Umfragetief: Hollande verliert den Rückhalt seiner Franzosen

Der Vertrauensvorschuss ist aufgebraucht: Nach nur drei Monaten im Amt rutschen die Umfragewerte von François Hollande ab. In einem Monat verlor Frankreichs Präsident satte fünf Prozentpunkte. Schuld sind Euro-Krise und das Griechen-Drama, aber auch Probleme im eigenen Land.

Präsident Hollande: Weniger als die Hälfte der Franzosen vertraut seiner Arbeit Zur Großansicht
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Präsident Hollande: Weniger als die Hälfte der Franzosen vertraut seiner Arbeit

Paris - François Hollande hat es nicht leicht. Gerade mal ein Vierteljahr ist er im Amt - und muss sich seitdem mit Euro-Rettung, Griechen-Chaos und hoher Arbeitslosigkeit im eigenen Land herumschlagen. Nun bekommt er die Quittung: Frankreichs Präsident hat bei seinen Landsleuten deutlich an Popularität eingebüßt.

Nur noch 49 Prozent der Befragten hatten im Juli Vertrauen in die Arbeit Hollandes, fünf Prozentpunkte weniger als im Vormonat, wie aus einer CSA-Les-Echos-Umfrage hervorgeht.

Es ist ein dramatischer Verlust. Kurz nach der Präsidentenwahl im Mai hatte die Zustimmung einer Ifop-Umfrage zufolge noch bei 61 Prozent gelegen. Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy konnte seine Beliebtheit in den ersten Monaten der Präsidentschaft noch deutlich steigern.

Vor allem die Euro-Krise bereitet Hollande Sorgen. Erst am Donnerstag hatte er bei einem Treffen in Berlin Einigkeit mit Kanzlerin Angela Merkel demonstriert. Zusammen mit seiner deutschen Kollegin sprach er sich für einen harten Kurs gegen die pleitebedrohten Griechen aus.

Der Präsident steht aber auch vor großen innenpolitischen Herausforderungen: Eine steigende Arbeitslosenquote, die stagnierende Wirtschaft und die Notwendigkeit, in den nächsten Jahren 33 Milliarden Euro einzusparen. Zuletzt sah sich der Präsident zudem mit Krawallen in der nordfranzösischen Stadt Amiens konfrontiert, auch die Räumung mehrerer Roma-Lager stieß auf Kritik.

"Die Franzosen haben weniger Hoffnung als 2007"

Wenige Monate nach dem Sieg der Sozialisten offenbarte eine weitere Umfrage im Land grassierenden Pessimismus. "Die Franzosen haben weniger Hoffnung als 2007", konstatiert Brice Teinturier vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos. Der erste Teil der Wende, der Wechsel zu neuem Stil und Personen, sei gelungen, so der Politologe.

Jetzt müsse die Regierung den Bürgern klarmachen, dass die Sanierung von Staatsfinanzen und Wirtschaft einer gewissen Zeit bedürfe. "Wenn die Ungeduld wächst", warnt Teinturier, "wird es für den Präsidenten und seinen Premier bald sehr kompliziert werden."

jok/Reuters

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insgesamt 24 Beiträge
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1.
Cotti 24.08.2012
Zitat von sysopDer Vertrauensvorschuss ist aufgebraucht: Nach nur drei Monaten im Amt rutschen die Umfragewerte von François Hollande ab...
Ach hört doch auf, mit "Vertrauensvorschuss ist aufgebraucht" - die Franzosen wollten Sarkozy los werden, dafür brauche Hollande viele Stimmen. Jetzt haben auch die Franzosen ihn ein ein paar Jahre an der Backe - egal wie viele sinnlose "Umfragen" in dieser Zeit gemacht werden.
2. Das ging ja schneller als gedacht...
u.loose 24.08.2012
leider aber zu spät - nun haben die Franzosen ihren Sozialismus für fünf Jahre am Hals... Kommt davon, wenn man zu Wahlen mit dem Bauch zum "Abstrafen" geht...
3. wie gehabt...
Subcutan67 24.08.2012
Tja, da wird der Sozialist Hollande doch recht rasch entzaubert. Blumige Versprechungen vor der Wahl, kurz danach bricht das fragile Kartenhaus zusammen. Ich frage mich, wie es den meisten Politikern europaweit immer wieder gelingt, mit ihren Wahlkampflügen die Wähler auf ihre Seite zu ziehen. Hollande ist da noch schlimmer als sein Vorgänger. Was solls, in naher Zukunft wird in Europa eh alles den Bach runtergehen. Bedanken können wir uns bei den machtgeilen Politikversagern und letztlich bei uns selbst, denn schließlich setzt das Volk das Kreuzchen....
4. kleiner Mann
Sabi 24.08.2012
Der kleine Mann in France hat vom kleinen Mann, der sich Monsieur le Président nennt viel, gar Wunder erwartet ! Rien de rien !!!!!!
5. Machterhalt um jeden Preis?
zeitmax 24.08.2012
Oder was ist das wahre Motiv für diese allgemeine Unfähigkeit. klar erkennbare Realitätenwahrzunehmen, nicht zu leugnen und ihnen deutlich und zielorientiert zu begegnen? Diese verfluchte halbgare Kompromißlerei und das Taktieren, Verschieben und Negieren macht alles schlimmer. Glauben die denn wirklich ihren eigenen, herzhaft gefälschten Statistiken? Dann wird es Zeit für eine harte Lösung: Am Ende winkt der Laternenpfahl...
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