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Anschlagsgefahr: Belgien mobilisiert Spezialeinheiten zur Terrorabwehr

Soldaten in Belgien: In Uniform vor der Synagoge Fotos
REUTERS

Belgien fürchtet ein islamistisches Attentat: Als Schutzmaßnahme hat die Regierung nun Hunderte Soldaten auf die Straßen geschickt - darunter Spezialeinheiten. Nach dem mutmaßlichen Anführer der belgischen Terrorzelle wird jetzt gefahndet.

Brüssel - Die Menschen in den belgischen Großstädten müssen sich an den Anblick schwerbewaffneter Soldaten auf ihren Straßen gewöhnen. Nach der Festnahme von 15 Terrorverdächtigen hat das Land die Sicherheitsmaßnahmen massiv verstärkt.

Bis zu 300 Soldaten sollten von Samstag an in Brüssel und Antwerpen, den beiden größten Städten des Landes, zum Einsatz kommen, hieß es in einer am Samstagmorgen verbreiteten Mitteilung der Regierung. Vor allem in Antwerpen gibt es einen großen jüdischen Bevölkerungsanteil.

"Die mobilisierten Truppen sind bewaffnet, und ihre Hauptaufgabe ist es, bestimmte Standorte zu überwachen", hieß es in einer Erklärung des Büros von Regierungschef Charles Michel. Mit der Maßnahme solle die Polizei unterstützt werden.

Wie angespannt die Lage im Land ist, zeigte sich am Samstag in Brüssel. Dort nahmen die Sicherheitsbehörden drei weitere Terrorverdächtige fest - sie hatten Polizisten bedroht. Einer von ihnen wurde gefasst, nachdem er versucht hatte, auf einen Beamten zu schießen.

Bei den nun abgestellten Soldaten handelt es sich vor allem um Mitglieder einer Spezialeinheit. Zuletzt war in den Achtzigerjahren im Zusammenhang mit einer Anschlagsserie einer kommunistischen Organisation auf die Streitkräfte zurückgegriffen worden - sonst ist ihre Aufgabe im Inland auf die Sicherstellung der öffentlichen Ordnung beschränkt.

Die Soldaten könnten auch in Verviers und anderen Orten eingesetzt werden und sollten die Polizei verstärken, hieß es weiter. In Verviers im Osten des Landes waren am Donnerstagabend zwei Terrorverdächtige bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet worden. Danach wurden in Belgien insgesamt 13 Personen festgenommen, in Frankreich zwei.

Fünf Verdächtige waren bis Freitagabend vor den Haftrichter gekommen. Drei von ihnen wurden in Untersuchungshaft genommen und zwei unter Auflagen freigelassen.

Nach dem mutmaßlichen Anführer der ausgehobenen Islamistenzelle wird jetzt gefahndet. Wie die Zeitung "La Dernière Heure" berichtet, wird mithilfe der US-Bundespolizei FBI nach dem 27-jährigen Abdelhamid Abaaoud gesucht. Der Belgier mit marokkanischen Wurzeln, der im Brüsseler Stadtteil Molenbeek aufwuchs, soll sich dem Bericht zufolge in Syrien der Dschihadistenorganisation "Islamischer Staat" (IS) angeschlossen haben.

Zehntausend Soldaten in Frankreich auf den Straßen

Nach Angaben der Ermittler wollten die Verdächtigen Polizisten auf der Straße oder in Kommissariaten töten. Mehrere von ihnen seien im Syrien-Krieg gewesen. Nach einem Bericht des belgischen Senders VTM wurde die Terrorzelle von einem früheren Syrienkämpfer von Griechenland aus koordiniert.

In Frankreich, wo Attentäter in der vorvergangenen Woche insgesamt 17 Menschen getötet hatten, sind ebenfalls Soldaten im Einsatz - wenn auch in deutlich größerem Maßstab. So hat die Regierung rund zehntausend Mitglieder der Streitkräfte für die Bewachung besonders gefährdeter Orte abgestellt. Bewaffnete Einheiten stehen etwa vor den größten Touristenzielen und Verkehrsknotenpunkten. 5000 Polizisten sollen außerdem die mehr als 700 jüdischen Schulen im Land schützen.

jok/dpa/AFP

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