, die sind das Verdienst der Staatsanwälte."

Doch natürlich ist Kövesis Einfluss auf die DNA unübersehbar. Gegründet 2002, um große Korruptionsfälle in Politik, Wirtschaft und Verwaltung zu bekämpfen, musste sich Rumäniens Elite lange Zeit kaum vor Ermittlungen fürchten. Erst als Kövesi die DNA-Leitung übernahm, wurde es wirklich ernst.

Seitdem erreicht die Zahl der Ermittlungen und Anklagen gegen Politiker, hochrangige Beamte und Unternehmer jedes Jahr einen neuen Höchststand. 2015 brachte die DNA 1258 Angeklagte vor Gericht. Mehr noch: Während in früheren Jahren tendenziell eher gegen Oppositions- oder ehemalige Regierungspolitiker ermittelt wurde und beispielsweise einige korrupte Protegés des ehemaligen Staatspräsidenten Traian Basescu unantastbar waren, sind nun alle gleichermaßen betroffen. Im vergangenen Jahr ermittelte die DNA erstmals gegen einen amtierenden rumänischen Ministerpräsidenten, außerdem gegen fünf Minister, zahlreiche Staatssekretäre, Abgeordnete und Dutzende hohe Beamte, gegen alle wurden Gerichtsverfahren eröffnet.

Die beste Werbung für den Kampf gegen Korruption

Mit Staunen registriert die Öffentlichkeit, dass niemand mehr unantastbar ist. Dafür wird Kövesi gefeiert. "Ihre femininen und zugleich sehr standhaften öffentlichen Auftritte sind eine große Reklame für den Kampf gegen Korruption", sagt die Politologin Alina Mungiu-Pippidi. Das Satire-Portal "TimesNewRoman" parodierte das Image der DNA-Chefin: "Morgens trinkt sie keinen Kaffee, sondern eine Tasse mit den Tränen der Korrupten."

Laura Codruta Kövesi schüttelt über solchen Personenkult halb amüsiert, halb ratlos den Kopf und relativiert ihre eigene Rolle im Gespräch ein weiteres Mal. "Ich bin nicht anders als die meisten anderen Leute im Land", sagt sie. "Die meisten sind ehrlich, anständig und korrekt und wollen in einem ebensolchen Land leben." Die Justiz sei insgesamt reifer und unabhängiger geworden, Staatsanwälte ermittelten selbstbewusster, außerdem zeigten sich viele Erfolge der DNA erst jetzt, nach vielen Jahren Arbeit.

Doch wie lange die DNA noch Erfolgsmeldungen verbreiten kann, ist ungewiss. Seit Jahren versucht das rumänische Parlament immer wieder, per Gesetz Politiker und Beamte von der Strafverfolgung auszunehmen. Das Verfassungsgericht schränkte die Kompetenzen der DNA in diesem Jahr bereits zweimal ein, zuletzt vor zwei Wochen, als es urteilte, der Straftatbestand des Amtsmissbrauchs müsse neu definiert werden. Das könnte viele DNA-Ermittlungen abschwächen oder sogar beenden.

Als Justizbeamtin darf und will Kövesi das Urteil nicht kommentieren. Sie sagt nur: "Ich hoffe, wir können auch weiterhin dazu beitragen, für Gerechtigkeit zu sorgen."


Zusammengefasst: Laura Codruta Kövesi leitet die Antikorruptionsbehörde in Rumänien. Unter ihrer Leitung sind auch amtierende Spitzenpolitiker nicht mehr tabu. Im Volk macht sie das zur Heldin, zugleich macht sie sich mächtige Feinde. Zuletzt gab es immer wieder Anläufe, ihre Behörde zu entmachten.


Lesen Sie ein ausführliches Interview mit der Leiterin der rumänischen Anti-Korruptionsbehörde Laura Codruta Kövesi hier auf der Webseite des Autors.



insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mecker_messi 27.06.2016
1. Es ist schön
auch mal positive Nachrichten zuhören!
BettyB. 27.06.2016
2. Tja...
Wer sich an die Schwierigkeiten erinnert, die einige deutsche Finanzbeamte hatten, als sie Steuerhinterziehern auf der Spur waren, kann diese Frau nur bewundern und ihr Gesundheit im Amt und allzeit Glück wünschen.
unbekanntgeblieben 27.06.2016
3.
Bei uns unmöglich. Korruption ist bei uns juristisch kaum nachweisbar, wenn nicht gerade die Bestechung quittiert wurde. Folgen sind auch nicht zu erwarten, siehe Gabriel, siehe Schäuble, ...
tommachtblau 27.06.2016
4. Das sind ja mal positive Nachrichten aus diesem Land - super
Weiter so Rumänien
vantast64 27.06.2016
5. Frau Kövesi sollte hierher kommen, wenn sie gefeuert wird,
die augenblicklichen Themen hier sind "Intelligente Stromzähler" und die neue GEZ. Vorteile für die Bürger gibt es in beiden Fällen nicht, nur für die Profiteure. Von daher und weil die Fakten so durchsichtig sind, liegt Korruption nahe. Zwangszähler,Zwangsrundfunk: wo bleiben unsere Bürgerrechte?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.