Belästigungsvorwürfe gegen Cain: "Ich habe diese Frau nie zuvor gesehen"

US-Präsidentschaftsbewerber Herman Cain kämpft gegen immer neue Vorwürfe sexueller Belästigung  - und um seine politische Karriere: Sharon Bialek, die behauptet hatte, von ihm bedrängt worden zu sein, kenne er gar nicht. Das Rennen ums Weiße Haus werde er nicht aufgeben.

Will im Rennen bleiben: Präsidentschaftsanwärter Herman Cain Zur Großansicht
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Will im Rennen bleiben: Präsidentschaftsanwärter Herman Cain

New York - Jetzt steht es Aussage gegen Aussage: Der bislang sehr erfolgreiche republikanische Präsidentschaftsbewerber Herman Cain hat die jüngsten Vorwürfe sexueller Belästigung von sich gewiesen.

Er habe das angebliche Opfer Sharon Bialek noch nie gesehen, bevor sie am Montag in einer Pressekonferenz die Vorwürfe gegen ihn erhoben hatte. Die von ihr beschriebene Belästigung habe "einfach nicht stattgefunden". Niemand könne "die Geschichte bestätigen", sagte Cain.

Bialek, eine frühere Angestellte der Nationalen Restaurant-Vereinigung (der National Restaurant Association, NRA), deren Chef Cain war, hatte in New York gesagt, Cain habe ihr vor 14 Jahren unter den Rock gegriffen.

Der frühere Chef einer Pizzakette lag in der vergangenen Woche im Kampf um die republikanische Präsidentschaftskandidatur in nationalen Umfragen vorn. Doch dann kamen die ersten Vorwürfe wegen sexueller Belästigung, mittlerweile haben vier Frauen solche Anschuldigungen erhoben - das kann das Aus für den Kandidaten Cain bedeuten.

Doch Cain gibt sich weiterhin kämpferisch: Er werde nicht aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur aussteigen. "Das wird nicht passieren. Wir werden da durchgehen", so Cain. Er wäre sogar bereit, einen Lügendetektortest zu machen, wenn es dafür einen guten Grund gäbe.

Nach Bialek ging jetzt eine zweite Frau an die Öffentlichkeit: Am Dienstag äußerte sich Karen Kraushaar in der US-Tageszeitung "New York Times". Bereits in der vergangenen Woche hatte Kraushaar Cain in einer Mitteilung eines Anwaltsbüros "unangemessene Verhaltensweisen und unerwünschte Annäherungsversuche" vorgeworfen. "Wenn man am Arbeitsplatz sexuell belästigt wird, ist man extrem verwundbar", sagte Kraushaar nun der Zeitung.

Details zu den angeblichen Übergriffen wolle sie zunächst nicht nennen. Sie denke jedoch darüber nach, eine gemeinsame Pressekonferenz mit allen vier bislang bekannten angeblichen Opfern und ihren Anwälten zu organisieren. Auch Kraushaar hatte in den neunziger Jahren, auf die sich ihre Vorwürfe beziehen, für die Restaurant-Vereinigung gearbeitet.

Der 65-jährige Cain hat alle Vorwürfe bisher entschieden zurückgewiesen. Es handele sich um eine "Hexenjagd" und eine "Schmutzkampagne". Man versuche, seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner und ihn persönlich zu "zerstören".

Bisher schadeten die Berichte über mutmaßliche sexuelle Belästigung dem Republikaner in seiner Beliebtheit nicht. In jüngsten Umfragen liegt er im Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur weiterhin Kopf an Kopf mit oder sogar vor seinem parteiinternen Konkurrenten Mitt Romney, dem früheren Gouverneur des US-Bundesstaats Massachusetts.

lgr/Reuters/AP/AFP

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jimknopf107 09.11.2011
Tragisch, wenn die Vorwürfe stimmen. Wenn aber jeder Politiker ins Gefängnis käme, der - kaum dass er populär wurde - plötzlich solche Vorwürfe zu hören bekommt- gäbe es wohl auf der ganzen Welt keine Politiker mehr ^^ Ist ja auch merkwürdig, dass gerade Politiker solche Neigungen haben sollen. Was wurde denn den Mädels von irgendwelchen Neidern oder polit. Gegnern für ihre Aussagen versprochen?
2. running gag
fessi1 09.11.2011
Sexuelle Belästigung scheint zum running gag im Umgang mit politischen Gegnern zu werden. Willst du jemanden zerstören unterstelle im sexuelle Belästigung. Zieht immer. Vor allem wenn man weiss, dass er häufiger sexuellen Umgang flegt. Am besten noch mit Praktiken, welche über die Missionarsstellung hinausgehen. Ich kenne Herrn Cain nicht. Und im Moment ist es mir noch ziemlich egal ob er Präsidentschaftskandidat wird, oder nicht. Aber irgendwie reiht sich das Ganze nett in die Reihe zuletzt öffentlich gewordener Vorwürfe, welche sich dann doch als haltlos darstellten. Schaun wir mal.
3. Zufälle gibts ...
instant_karma 09.11.2011
Huch! ...was für ein Zufall, kaum liegt der Mann in den Umfragen vorn, tauchen auch schon die unzähligen, von ihm sexuell belästigten Frauen auf und erheben Anschuldigungen die niemand in irgendeiner Art beweisen oder bestätigen kann.
4. Gimme a break
tailspin 09.11.2011
Zitat von sysopUS-Präsidentschaftsbewerber Herman Cain kämpft gegen immer neue Vorwürfe sexueller Belästigung* - und um seine politische Karriere: Sharon Bialek, die behauptet hatte, von ihm bedrängt worden zu sein, kenne er gar nicht. Das Rennen ums Weiße Haus werde er nicht aufgeben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,796666,00.html
Die Blondine im pink shirt machte zusammen mit RA Gloria Allred bei ihrem TV Auftritt einen glaubhaften Eindruck. Allerdings Mr. Cain in seiner Verteidigung auch. Der einzige Casus, der bis dato schriftlich in einem Vertrag (nicht etwa Vergleich mit legalen Implikationen) behandelt wurde, war der Anschuldigung von einer anderen Beschaeftigten der ehemaligen National Restaurant Ass. (NRA) wg 'sexuell harrassment', was spaeter zur Aufloesung des Arbeitsvertrages gefuehrt hat. Die NRA konstatierte in dem Zusammenhang, dass der Vorwurf grundlos war. H. Cain demonstrierte bei seinem TV-Auftritt die Geste und den Spruch, der zu der Aufregung gefuehrt hatte:. Arm halbhoch vor die Brust gehalten:" You are as tall as my wife." Ok? Wenn das 'sexuell harrassment' ist, dann sollte ich auch mal klagen. Jetzt wird es darauf ankommen, was die Blondine noch zu bieten hat. Angeblich gibt es noch zwei Zeitzeugen, die eidesstattliche Erklaerungen daruber abgegeben haben, dass die Blondine H. Cain im Zusammenhang mit 's.h.' erwaehnt hat. Ohne die griffigen Details natuerlich, die jetzt hochkommen. Wenn sich aber herausstellen sollte, dass die Blondine, offenbar alleinstehend mit Kind, sowas schon oefter gemacht hat, oder Gloria Allred gar aus der demokratischen Reptilienkasse bezahlt wird, dann ist Mr Cain ein Stueck naeher am Praesidentenamt. Mr Cain ist "all in".
5. Cain
spongie2000 09.11.2011
Ob Cain schuldig ist, weiß natürlich auch ich nicht. Aber dieser Fall zeigt, wie vorsichtig MANN sein muss. Ich habe in meinem Büro seit letztem Jahr eine kleine Kamera installiert. Ich werde die Aufnahmen mein Leben lang behalten. Sonst könnte plötzlich irgendjamendem einfallen, dass ich vor Jahren auf ihren tiefen Ausschnitt geguckt habe (Der zufällig bis zum Bauchnabel reichte, aber das ist ja das gute Recht der Frau- als Mann habe ich wegzuschauen, wie ein Roboter!).
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