Belgrad Tausende Serben demonstrieren gegen Präsident Vucic

Trotz Schneesturm: In der serbischen Hauptstadt Belgrad sind am fünften Samstag in Folge Tausende auf die Straße gegangen. Sie wollen ein Zeichen gegen die autoritäre Politik von Präsident Vucic setzen.


Gut 15.000 Menschen haben am Samstagabend in Belgrad erneut gegen die Regierung des serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic demonstriert. Die Protestanten gingen den fünften Samstag in Folge und trotz Schneesturms auf die Straße. Die Teilnehmer marschierten zum Sitz des staatlichen Fernsehsenders RTS, den Vucic-Getreue strikt kontrollieren.

Der Protest stand unter dem Motto "Einer von fünf Millionen". Die Parole spielt auf eine Aussage des autoritär regierenden Vucic an, derzufolge er sich den Forderungen der Demonstranten selbst dann nicht beugen wolle, wenn sie von fünf Millionen Menschen erhoben würden. Serbien hat sieben Millionen Einwohner.

Kritiker werfen Vucic vor, autoritär zu regieren und die Opposition zu unterdrücken

Seit Anfang Dezember gehen Regierungsgegner in Belgrad auf die Straße. Ursprünglicher Anlass der Demonstrationen war der brutale Angriff auf den Vorsitzenden der Serbischen Linken, Borko Stefanovic, Ende November in der südserbischen Stadt Krusevac.

Die Täter sind bis heute unbekannt. Die ursprünglich verhafteten Verdächtigen wurden kurz vor der Jahreswende aus Mangel an Beweisen freigelassen. Vucic verurteilte den Anschlag - die Oppositionellen machen weiterhin den Präsidenten dafür verantwortlich. Sie werfen ihm vor, mit seiner aggressiven Rhetorik gegen Kritiker und Oppositionelle zu einem Klima der Gewalttätigkeit im Land beizutragen.

Die Demonstrationen sind die ersten bedeutenden Proteste in Serbien seit dem Frühjahr 2017, als nach dem Wahlsieg von Vucic Tausende zumeist junge Serben auf die Straße gegangen waren. Seine Kritiker werfen ihm vor, autoritär zu regieren und die Opposition, die Medien und die Zivilgesellschaft mundtot zu machen.

läs/dpa



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