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Großraum Brüssel: Polizei führt neue Razzien im Großraum Brüssel durch

Soldaten bewachen Platz der Börse in Brüssel Zur Großansicht
AP

Soldaten bewachen Platz der Börse in Brüssel

In 13 Hausdurchsuchungen ist die belgische Polizei erneut gegen mutmaßliche Terroristen vorgegangen. Von neun Festgenommenen wurden fünf bereits wieder freigelassen.

An verschiedenen Orten - zumeist im Großraum Brüssel - hat die belgische Polizei weiter nach Terroristen gesucht. Am Sonntagmorgen führten Ermittler 13 Hausdurchsuchungen durch. Das teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Die Razzien stünden im Zusammenhang mit Terrorismus-Ermittlungen, hieß es. Eine ausdrückliche Verbindung zu den Brüssel-Attentaten vom Dienstag stellte die Behörde aber nicht her.

Von insgesamt neun festgenommenen Personen seien bis zum Nachmittag fünf wieder freigelassen worden. Bei vier Verdächtigen sollte ein Richter im Laufe des Tages über eine mögliche Untersuchungshaft entscheiden.

Zweiter Verdächtiger beschuldigt

Bereits am Donnerstag meldeten Frankreichs Sicherheitskräfte erfolgreiche Razzien: Mit der Festnahme eines Mannes im Großraum Paris wurde offenbar ein Attentat verhindert.

Die belgische Justiz beschuldigte nun laut Staatsanwaltschaft einen zweiten Verdächtigen der "Beteiligung an Handlungen einer Terrorgruppe".

Abderrahmane A. war laut Staatsanwaltschaft am Freitag im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek festgenommen worden. Die Polizei hatte ihm kurz zuvor nahe einer Straßenbahnhaltestelle ins Bein geschossen.

Ebenfalls wegen des in Frankreich geplanten Anschlags war am Samstag Rabah N. in Belgien offiziell beschuldigt worden. Auch ihm wird die Beteiligung an "terroristischen Handlungen" vorgeworfen.

Waffen und Sprengstoff gefunden

Nach Angaben von Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve wurde durch den Ermittlungserfolg am Donnerstagabend ein "im fortgeschrittenen Stadium geplantes Attentat in Frankreich vereitelt". Die französische Polizei hatte den 34-jährigen R. bei Paris festgenommen. Der Franzose soll Verbindungen zu dem Drahtzieher der Pariser Anschläge vom November, Abdelhamid Abaaoud, gehabt haben. Nach seiner Festnahme wurden in seiner Wohnung Waffen und Sprengstoff gefunden.

Nach den Ermittlungsergebnissen aus Frankreich und Belgien soll der mutmaßliche Kopf der europäischen IS-Terrorzellen der Algerier Mohamed Belkaid gewesen sein, der bei einem Polizeieinsatz in Belgien erschossen wurde. Er soll gemeinsam mit Najim Laachraoui, einem Bombenbauer und späteren Brüssel-Attentäter, die Terrorkommandos bei den Pariser Attentaten von Belgien aus per Telefon angeleitet und koordiniert haben, heißt es in dem Bericht weiter.

Laut der belgischen Zeitung "Le Soir" ist der dritte Attentäter vom Brüsseler Flughafen längst gefasst. Der in der Nacht zum Freitag festgenommene Fayçal C. sei von jenem Taxifahrer identifiziert worden, der das Terrorkommando zum Flughafen brachte. Eine offizielle Bestätigung gab es bislang nicht. Wie der Sender RTBF berichtete, wird noch auf das Ergebnis einer DNA-Analyse gewartet. Gegen Fayçal C. wurde Haftbefehl erlassen wegen Beteiligung an terroristischen Morden. Waffen oder Sprengstoff waren bei ihm nicht gefunden worden.

Was zuletzt geschah - der Überblick:

  • Wie das belgische Innenministerium mitteilte, soll ein belgischer Polizist in Istanbul den Informationsfluss über Ibrahim El Bakraoui, einen der Flughafen-Attentäter, zwischen beiden Ländern verschleppt haben. Die Türkei hatte Belgien zuvor vorgeworfen, Warnhinweise über den des Landes verwiesenen El Bakraoui ignoriert zu haben.
  • Auch in Deutschland waren laut SPIEGEL-Informationen zwei Verdächtige festgenommen worden, die Verbindungen zu den Attentätern gehabt haben sollen. Die Festnahmen fanden demnach im Raum Düsseldorf und im Raum Gießen statt. Die beiden in Gießen und Düsseldorf festgenommen Männer stehen jedoch nicht in Verbindung mit den Terroranschlägen in Brüssel, wie die Bundesanwaltschaft am Samstag bekannt gab.
  • Vier Tage nach den Brüsseler Anschlägen sind die meisten Todesopfer identifiziert. Bei 24 der 31 von Selbstmordattentätern getöteten Menschen sei nun geklärt, um wen es sich handelt, teilte die Staatsanwaltschaft laut Nachrichtenagentur Belga am Samstag mit. Unter den Toten ist auch eine Frau aus Aachen. Mittlerweile geht das Gesundheitsministerium von 340 Verletzten aus - bisher war von 300 Personen die Rede. Rund 100 Verletzte sind danach noch im Krankenhaus, davon 62 auf der Intensivstation. Einige Opfer haben schwere Verbrennungen. Auch der Mann der getöteten Aachenerin liegt nach Angaben vom Freitag noch im Krankenhaus.
  • Ein für Sonntag geplanter Gedenkmarsch in Brüssel für die Opfer der Terroranschläge soll auf Anraten von Innenminister Jan Jambon wegen Überlastung der Polizei ausfallen. Gemeinsam mit dem Brüsseler Bürgermeister Yvan Mayeur appellierte er am Samstag an die Bürger, nicht zusammenzukommen. Zur Begründung hieß es, die Polizeikräfte würden für die noch laufenden Fahndungen benötigt.

vek/AP/dpa/Reuters

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Bevölkerung: 11,209 Mio.

Hauptstadt: Brüssel

Staatsoberhaupt:
König Philippe

Regierungschef: Charles Michel

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